Der Beschluss zum Aus für Altkleidercontainer hat zuletzt für Wirbel gesorgt. Am Mittwoch wurde er im Landtag endgültig fixiert: Ab 1. Jänner ist die Aufstellung im öffentlichen Raum verboten. Für die Betreiber ein Schock: Ohne Container drohe sich das Problem zu verlagern – Altkleidung könnte vermehrt im Restmüll landen.
Im Wiener Landtag ist am Mittwoch das Aus für Altkleider-Sammelcontainer auf öffentlichem Grund beschlossen worden. Alle im Stadtparlament vertretenen Fraktionen stimmten der Novelle einstimmig zu. Anlass für die Neuregelung ist die zunehmende Verschmutzung durch Textilien rund um die Sammelstellen, die „Krone“ berichtete.
Für den Betreiber HUMANA ist der Beschluss ein Schock. Das Unternehmen nehme die Entscheidung zwar zur Kenntnis, dennoch hoffe der Altkleidersammler auf ein „tragfähiges Ersatzkonzept“, wie es in einer Aussendung am Donnerstag heißt. Denn sollte die Stadt das versäumen, drohen Verstöße gegen bundesrechtliche Sammelpflichten sowie ein Verlust des Anschlusses an die EU-Vorgaben zur Kreislaufwirtschaft.
Wien sammelt jährlich fünf Millionen Kilogramm Gebrauchttextilien. Diese Menge verschwindet nicht, weil ein Gesetz es verlangt.
Henning Mörch, Vorstandsmitglied und Geschäftsleitung HUMANA Österreich
Altkleider-Flut: Fünf Mio. Kilo jährlich
Der Secondhand-Anbieter befürchtet bei einem „Pauschalverbot“ zudem eine Verlagerung des Müllproblems. Rund 67 Prozent der gesammelten Stücke können laut Umweltbundesamt weitergetragen werden, 23 Prozent werden zu Putzlappen, Dämmmaterial, Abdeckvliesen und Recyclingfasern verarbeitet. Nur knapp zehn Prozent sind Abfall, der thermisch verwertet werden kann. „Wien sammelt jährlich fünf Millionen Kilogramm Gebrauchttextilien. Diese Menge verschwindet nicht, weil ein Gesetz es verlangt“, erklärt Henning Mörch, Vorstandsmitglied und Geschäftsleiter von HUMANA Österreich. Der Betreiber fordert zudem, im Gesetz zwischen funktionierenden und problematischen Standorten zu unterscheiden.
Nach Einschätzung des Secondhand-Anbieters würde das Verbot dazu führen, dass ein Großteil der rund vier Millionen Kilogramm Altkleidung aus öffentlichen Sammelstellen verbrannt oder im Restmüll landen wird. Die MA48 könne die Mengen an Kleidung nicht bewältigen, wie Umweltstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) es zuletzt empfohlen hatte. Zum Vergleich: Die MA48 sammelt derzeit rund 350.000 Kilogramm, etwa 650.000 Kilogramm entfallen demnach auf die 600 private Sammelstellen (anstelle der insgesamt 2280 heute), die auch weiterhin erhalten bleiben dürfen.
Die Stadt kritisierte in einem Pressegespräch massive Probleme mit illegal geplünderten Containern und der daraus folgenden Vermüllung. Hunderte Beschwerden seien eingegangen. Die Betreiber seien mehrfach aufgefordert worden, die Missstände zu beheben – ohne Ergebnis, so die Stadt. Der Betreiber HUMANA spricht dagegen von einer überraschenden Entscheidung und kritisiert, dass es kein letztes Kommunikationsersuchen gegeben habe.
Unternehmen hofft auch Kooperation
Der Altkleidersammler hofft dennoch auf Kooperation. Am 2. Juni ist ein Gespräch mit der Stadtregierung geplant, bei dem Übergangslösungen im Zusammenhang mit dem Verbot sowie Fragen der textilen Kreislaufwirtschaft erörtert werden sollen. Zudem werde noch die Rechtmäßigkeit des Gesetzesbeschlusses geprüft.
Die Wiener Bevölkerung kann ihre Kleidung noch bis Jahresende in Container auf öffentlichen Grund werfen. Auch nach dem Verbot bleibt die Abgabe in Secondhand-Shops oder privaten Sammelcontainern weiterhin möglich. „Wir stehen als Sammelpartner weiterhin zur Verfügung, mit unseren Strukturen und unserem Know-how“, betont Mörch.
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