Bertram Karl Steiner

Humbert-Fink-Preis für einen Mann mit Haltung

Kärnten
30.04.2026 09:01

Mit Taschenuhr an der Weste, wachem Blick, starker Stimme: Der Buchautor und Journalist Bertram Karl Steiner wurde mit dem renommierten Humbert-Fink-Preis ausgezeichnet. 

Will man seine widerspenstige Eigenart umschreiben, kommt einem ein Wort in den Sinn: Haltung“, so Günter Schmidauer, selbst Autor und Vorstandsmitglied des P.E.N.-Clubs, der mit dem Schriftsteller Alois Brandstetter die Jury bildete, welche Bertram Karl Steiner zum siebenten Humbert-Fink-Preisträger erkor. „Seine Nonchalance, die provoziert, die Taschenuhr an der Weste, dazu die Krawatte, die von der Caritas sein könnte – er praktiziert die Unfähigkeit zur Vereinnahmung.“

Im Geburtshaus des berühmten Schriftstellers Robert Musil in Klagenfurt wurde am Mittwoch der in allen Kultursparten interessierte und vor allem der Literatur verbundene Bertram Karl Steiner geehrt.

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Kritischer Journalismus und eine kritische Kulturszene sind enorm wichtig für eine liberale Demokratie, sie zeigen Grenzen auf. Also sage ich danke! Und bitte!

Franz Petritz, Klagenfurter Kulturstadtrat

Bertram Karl Steiner wurde 1948 in Neunkirchen in Niederösterreich als Sohn des Malers und Bildhauers Karl Steiner und dessen Frau Marianne geboren, studierte Geschichte und Romanistik an der Universität Wien, war Lektor an der Universite de Bretagne Occidentale im französischen Brest. 

In Kärnten arbeitete er unter Humbert Fink im Kulturressort der „Kärntner Krone“, später als Korrespondent des „Standard“, Redakteur sowie Ressortchef für Kultur in der „Kärntner Tageszeitung“ und Chefredakteur der Landeskulturzeitschrift „Die Brücke“.

Wissen und Gedanken zwischen Buchdeckeln
Bertram Karl Steiner übersetzte aus dem Französischen ins Deutsche, schrieb mit dem Dramatiker Eugène Ionesco das Libretto für die Oper „Maximilian Kolbe“ von Dominique Probst, gemeinsam mit Erwin Hirtenfelder über das Thema „Tatort Kolig Saal“ und publizierte zum aktuellen Zeitgeschehen, schrieb Bücher wie „Paris – eine Obsession“, „Slowenien – Tochter aus Elysium“, „Gegensätze“ oder eine Monographie über den Künstler Heinz Peter Maya.

„Journalismus hat Wirkung. Immer. Dessen muss man sich täglich bewusst sein“, so „Kärntner Krone“-Kulturredakteurin Irina Lino in ihrer Laudatio „Die Luft zwischen den Zeilen“. Und diese Wirkung erziele Steiner „mit großer sprachkünstlerischer Qualität“.

2010 erhielt Steiner den Einspieler-Preis für sein Engagement für die slowenische Volksgruppe. Und nun den renommierten Humbert-Fink-Preis.

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Journalismus hat Wirkung. Immer. Dessen muss man sich täglich bewusst sein.

Irina Lino, „Kärntner Krone“-Kulturredakteurin in ihrer Laudatio „Die Luft zwischen den Zeilen“

„Der Klagenfurter Gemeinderat war von Erfolglosigkeit geprägt, aber es gibt diesen Preis; und das ist sehr wichtig, denn eine kritische Kunst- und Kulturszene, kritischer Journalismus sind so wichtig!“, betonte Kulturstadtrat Franz Petritz. Die Auseinandersetzung mit der Gegenwart ist für Bürgermeister Christian Scheider in Steiners Werk essenziell.

Bisherige Preisträger

Der mit 12.000 Euro dotierte Humbert-Fink-Preis wurde bisher sieben Literaten verliehen: 

Antonia Fian

Engelbert Obernosterer

Gustav Januš 

Anna Baar

Axel Karner

Cvetka Lipuš 

und Bertram Karl Steiner.

Den Humbert-Fink-Preis vergibt die Stadt Klagenfurt alle zwei alternierend mit dem Gert-Jonke-Preis.

Erfinder des Bachmann-Preises: Humbert Fink
„Den Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb hätte es überhaupt nicht gegeben, er wäre gar nicht realisiert worden, wenn nicht Humbert Fink – der Einfall stammte von Humbert Fink, und er hat es mit ungeheurer Energie realisiert, dass man wirklich diesen Wettbewerb machen konnte. Er hat den Wettbewerb realisiert, verwirklicht“, sagte der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki über Humbert Fink, der mit ORF-Landesintendanten Ernst Willner den Ingeborg-Bachmann-Preis aus der Taufe gehoben hatte. Erster Preisträger war 1977 Gert Jonke.

Humbert Fink, der Begründer des Ingeborg-Bachmann-Preises, im Gespräch mit Marcel Reich-Ranicki.
Humbert Fink, der Begründer des Ingeborg-Bachmann-Preises, im Gespräch mit Marcel Reich-Ranicki.(Bild: Ingeborg-Bachmann-Preis)

Humbert, 1933 in Vietri sul Mare in Süditalien geboren als Luigi Umberto, Fink, verbrachte seine Kindheit in Italien, dann viele Jahre in Villach, Wien und Klagenfurt und lebte ab 1978 in Maria Saal, wo dem Journalisten und Schriftsteller ein Platz gewidmet ist. „Er sagte, er könne keine Geschichten erfinden, er könne nur Geschichten erzählen“, erinnerte Günter Schmidauer in seiner Laudatio an Humbert Fink. „Er war ein Meister der Glosse, aber auch mit lyrischen Momenten.“

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Die Sprache, mein Handwerkszeug, kann mir niemand rauben – und die Phantasie niemand verbieten.

Humbert Fink (1933-1992)

„Er arbeitete mit Herzblut und Kompetenz und hat uns ein reiches Erbe an Schriften hinterlassen“, zeigt sich der Klagenfurter Kulturamtsleiter Alexander Gerdanovits dankbar. Die Trophäe, die als Zeichen für den Humbert-Fink-Preis an Bertram Karl Steiner überreicht wurde, nimmt natürlich Bezug auf den Namensgeber der Würdigung: Ein Olivenzweig, der aus altem Olivenholz zu wachsen scheint, gestaltet von Brandy Brandstätter, erinnert an Finks erste Heimat, an Süditalien, an Geschichten, die er über Olivenbäume und Rodungen geschrieben hat – und der Olivenzweig ist auch im Hof bei der Klagenfurter Stadtgalerie zu finden; im Humbert-Fink-Hof.

Bei seinem Urnengrab in Maria Saal ist ein Gedanke aus seinem Roman „Die Absage“ zu lesen: „La Speranza heißt die Hoffnung …und ich entsinne mich nur zögernd des Lebens, das wie die Hoffnung nicht aufhören kann zu bestehen.“

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