Der Song Contest in Wien wurde trotz gemischter Gefühle vorweg zum Mega-Erfolg. Hinter den Kulissen lief allerdings ein massiver Cyber-Krimi: Hunderte Attacken auf Systeme beschäftigten die Sicherheitsbehörden. Ermittler schlugen schließlich zu und nahmen am Donnerstag einen Chinesen fest. Ziel des Hackers waren offenbar Daten von ESC-Fans.
Es war eine „breite Palette an Herausforderungen“, sagt Innenminister Gerhard Karner nach dem Song Contest. 5000 Beamte standen, wie berichtet, während der vergangenen Woche unter Dauerstrom. Es galt (auch angesichts der Terrorwarnstufe 4), die ESC-Fans nicht nur vor körperlichen, sondern auch vor digitalen Angriffen zu schützen. Alles in allem gelang das gut: 500 Attacken wurden laut Polizeidirektor Michael Takács registriert, etwa auf Wiener Linien, ORF und Stadthalle. Der Großteil davon wurde erfolgreich abgewehrt.
Tausende Phishing-SMS um Stadthalle verschickt
Mit einer kuriosen Art von Cyber-Attacken hatten es die Beamten ebenso zu tun. Ein Chinese (32) wurde unweit der ESC-Partyzone am Donnerstag von der Spezialeinheit Cobra festgenommen. Der Kofferraum seines Autos war für SMS-Blaster-Angriffe präpariert worden. Der Blaster – ein Gerät – täuscht eine Mobilfunkantenne vor und zwingt Handys im Umkreis von 100 Metern, sich zu verbinden. Was dann folgt, ist die klassische Phishing-SMS zum Datenklau. Das Netz wird überlastet, Datenverbindungen kollabieren, teils kommen auch Notrufe nicht mehr an. Ein solches Gerät ist in der Lage, bis zu 100.000 Nachrichten pro Stunde zu versenden.
Brisant: Mit im Auto war der sechsjährige Sohn des Tatverdächtigen. Nachdem von derartigen Geräten auch eine erhebliche Strahlenbelastung ausgehen kann, wird dem 32-Jährigen laut Polizei neben dem Verdacht des versuchten Betrugs auch die Gefährdung der körperlichen Sicherheit seines Sohns zur Last gelegt. Der Verdächtige befindet sich derzeit in Haft und ist zu den Vorwürfen geständig. Eine Hausdurchsuchung brachte weiteres verdächtiges Material ans Licht.
Großveranstaltungen im Visier
Die Ermittler sind der Hacking-Methode bereits seit Längerem auf der Spur. Eine bislang unbekannte Tätergruppe soll seit mindestens 6. April im Großraum Wien mit einem oder mehreren Geräten unterwegs gewesen sein, um per Phishing an Handydaten zu gelangen. Besonders auffällig: Die SMS wurden immer dort verschickt, wo viele Menschen unterwegs waren, etwa bei Großveranstaltungen wie dem ESC. „Im Zuge der Ermittlungen konnten so an mehreren Tagen stundenlange Bewegungen festgestellt werden“, erklärt Polizeisprecher Markus Diettrich. Die Ermittlungen werden fortgesetzt.
Millionen Ausfälle durch Attacken
Der Blaster ist aber kein ganz neues Phänomen: Im Herbst flog ein Chinese mit jenem Gerät im Auto in der Schweiz auf. Den Auftrag soll der technisch ahnungslose Sushi-Koch von unbekannten Drahtziehern bekommen haben – plus 400 Euro pro Einsatztag. Ende April wurden in Kanada drei junge Männer festgenommen. Sie sorgten für 13 Millionen Netzunterbrechungen. Ob eine mafiöse Struktur dahintersteckt oder gar der chinesische Staat, ist unklar ...
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.