Barbara Novak (SPÖ)

Darum rächten sich Genossen an Wiener Stadträtin

Wien
30.04.2026 05:00

Abgewatscht von der eigenen Partei, wird innerhalb des engsten Kreises der Wiener SPÖ-Stadträtin Barbara Novak nach den Ursachen geforscht. Drei Gründe stecken hinter den massiven Streichungen.

Klein, quirlig und voller Energie – für 108 Euro das Stück, entspricht Sicherheitsnorm EN71. Barbara Novak setzt ihr berühmtes Teflon-Lächeln auf, als ihr auf der Bühne des Landesparteitags vergangenen Samstag von der Gewerkschaft „Ronja“ überreicht wird. „Ronja“ ist eine Puppe und wird Käufern so beschrieben: „Das Mädchen ist ein kleiner Wirbelwind mit wilder Frisur und aufbrausendem Temperament.“ Genosse Robert Wurm, der sich an diesem Tag wie ein Andy Borg des SPÖ-Stadls fühlt, verschenkt die Puppe mit den Worten: „Die passt auf dich auf, da kann dir nichts passieren.“

So viel kann verraten werden: Das Maskottchen brachte der Wiener Finanzstadträtin in den folgenden Stunden etwa so viel Glück wie Chucky, die Mörderpuppe. Bei der internen Wahl, bei der Bürgermeister Michael Ludwig 92,33 Prozent abräumte, stürzte sie mit 70,87 Prozent in den Tiefseegraben der Partei.

Diese Puppe bekam Novak geschenkt.
Diese Puppe bekam Novak geschenkt.(Bild: Screenshot/Youtube/SPÖ_Wien)

Nun suchten die Forensiker ihres Ressorts nach den Tätern aus den eigenen Reihen. Denn der Barbara-Novak-Effekt strahlt auch nach außen auf die Wählerschaft aus. Eine von der „Krone“ in Auftrag gegebene Umfrage zeigt: Nur 32 Prozent halten sie für relevant, 37 Prozent kennen Novak gar nicht.

Die „Krone“ hörte sich in der SPÖ um. Die drei Gründe für die Streichorgie vor den Augen der Genossen:

Grund 1: Rache für das harte Regime als Landesparteisekretärin
„Ich möchte Brücken zu den Bezirken bauen!“, sagte Novak nach ihrer Ernennung zur Landesparteisekretärin im Jahr 2018, nur um sie danach stückweise abzutragen. Vor allem die Sparmaßnahmen, die SPÖ-Sekretäre zu spüren bekommen haben, wurden nicht vergessen. Nach ihren Vorgängern Georg Niedermühlbichler und Sybille Straubinger war Novak zu Budgetkürzungen gezwungen. Und gerade wenn es um Jobs geht, sind die Genossen nachtragend.

„Sie hat große Ambitionen“, sagt eine ehemalige Mitarbeiterin Novaks. „Dabei geht sie nicht zimperlich vor.“ Diese eiserne Hand wird ihr auch im neuen Ressort nachgesagt. Prinzipiell nichts Schlimmes, aber: Gewohnt ist man das in der Kuschelzelle mancher SPÖ-Kreise allerdings nicht.

BVarbara Novak und Bürgermeister Michael Ludwig
BVarbara Novak und Bürgermeister Michael Ludwig(Bild: Eva Manhart)

Grund 2: Sparen, sparen, sparen
Von der mancherorts ungeliebten Parteisekretärin zu jener Stadträtin, die den Ressorts und Bezirken weiter Geld wegnimmt. Barbara Novak sitzt auf dem Gipfel eines 14 Milliarden Euro hohen Schuldenbergs, der vom Tal gar nicht mehr zu erkennen ist. Insgesamt kürzte sie eine Milliarde Euro zusammen – bei Genossen und Bevölkerung. Wo vorher schon verbrannte Erde war, goss sie noch Öl hinein. Da purzeln die Beliebtheitswerte.

Grund 3: Ein Nachfolger-Streit, der (noch) keiner ist
Nach der Verabschiedung von Kathrin Gaál aus der Stadtregierung besetzte Ludwig den frei gewordenen Platz im Präsidium nicht mit einer, sondern mit zwei Personen: Umweltstadtrat Jürgen Czernohorszky und eben Barbara Novak. Beide mussten intern bestätigt werden. Das löste einen Nachfolge-Streit um Ludwigs Job aus, der gar nicht zur Disposition steht.

Enge Vertraute des Bürgermeisters gehen davon aus, dass er bei der Wien-Wahl 2030 wieder antritt. Und dennoch: In der Wahlkabine des Landesparteitags wurde abgestimmt. Ergebnis: Ohrfeige für Novak. 93,76 Prozent für Czernohorszky.

Partei-Insider geben noch zurückhaltend mit einer finalen Diagnose. Einer von ihnen sagt: „Barbara Novak hat noch Jahre Zeit, sich ein Image zuzulegen, das zu ihrem Ziel passt. Und das ist klar: erste Wiener Bürgermeisterin.“

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