Kinder & Krebs

„Ich wollte in dieser Krise nicht untergehen“

Oberösterreich
10.04.2026 17:00

Als der jüngste Sohn an Leukämie erkrankte, wurde das Leben von Monika Maria Rieger auf den Kopf gestellt. Heute weiß sie: Dass die Familie die Krise gut überstehen konnte, lag auch an einer wichtigen Entscheidung. Sie erzählt der „Krone“  – und in ihrem Buch „Wo das Leben neu beginnt“ – die ganze Geschichte.

Ein einziger Augenblick – und plötzlich war im Leben von Monika Maria Rieger, Bad Ischl, alles anders.

Sie ist Mutter von drei Kindern, eines davon – Robin, der Jüngste – mit Trisomie 21, besser bekannt auch als Downsyndrom. „Es war in der Weihnachtszeit. Robin, damals zwei Jahre alt, war lustlos, hat wenig gegessen, ich musste ihn viel tragen. Und ich hatte so ein Gefühl“, erinnert sich Rieger. „Ich hatte darüber gelesen, dass Menschen mit Downsyndrom ein erhöhtes Risiko haben, an Leukämie zu erkranken. Eine Bekannte hat uns dann empfohlen, eine Blutuntersuchung machen zu lassen.“ Die Diagnose: „Akute lymphatische Leukämie“ (ALL) – eine aggressive Krebsart.

Eine lange Chemo-Strecke
Ein Kampf mit zuerst ungewissem Ende begann. Ein harter Schlag für die „Bilderbuchfamilie“: „Ich habe sofort den Koffer gepackt, Kleidung, Spielzeug, Bücher – mir war klar, dass wir nicht so schnell wieder nach Hause kommen.“

Rieger fuhr mit Robin ins Krankenhaus, wo man rasch mit der Chemotherapie begann, die insgesamt ungefähr ein dreiviertel Jahr dauern sollte. „Ich fühlte mich hilflos. Ich wusste nicht, was auf uns zukommt.“

2013, im Spital: Der zweijährige Robin mit seinen älteren Geschwistern
2013, im Spital: Der zweijährige Robin mit seinen älteren Geschwistern(Bild: Marion Hörmandinger)

Alles musste irgendwie weiterlaufen
Sie blieb bei Robin im Spital und versuchte, den gewohnten Tagesablauf aufrechtzuerhalten: „Wir haben gemeinsam gefrühstückt, gespielt, Kasperl geschaut, ich habe Robin viel vorgelesen.“ Wenn er geschlafen hat, nutzte sie die Zeit zum Nachdenken. „Ich habe mein Leben infrage gestellt und ein Tagebuch begonnen. Damit konnte ich mir alles von der Seele schreiben und ich hatte auch irgendwie den Impuls, dass meine Zeilen vielleicht einmal jemandem nützen könnten.“

Jede Hilfe war wichtig
Zu Hause musste alles weiterlaufen. „Ich habe jede Hilfe angenommen“, sagt sie, „sonst wäre das nicht gelungen. Ich hatte ein tolles soziales Umfeld aufgebaut, denn ich habe mich im Chor, in den Vereinen, in denen meine Kinder integriert waren, immer gut eingebracht. Jetzt unterstützten uns viele Bekannte, Freunde und unsere Familie.

Wichtig war auch die rasche Unterstützung der Kinderkrebshilfe und die Familienhelferin der Caritas, durch sie konnte für meine zwei älteren Kinder die Normalität weitgehend aufrecht bleiben. Es ist sehr wichtig, dass sich nicht alles nur um die Krankheit dreht!“

Monika Maria Rieger mit Sohn Robin
Monika Maria Rieger mit Sohn Robin(Bild: Marion Hörmandinger)

Tagebuch wird „Mutmachbuch“
Vorweg: Heute ist Robin 15 Jahre alt – und geheilt. Aus dem Tagebuch, das Rieger damals geschrieben hat, ist erst jetzt das Mutmachbuch „Wo das Leben neu beginnt“ geworden. Die Wunden, die der Schock, die Überforderung, die Ängste gerissen haben, sind verheilt: „Meine älteren Kinder sind erwachsen, und Robin ist es bald – jetzt war es für alle stimmig, dass wir unsere Geschichte veröffentlichen.“

Wenn sich Türen schließen, öffnen sich andere
Rieger, die inzwischen als Achtsamkeitstrainerin und ganzheitliche Gesundheitsberaterin arbeitet, lässt in diesem Erfahrungsbericht ehrlich und berührend an dieser schwierigen Lebensphase teilhaben.

Und sie gibt Eltern, besonders Müttern, die vielleicht Ähnliches erleben, wertvolle Tipps: „Hadere ich ständig mit dem Schicksal oder beschließe ich, nicht unterzugehen?“ Auch in Krisen gibt es die Möglichkeit, Dinge zu gestalten. Rieger hatte sich entschieden, diese Krise nicht nur zu überstehen, sondern an ihr zu wachsen: „Dort, wo alles zerbricht, entsteht zugleich ein Raum für Vertrauen, innere Stärke und einen Neubeginn.“

Blick in die Zukunft
Heute ist Robin zu einem jungen Mann herangewachsen. Nach vier Jahren in einer Integrationsklasse besucht er die KIE-Klasse (Klasse mit individueller Entwicklungsbegleitung) in der Leopold-Hasner-Schule in Bad Ischl – und träumt davon, einen Job zu finden. „Er möchte gerne ins Gastgewerbe. Am liebsten will er Kellner sein und Menschen bedienen – im Kontakt mit anderen geht er so richtig auf“, sagt Rieger. In den nächsten Wochen will er bei kleinen Praktika ins Arbeitsleben hineinschnuppern.

Infos: Monika Maria Rieger „Wo das Leben neu beginnt.“; 16,90 Euro; Über linktr.ee/everything.by.mona erfährt man alles über Bezugsmöglichkeiten und weitere Infos. 

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