In Tirol läuft seit Anfang April ein Pilotprojekt des Rettungsdienstes im Großraum Innsbruck. Getestet wird bis Ende des Jahres ein neuer Ansatz, der Rettungstransporte und Ambulanzen entlasten sowie Patientinnen und Patienten Stress ersparen soll.
„Hilfe vor Ort statt Transport“, betitelte Gesundheits-LR Cornelia Hagele am Montag die Akutpflege Tirol. Diese soll künftig unnötige Rettungstransporte verhindern. Konkret: Wenn Menschen medizinische Hilfe oder Pflege benötigen, für die kein Krankenhaus- oder Arztbesuch notwendig ist, soll eine Person, die sowohl zum Notfallsanitäter als auch zur Diplompflegekraft ausgebildet ist, zu ihnen kommen und sie in ihren eigenen vier Wänden versorgen.
Bei Problemen mit Katheter oder Stoma, bei Übelkeit, Schwindel oder Schmerzen mussten Betroffene früher oft ins Spital gebracht werden. Die neue Akutpflege soll das verhindern. „Wir schließen damit eine Lücke“, betonten mehrere Verantwortliche am Montag.
Zeitfaktor darf nicht entscheidend sein
Die Koordination läuft – ebenso wie Krankentransport und Rettungsdienst sowie die Gesundheitshotline 1450 – über die Leitstelle Tirol. „Geht dort ein Notruf ein, der ein Fall für die Akutpflege sein könnte, wird er weitergeleitet an die 1450“, erklärt dazu Armin Krösbacher, ärztlicher Leiter vom Rettungsdienst Tirol.
Die Akutpflege soll als ein Teil des Rettungsdienstes fungieren und nicht parallel oder gar als Konkurrenz stattfinden.

Armin Krösbacher, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst
Bild: Christof Birbaumer
Wird entschieden, dass etwas ein Fall für die Akutpflege ist, rückt eine Person in einem Fahrzeug aus, das sowohl für Notfallversorgung als auch für Pflegetätigkeiten ausgerüstet ist. „Sie kann dann vor Ort die Versorgung vornehmen, oder doch einen Transport nachfordern, wenn nötig“, erläutert Krösbacher.
Das alles passiere nur, wenn Zeit kein kritischer Faktor ist. Da für eine Versorgung eine Stunde eingeplant ist, könne sich das Personal vor Ort wirklich Zeit für die Patienten nehmen, nannte Projektleiter Christoph Schullern-Schrattenhofen einen Vorteil.
Das Pilotprojekt läuft bis Ende des Jahres und wird auch wissenschaftlich begleitet. Danach evaluieren wir die Effekte.

Cornelia Hagele, Gesundheits-LR (ÖVP)
Bild: Christof Birbaumer
Erste Bilanz fiel positiv aus
In den ersten Wochen des Pilotversuchs wurden in 19 Schichten 52 Einsätze absolviert, von denen drei der Notfallrettung und 49 der Pflege zugeordnet werden. Von den 49 war in 15 Fällen eine Überstellung nötig. Schullern-Schrattenhofen berichtete von zahlreichen positiven Rückmeldungen von Mitarbeitern und Patienten. Diese seien oft froh, nicht ins Spital zu müssen.
Eine Person, die als Notfallsanitäter und Diplompflegekraft ausgebildet ist, verbindet das beste aus zwei Welten.

Andreas Karl, GF Rotes Kreuz – Rettungsdienst Tirol
Bild: Christof Birbaumer
Rettungsdienst stellt die ersten Mitarbeiter selbst
Seit Anfang April bis Ende des Jahres läuft das Pilotprojekt im Großraum Innsbruck: von Telfs bis Wattens sowie in Seitentälern. Aktuell gibt es sieben Personen, die jeweils alleine eine Zwölf-Stunden-Schicht absolvieren. Die Teilzeitkräfte hat der Tiroler Rettungsdienst bisher aus seinen eigenen Reihen rekrutiert.
Für eine 24-stündige Versorgung bräuchte es in der Region laut Schullern-Schrattenhofen 5,5 Vollzeitäquivalente. Das Projekt soll bei Erfolg aber auf ganz Tirol ausgeweitet werden, weshalb man derzeit und wohl auch in Zukunft weitere Mitarbeiter mit beiden erforderlichen Ausbildungen suchen wird.
Im Endeffekt soll auch eingespart werden
Die Finanzierung erfolgt derzeit aus dem laufenden Rahmenvertrag des Rettungsdienstes. Wie viel die Akutpflege kostet bzw. kosten wird, dazu konnte am Montag noch niemand eine Angabe machen. Hagele verwies aber darauf, dass man sich im Endeffekt Transporte einsparen will. Laut Krösbacher könnte die Zahl gesparter Fahrten „in die Tausende gehen“.
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