Die Nordbrücke muss ab 2028 generalsaniert werden. Damit der Verkehr weiter rollen kann, wird der Steinitzsteg zur Ausweichspur für die Autos – Radfahrer müssen auf die Floridsdorfer Brücke ausweichen. Die Stadt verspricht neue Radwege.
Die Nordbrücke gehört zu den meistbefahrenen Donauquerungen Wiens: 110.000 Fahrzeuge rollen täglich über die vierspurige Autobahn – und das auf einem Bauwerk aus den frühen 1960er Jahren, dessen letzte große Instandsetzung mehr als drei Jahrzehnte zurückliegt. Nun zieht die Asfinag, die für die Brücke zuständige Autobahngesellschaft, die Notbremse. Ab 2028 wird generalsaniert. Das Problem dabei: Um die Nordbrücke mit ausreichend Fahrspuren in Betrieb zu halten, braucht die Asfinag den parallel laufenden Steinitzsteg – ausgerechnet jenen Steg, der heute als kombinierte Rad- und Fußgängerbrücke von tausenden Wienern täglich genutzt wird.
Die alte Vertragspflicht holt die Stadt ein
Das kommt nicht aus heiterem Himmel. Als der Steinitzsteg errichtet wurde, war vertraglich festgelegt: Im Bedarfsfall muss er der Asfinag wieder zur Verfügung gestellt werden. Dieser Bedarfsfall tritt nun ein. Asfinag-Geschäftsführer Andreas Fromm stellt klar, dass nach rund 30 Jahren eine umfassende Generalsanierung unumgänglich sei, um Sicherheit und Leistungsfähigkeit dauerhaft zu gewährleisten. Einfach weiterfahren wie bisher ist keine Option.
Und was ist mit den Radfahrern? Den Steinitzsteg während der Sanierung offenzuhalten, scheidet aus. Würde man den Kfz-Verkehr ohne Steinitzsteg über die Nordbrücke führen, drohten massive Staus mit Verdrängungseffekten in die umliegenden Bezirke. Das träfe unmittelbar die Öffis: Straßenbahnen und Busse kämen zum Stillstand. Auch ein geteilter Betrieb – eine Fahrspur für Autos, eine für Radler – ist nicht machbar: Aus Sicherheitsgründen wären Betonleitwände nötig, eine Rettungsgasse im Notfall dann unmöglich.
Warum ein teurer Brückenneubau ausscheidet
Einen Neubau schließt die Stadt ebenfalls aus. Der Steinitzsteg überwindet auf engem Raum gleich mehrere Hindernisse: die Donauuferautobahn A22, die Neue Donau, den Donau-Hauptstrom, die Donauuferbahn sowie die Rampen des Autobahnknotens Nussdorf – dazwischen meterhohe Lärmschutzwände und steile Böschungen. Ein vergleichbarer Neubau würde laut Schätzung zwischen 70 und 90 Millionen Euro kosten. In Zeiten akuten Spardrucks schlicht nicht finanzierbar.
Neue Radwege entstehen ab 2027 in zwei Bezirken
Die Alternativroute führt künftig über die Floridsdorfer Brücke. Dazu entstehen ab 2027 zwei neue, baulich getrennte Zwei-Richtungs-Radwege – einer auf der Adalbert-Stifter-Straße im 20. Bezirk, einer auf der Floridsdorfer Hauptstraße im 21. Bezirk. Beide werden ans bestehende Radnetz angebunden. Mobilitätsstadträtin Ulli Sima spricht von einer hochwertigen und sicheren Alternative sowie einem dauerhaften Gewinn für das Wiener Radwegenetz. Die ASFINAG beteiligt sich an der Finanzierung.
Umweg dauert zweieinhalb Minuten länger
Wie viel länger dauert der Umweg? Laut Berechnungen anhand des VOR-Radroutenplaners im Durchschnitt rund 2,5 Minuten. Je nach Start und Ziel liegt die Mehrzeit zwischen null und acht Minuten. Für manche Verbindungen – etwa von Nußdorf zur Donauinsel flussabwärts – bleibt die Fahrzeit sogar gleich. Nach Abschluss der Sanierung, geplant für 2031, wird der Steinitzsteg wieder hergerichtet und der Stadt Wien als Geh- und Radweg übergeben.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.