Bereits bevor die Landtagssitzung am Donnerstag startete, wurde die Petition „Keine Stromautobahn durch Kärnten“ an das Präsidium des Landtages übergeben. Die geplante 380-kV-Leitung durch Kärnten sorgt für emotionale Diskussionen.
Ilse Wirth, die Initiatorin der Petition in der Gemeinde Wernberg, hat über die Plattform „mein aufstehn“ mehr als 3000 Unterschriften gegen die viel diskutierte 380-kV-Leitung durch Kärnten gesammelt. Andreas Scherwitzl (SPÖ), Christoph Staudacher (FPÖ) und Günter Leikam (SPÖ) – die Präsidenten des Landtages – nahmen die Petition am Donnerstag vor Beginn der Landtagssitzung entgegen. Thema bei den Abgeordneten war die geplante Trasse allerdings erst am Nachmittag.
Dieses Thema beschäftigt gleich mehrere Gemeinden: Glanegg und Wernberg haben Resolutionen eingebracht; der Landtag hat auch die Petition der Treffner Bürgerinitiative „Verein Wir – Gemeinsam Stark – Kärnten Lebenwert“ diskutiert – ebenso wie die Resolution aller Fraktionen der Marktgemeinde Treffen am Ossiacher See. Deshalb wurden die entsprechenden Tagesordnungspunkte 20 bis 23 in einer gemeinsamen Debatte behandelt.
Die am Vormittag eingebrachte Petition soll den Bau der Leitung – „190 Kilometer lang, mit bis zu 700 Masten, mit einer Höhe bis zu 90 Metern und einer Breite mit mehr als 200 Metern“ – verhindern. Wirth: „Welche Auswirkungen die Errichtung auf Fauna und Flora hat, wird dabei völlig außer Acht gelassen. Geschweige denn, welchen Einschnitt dies in die zum Teil unberührte Natur mit sich bringt.“
„700 schiache Kinder“
„Zigtausende Kärntnerinnen und Kärntner haben unterschrieben“, betont FPÖ-Abgeordneter Markus di Bernardo, der selbst in Wernberg lebt und dort mehr als 500 Unterschriften gesammelt sowie bereits im Dezember dem Landtag übergeben hat. Der Gemeinderat von Wernberg habe eine Resolution gegen die Trasse einstimmig beschlossen. Die geplante 380-kV-Leitung würde sich in Form von „700 schiache Kindern vom Aussichtsturm am Pyramidenkogel“ zeigen: „Wollen wir das?“
„Eine Unsichtbarkeit von einem Strommast habe ich noch nie gesehen“, meinte ÖVP-Abgeordneter und Bürgermeister von Moosburg Herbert Gaggl in Richtung di Berndardo, der forderte, dass die Trasse „quasi unsichtbar in der Landschaft verschwinden“ müsse. Die FPÖ solle sich committen – eine komplette Ablehnung der Leitung sei nicht möglich, aber man müsse „schauen, dass man das so verträglich baut, wie möglich“, forderte Christof Seymann von der SPÖ.
Vor „Drüberfahrer“-Mentalität und Brechstangen-Art-und-Weise, wie sie der Verbund auch habe, warnte Karl Markut, Abgeordneter des Team Kärnten und Bürgermeister von St. Georgen im Lavanttal: „Wir sind nicht gegen vernünftige Netze, aber es muss passen – und es muss für alle passen.“ Seine Partei fordert dauerhafte Entschädigungen statt Einmalzahlungen für die Grundstückseigentümer.
SPÖ und ÖVP geben dem Siedlungsschutz dem Vortritt und reihen den Naturschutz nach, die FPÖ argumentiert gegen die eplante 380-kV-Leitung und will Alternativen prüfen.
Bevölkerung wehrt sich
„Die Gemeinden und auch Grundstücksbesitzer werden vielleicht entschädigt, doch das Land ist für folgende Generationen unbrauchbar, der Lebensraum für etliche Lebewesen für immer zerstört“, so Wirth: „Ganz zu schweigen von den gesundheitlichen Belastungen für die Einwohner. Dabei spielt es auch keine Rolle, dass der Verlauf der geplanten Leitung zum Beispiel entlang eines Natura 2000 Gebiet verläuft.“
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