Angehörige üben Kritik

Kündigung! 18 Heimbewohner müssen jetzt ausziehen

Burgenland
01.05.2026 06:00

18 pflegebedürftige Menschen verlieren ihr Zuhause, weil das Land Burgenland der Betreiberin eines Seniorenhauses aus „moralischen Gründen“ die Tagsätze entzieht. Angehörige der betagten Bewohner zeigen sich fassungslos und kritisieren, dass man Politik auf dem Rücken von älteren Menschen mache.

Mit 31. Juli ist Schluss. Dann müssen 18 betagte und pflegebedürftige Menschen das Seniorenhaus in Rudersdorf verlassen, weil das Land die Tagsatzvereinbarung gekündigt hat. Das Heim selbst könne zwar weitergeführt werden, doch ohne Zuschüsse wird es für die meisten Bewohner unleistbar. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) hatte im Vorfeld das Vorgehen der Betreiberin im Zusammenhang mit Gewinnen und Geldflüssen als „moralisch verwerflich“ bezeichnet.

Für Helga Schlatte ist das „Heimatvertreibung“. Ihre fast 100-jährige Mutter lebt seit zwölf Jahren in der Einrichtung. Dass sie ihr Zuhause jetzt verlassen müsse, sei „brutal und nicht sozial“. Die Betreuung sei großartig, das Team seit Jahren nahezu unverändert. „Die Pfleger schreiben mir sogar auf, was meine Mutter im Schlaf für Geschichten erzählt.“

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Für uns steht die Pflege im Vordergrund und nicht die Politik. Was man den Menschen antut, ist brutal und alles andere als sozial. 

Helga Schlatte

Sie kenne dort alles: Ärzte, Fußpflegerin, Friseurin. „Dass man alte Menschen aus ihrer vertrauten Umgebung reißt und hinter ihrem Rücken Politik macht“, treffe sie besonders. So beschreibt es auch Regina Winkler aus Rudersdorf. Ihre Mutter, Jahrgang 1930, lebt seit drei Jahren im Heim und sei geistig voll da. Sie werde medizinisch gut betreut, motiviert und aus dem Zimmer geholt. „Das ist wie eine kleine Familie.“ Für Winkler ist klar: „Wir bräuchten eigentlich mehr solche Heime.“

Zwischen Kritik und vielen Hürden
Mit der Kündigung kommen weitere Hürden auf die Betroffenen zu. Es gibt Wartelisten, gleichzeitig laufen Fristen. Laut Heimvertrag gilt eine einmonatige Kündigungsfrist. Wird anderswo früher ein Platz frei, können Reservierungskosten anfallen. „Da reden wir von 80 Euro pro Tag. Daran denkt ja auch niemand“, sagt Schlatte.

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Für das Land ist alles so einfach, aber kümmern müssen sich die Angehörigen.

G. Hemmer aus Heiligenkreuz

Auch für G. Hemmer ist die Entscheidung fragwürdig. Ihre 93-jährige Mutter lebt seit vier Jahren im Seniorenhaus. Nach einer Fußamputation war Pflege zu Hause nicht mehr möglich. Ihr Wunsch: zurück nach Rudersdorf. Dass Plätze etwa in Olbendorf frei seien, helfe wenig. „Das ist eine kleine Weltreise.“ Kritik gibt es auch an der Vorgehensweise des Landes. Man habe aus den Medien erfahren, warum die Eltern ihr Zuhause verlieren sollen. Zur Infoveranstaltung sei man kurzfristig geladen worden, viele stünden noch im Berufsleben. „Für das Land ist alles so einfach, aber kümmern müssen sich die Angehörigen“, sagt Hemmer.

Herbert Kollers Mutter ist schwer dement. Auch sie lebt im Heim, hat dort ihr soziales Umfeld, vertraute Gesichter, Freundinnen. Nach dem Infoabend habe er den Eindruck gehabt, dass es seitens des Landes keine Absicht gebe, das Heim in dieser Form zu erhalten.

Land garantiert Plätze und keine Zusatzkosten
Im Büro von Landesrat Leonhard Schneemann (SPÖ) heißt es dazu, dass die Kündigung der Tagsatzvereinbarung fix sei. Man sei bemüht, für jeden Bewohner den besten Pflegeplatz zu finden. Es gebe für alle Klienten Betten, das sei bereits vor der Kündigung geklärt worden. Finanzielle Nachteile würden für die Angehörigen nicht entstehen. Für die Familien bleibt dennoch die Angst, dass ihre Eltern das verlieren, was im hohen Alter am schwersten zu ersetzen ist: Vertrautheit.

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