Das Marmorschlössl der Sisi im Ischler Kaiserpark macht wieder Platz für Gegenwartskunst. Die Wiener Künstlerin Jakob Lena Knebl inszeniert hier großartige Erlebnisräume. Die Installationen widmen sich Identität, Körper und Begehren zwischen Design, Kunstgeschichte und Space Age. Die Sisi hätte ihre Freude dran gehabt...
Nach Ai Weiwei im Kulturhauptstadtjahr 2024 und Erwin Wurm im Vorjahr stellt diesen Sommer Jakob Lena Knebl im Marmorschlössl aus. Die Wienerin zählt zu den interessantesten zeitgenössischen Kunstschaffenden, sie vertrat Österreich bereits auf der Biennale in Venedig.
„Ich habe mich sofort in das Marmorschlössl verliebt“, schwärmt Knebl (siehe auch Interview unten). Dass sich die Kaiserin dieses Cottage als „Schloss ganz für sich selbst“ erbauen ließ, beeindruckt die Künstlerin, die Räume durch Installationen neu erleben und denken lässt.
Ihre Skulpturen bewegen sich im Spannungsfeld von Märchen, Design- und Kunstgeschichte, Space Age sowie feministischer und queerer Körperkunst. Dabei geht Knebl sinnlich vor – und greift Bekanntes auf: „Jeder soll Zugang haben.“
Ein armes Mädchen tanzt im Märchenschloss
Die Ausstellung nennt sie „Sommerfrische“. Im ersten Raum lässt die Künstlerin Vorhänge herabfließen, darauf manipulierte Muster der Wiener Werkstätten. Überdimensionale Beine, umhüllt mit Vorhangstoff, ragen aus der Wand. Der Raum wird zum Körper.
Eine bronzene Tänzerin spielt auf den Maler Edgar Degas an: „Er malte arme Mädchen, eines will ich hier zeigen“, sagt Knebl. Sie selbst hatte ursprünglich als Altenpflegerin gearbeitet, bevor ihr die Kunstkarriere gelang. Sie sagt: „Ich komme eigentlich aus der Arbeiterklasse.“ Jetzt wird die arme Tänzerin im monarchischen Kunstraum zur politischen Aussage.
Kolonialismus und Schwan
In Sisis Schlafgemach sind Raubkatzen und ein dreiköpfiger Schwan eingezogen – angeblich hatte auch bei der Kaiserin ein Schwan logiert. Eine Renaissancefigur der Maria Magdalena wird verdoppelt, ein Stilmittel Knebls. Historisches Mobiliar wird mit einem Krokodil und Design der 1970er-Jahre kombiniert.
Im Obergeschoß treten sakrale Objekte aus einer Wand aus langen Haaren hervor, hier geht es um „Fetische“. Aber auch um Zuschreibungen und Bilder von Verwilderung, Einsamkeit und Sünde – wie schon bei Maria Magdalena angedeutet.
Im Garten vor Sisis Schlössl stolzieren Holzhäuser auf Hühnerbeinen, wie im Märchen von Baba Jaga, der alten Weisen, die zwischen Wildnis und Kultur, Leben und Tod verhandelt.
Eine poetische, einzigartige und sehenswerte Ausstellung im Marmorschlössl, Kaiserpark Bad Ischl (bis 31. Oktober)!
„Heimhilfe“ für das Marmorschlössl
Interview mit Jakob Lena Knebl, die erste Künstlerin, die hier ausstellt.
„Krone“: Als ich heraufgekommen bin, habe ich gleich zwei Hexenhäuser mit Hühnerbeinen entdeckt. Das kenne ich aus Märchen. Warum bauen Sie das hier nach?
Jakob Lena Knebl: Mich interessiert es, wenn Kunst auf den Alltag verweist. Viele kennen vielleicht das Bild: Eine alte Frau kocht Rüben. Mir geht es in meiner Kunst auch immer um Fragen, wie: Woran glauben wir? Womit umgeben wir uns?
Sie nehmen Traditionen, Geschichten, Figuren her, machen aber dennoch etwas völlig Neues damit. Was ist Ihr Motor?
Der Moment der Hoffnung, dass wir nicht so bleiben müssen, ist interessant. Ich finde es sehr spannend, wenn wir uns verändern.
Ai Weiwei war der erste Künstler im Marmorschlössl, es folgte Erwin Wurm. Nun sind Sie die erste Künstlerin hier.
Das ist natürlich toll, aber ich denke nicht zuerst an das. Vielmehr: Ich habe mich sofort in diesen Ort hier verliebt. Ich komme ja ursprünglich aus der Altenpflege und sehe das eher so mit der Überschrift: ,Heimhilfe pflegt das Marmorschlössl!’ Ich bin aus der Working Class.
Aber Sie passen dennoch in die Reihe.
Ja, interessant. Ich bin ja bewusst plakativ in meiner Arbeit. Ich will, dass man die Dinge verstehen kann, auch wenn man nicht von der Kunst kommt.