Diskussion aufgeflammt

Horrorcrash: Sind Ältere am Steuer ein Risiko?

Burgenland
20.05.2026 05:00

Der schwere Unfall im burgenländischen Ritzing am Montag, verursacht von zwei 85 und 91 Jahre alten Pkw-Lenkern, heizt die Debatte um die geplante EU-Führerscheinrichtlinie erneut an: Sind ältere Lenker ein Sicherheitsrisiko? Und sollte man sie generell aus dem Verkehr ziehen?

Der fatale Crash am Montag auf der L334 bei Ritzing erschüttert weit über den Bezirk Oberpullendorf hinaus. Bei dem Frontalzusammenstoß zweier Pkw verlor der 91-jährige Lenker des einen Fahrzeugs sein Leben. Ein 85-Jähriger, der hinter dem Steuer des anderen Wagens saß, wurde schwer verletzt. „Diese Tragödie hätte verhindert werden können, wenn man die Fahrtauglichkeit älterer Menschen regelmäßig kontrollieren würde“, meinen nun viele.

Muss ein Alterslimit bei Führerscheinen her?
Diese Diskussion gewinnt zusätzlich an Brisanz, nachdem die EU schon seit Längerem an einer Reform der Führerschein-Richtlinie arbeitet, um die Zahl der Verkehrstoten in Europa zu senken. Vorgesehen war, dass Menschen über 70 ihren Führerschein künftig alle fünf Jahre erneuern müssen. Auch verpflichtende Gesundheitschecks und Fahrtests für ältere Autofahrer standen im Raum.

Unfallbild vom Crash bei Ritzing
Unfallbild vom Crash bei Ritzing(Bild: Christian Schulter)

Politisch waren diese Überlegungen allerdings hochumstritten. Als Seniorenorganisationen, Autofahrerclubs und mehrere EU-Mitgliedstaaten die Tests als „diskriminierend“ kritisierten, entstand im Vorjahr ein Kompromiss: Die EU schafft den rechtlichen Rahmen und überlässt es den einzelnen Staaten selbst, die neue Führerscheinrichtlinie bis 2029 umzusetzen – etwa durch medizinische Kontrollen und die Einführung einer Gültigkeitsdauer von Lenkerberechtigungen für ältere Personen.

Österreich setzt stark auf Eigenverantwortung. Ein automatischer Führerscheinentzug oder verpflichtende Fahrtests ab einem bestimmten Alter soll es vorerst nicht geben.

Warum pauschale Regelungen zu kurz greifen 
Was sagt das Kuratorium für Verkehrssicherheit dazu? Wären strengere Regeln nicht ratsam? „Ältere Lenkende verursachen weniger schwere oder tödlich verletzte Opfer als jüngere. In den Unfallzahlen ist ein signifikanter Risikowert erst ab 80 Jahren ersichtlich. Generell sind Einschränkungen aber sehr individuell. Daher empfehlen wir in jedem Alter, seinen Gesundheitszustand abchecken zu lassen“, so Klaus Robatsch, Leiter für den Bereich Verkehrssicherheit.

Ältere Kfz-Lenker seien zwar meist „besonnen und verantwortungsbewusst“ unterwegs. Mit zunehmendem Alter könne jedoch die Leistungsfähigkeit abnehmen – durch eingeschränkte Beweglichkeit, verringerte Muskelkraft oder langsamere Reaktionszeiten: „Auch bei nachlassendem Seh- und Hörvermögen werden Verkehrssituationen weniger präzise wahrgenommen. Schwierigkeiten gibt es zudem beim gleichzeitigen Bewältigen mehrerer Anforderungen, etwa in komplexen Verkehrssituationen mit hohem Multitaskingbedarf.“

Zitat Icon

Sich immer am Stand zu halten, auch was neue Technik etc. betrifft, wird allen Lenkenden – egal welchen Alters – empfohlen.

Klaus Robatsch, Leiter für den Bereich Verkehrssicherheit

Das empfiehlt der Experte älteren Autofahrern
Damit man möglichst lange motorisiert mobil bleiben kann, legt Robatsch älteren Kfz-Lenkern eine langsamere Fahrweise, das Vermeiden von Nachtfahrten und die Bevorzugung nahegelegener Ziele ans Herz. Auch Fahrtechnikkurse und Feedbackfahrten mit Experten seien begrüßenswert.

Ein generelles Alterslimit hält er hingegen nicht für sinnvoll: „Da die Gruppe der älteren Verkehrsteilnehmenden von Best Agern im Erwerbsleben bis zu Hochbetagten über 90 Jahren reicht, ist eine strikte Einteilung nach Lebensjahren nicht angemessen. Die Altersgruppe 65+ ist im Hinblick auf Mobilität und ihren Gesundheitszustand sehr vielfältig. Auch der Alterungsprozess selbst ist ein individueller und variabler Vorgang.“

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