Der aus Moskau stammende Regisseur Vasily Barkhatov inszeniert im Theater an der Wien Verdis frühe Oper „Stiffelio“. Premiere ist am Mittwoch. Ein Gespräch über den frühen Verdi, intime Dramen und Popstars im Kloster.
Verdis Opern prägen große politische Ereignisse: Kriege, Revolutionen, Umstürze. Bei „Stiffelio“ ist das anders, erzählt Regisseur Vasily Barkhatov: „Hier geht es nur um eine kleine Familie, das Geschehen ist auf vier Personen konzentriert. Es ist ein intimes Kammerspiel, das die persönliche Tragödie eines Menschen verhandelt – und nicht das ganze Weltgeschehen.“
Im Zentrum steht ein protestantischer Pfarrer Stiffelio, dessen Frau untreu ist. Das stürzt ihn in einen Konflikt zwischen Rache und Vergebung. Bei der Uraufführung 1850 in Triest war das Publikum überfordert. Ein verheirateter Pfarrer und Ehebruch, das ging zu weit.
Barkhatov hat das Geschehen für das Theater an der Wien in die Gegenwart verlegt und lässt doch das Moralkonzept des Jahres 1850 lebendig werden. Er zeigt Stiffelio als Lebemann, der in einer Notlage von einer Amish-Familie aufgenommen wird und ein neues (religiöses) Leben beginnt.
„Er hat sich eingeredet, dass das sein neues Leben ist. Glücklich verheiratet in der Abgeschiedenheit. Aber sein früheres Leben existiert noch – auch in ihm. Es ist, wie wenn du ein Popstar bist und ins Kloster gehst. Du wirst dich jeden Tag daran erinnern, welche Energie du auf der Bühne gespürt hast. Wer man ist, lässt sich nicht einfach abstellen.“
Durch die Untreue seiner Frau geraten diese beiden Welten in Stiffelio in einen Konflikt: „Er ist völlig erschöpft von diesem moralischen Kampf. Jemand, der sich in einer emotionalen, hysterischen Abwärtsspirale befindet. Er pendelt ständig zwischen Wut, Hysterie und vollkommener priesterlicher Friedfertigkeit hin und her.“
Hohe Intensität und ein lange gehegter Traum
Ob auch bei Barkhatov das Verzeihen am Ende steht, will er noch nicht verraten, schwärmt aber vom jungen Verdi: „Er war sehr experimentierfreudig. Diese Oper selbst hat lange ein Schattendasein geführt, nicht aber die Musik. Verdi hat viele Motive daraus in anderen Werken wieder verwendet. Für die Sänger ist das Stück ziemlich anspruchsvoll. Es ist musikalisch sehr intensiv in Tempo und Dynamik.“
Intensiv wird auch Barkhatovs nächstes Projekt in Wien. Im Herbst schmiedet er an der Staatsoper die beiden Kurzopern „Eine Florentinische Tragödie“ und „Herzog Blaubarts Burg“ zu einem Stück: „Es ist mein lang gehegter Traum! Endlich habe ich einen Ort gefunden, an dem ich diese Kombination verwirklichen kann.“
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