Orbán wird Vizepremier

Ungarn: Blinder Kampfsportler als Sozialminister

Außenpolitik
25.04.2026 14:39

Péter Magyar will keine Zeit verlieren. Beinahe jeden Tag werden neue Mitglieder der künftigen ungarischen Regierung unter seiner Führung vorgestellt. Neben bekannten Gesichtern finden sich auch einige Überraschungen. Jüngst hinzugekommen ist ein blinder Kampfsportler, der für das Sozialressort zuständig sein soll. Magyars Stellvertreter wird übrigens den Namen Orbán tragen.

Mit dem scheidenden Ministerpräsidenten hat die Ökonomin und Energieexpertin Anita Orbán (im Posting unten neben Parteichef Péter Magyar zu sehen, Anm.) aber lediglich den Familiennamen gemeinsam. Die 51-jährige Tisza-Politikerin wird neben ihrem Posten als Außenministerin auch die Rolle des Vizepremiers übernehmen, wie Magyar, Chef der siegreichen Oppositionspartei Tisza, am Samstag auf seiner Facebookseite bekannt gab.

Nominierte Stellvertreterin verhandelt schon mit Brüssel
„Sollte der Ministerpräsident verhindert sein, wird sie ihn in vollem Umfang bei Regierungssitzungen oder in anderen offiziellen Angelegenheiten vertreten“, erklärte Magyar und fügte hinzu, seine Parteifreundin bereits mit anderen künftigen Regierungsmitgliedern in Brüssel weile, um über die Freigabe der eingefrorenen EU-Mittel zu verhandeln.

Ungarn wird sich unter der neuen Tisza-Regierung der EU wieder annähern. Die eingefrorenen ...
Ungarn wird sich unter der neuen Tisza-Regierung der EU wieder annähern. Die eingefrorenen Milliarden werden im Land dringend benötigt.(Bild: AFP/ATTILA KISBENEDEK)

Als künftige Bildungsministerin nominierte Magyar am Freitag die Bildungsforscherin Judit Lannert. Zuvor war in Berichten mit der Generaldirektorin der Zisterziensischen Schulbehörde, Rita Rubovszky, eine bekannte Persönlichkeit des katholischen öffentlichen Lebens in Ungarn, für den Posten gehandelt worden. Das löste in den sozialen Netzwerken eine intensive Debatte über die Trennung von Kirche und Staat aus.

Sozialminister seit seinem 16. Lebensjahr blind
Für die bisher größte Überraschung sorgt wohl die Nomierung von Vilmos Kátai-Németh als Sozial- und Familienminister. Er ist seines Zeichens Anwalt und Träger des schwarzen Gürtels in der Kampfkunst Aikido. Selbst in Japan gilt Kátai-Németh, der im Alter von 16 Jahren aufgrund einer genetischen Erkrankung seine Sehkraft verloren hat, als anerkannter Aikido-Meister. Die von ihm entwickelte Kampftechnik für blinde bzw. sehbehinderte Menschen ist auch Thema eines Dokumentarfilms.

Laut Magyar ist die Ernennung naheliegend, da das entsprechende Ministerium für Barrierefreiheit und Chancengleichheit zuständig sei. „Als sehbehinderter Mensch kennt er die Herausforderungen von Menschen mit Behinderungen aus eigener Erfahrung“, so Magyar.

Bekanntes Gesicht im Verteidigungsministerium
Ein bekanntes Gesicht wird das Verteidigungsministerium in Budapest leiten. Denn Romulusz Ruszin-Szendi bekleidete jahrelang höchste militärische Ämter, war von 2021 bis 2023 Generalstabschef. Davor war er einer der stellvertretenden Staatssekretäre im Verteidigungsressort gewesen. Seine Ablöse als Generalstabschef war politisch umstritten. Da die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán keine wirklich transparente oder detaillierte Begründung lieferte, lag der Verdacht nahe, dass Ruszin-Szendi Opfer einer größeren politischen Säuberung in den Reihen der ungarischen Armee gewesen war. Medienberichten zufolge hatte der 52-Jährige intern immer wieder einen anderen Kurs im Ukraine-Krieg vertreten als die Regierung in Budapest.

Der künftige Verteidigungsminister Romulusz Ruszin-Szendi (auf dem Plakat ganz rechts) wurde von ...
Der künftige Verteidigungsminister Romulusz Ruszin-Szendi (auf dem Plakat ganz rechts) wurde von der Orbán-Partei im Wahlkampf als „ukrainischer Soldat“ abgebildet, der gemeinsam mit EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und Tisza-Chef Péter Magyar „gemeinsam für den Ukraine-Krieg“ eintrete.(Bild: APA/AFP/ATTILA KISBENEDEK)

Die konstituierende Sitzung des neuen Parlaments findet am 9. Mai statt. Magyar soll dabei als neuer Ministerpräsident vereidigt werden. Er löst Viktor Orbán nach 16 Jahren an der Regierungsspitze ab. Insgesamt soll das Kabinett aus 16 Ministerinnen und Minister bestehen.

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