„Krone“-Gastkommentar

100 Jahre Risiko

Kolumnen
27.04.2026 10:00

Staatsanleihen gelten als eine der sichersten Anlageformen für Privatanleger. Seit Jahrzehnten werden Menschen, die ihr Geld veranlagen, in Anleihen oder Anleihefonds gelenkt. Je älter man ist, desto höher der Anleiheanteil. Manche Berater schaufeln ihren Klienten bis zu 80 Prozent dieser Papiere ins Portfolio. Vor allem deutsche und österreichische Zinspapiere genießen einen ausgezeichneten Ruf.

Doch just eine österreichische Staatsanleihe hat für einen historischen Negativrekord gesorgt. Ein Minus von bis zu 67 Prozent markierte den größten Kursverlust bei Staatsanleihen mit bester Bonität. Gemeint ist die 100-jährige Staatsanleihe, mit der sich Österreich zwischen 2017 und 2020 rund 8 Milliarden Euro am Markt beschaffte. Es war, wir erinnern uns, die heftigste Niedrigzinsphase der jüngeren Geschichte: Für Guthaben fielen teils Strafzinsen an, die Zinssätze waren negativ. Noch 2020 nahm Österreich 2 Milliarden auf und zahlt dafür bloß 0,85 Prozent Zinsen jährlich – auf 100 Jahre. Mit der Zinswende stürzte der Kurs dieser Anleihe jedoch ins Bodenlose. Wer verkaufen musste, verlor rund zwei Drittel.

Wer nun glaubt, diese Spezialanleihe sei ausschließlich von großen Banken und Versicherungen gehalten worden, sollte sich fragen, wo diese Papiere letztlich gelandet sind. Da finden wir Pensionsfonds ebenso wie große Anleihefonds und Lebensversicherungen. De facto haben wieder einmal die kleinen Anleger, Sparer und Pensionisten draufgezahlt.

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