Nirgendwo kann die Lungengesundheit der Bevölkerung so gut beobachtet werden wie in Wien, dank der Gesundheitsverbund-Studie LEAD mit 15.000 Teilnehmern ab sechs Jahren, die schon seit 14 Jahren begleitet werden. Die Daten zum Konsum von E-Zigaretten bei Jugendlichen lassen Alarmglocken schrillen.
In Wien lassen sich Gefahren der Nikotinsucht gerade auch abseits von Zigaretten bei Minderjährigen traurigerweise besonders gut belegen: Der Konsum von E-Zigaretten liegt hier laut Daten der Statistik Austria um ein Drittel höher als sonstwo im Land. Die Folgen davon sieht Robab Breyer-Kohansal, Primaria an der Klinik Hietzing und federführend bei der Studie, schon in ihren Daten.
Schäden umso verheerender, je jünger Konsumenten
Breyer-Kohansal warnt, dass im Durchschnitt (!) inzwischen bereits mit 16 Jahren zu Nikotinprodukten gegriffen wird. Auch zwölfjährige Konsumentinnen und Konsumenten kommen ihr unter. Der sinkende Anteil an Rauchenden in der Bevölkerung wird damit zu einem Gutteil wieder zunichte gemacht. Sieben Prozent der Minderjährigen konsumieren bereits regelmäßig Nikotinprodukte, darunter immer mehr Mädchen, die bereits mehrheitlich zu E-Zigaretten, Vapes und dergleichen mehr greifen.
Wir sehen schon bisher in dieser Form unbekannte Schäden wie akute Entzündungen der Atemwege bei jungen Konsumentinnen und Konsumenten.

Robab Breyer-Kohansal
Bild: Wr. Gesundheitsverbund / Dujmic
Durch den frühen Einstieg in den Nikotinkonsum schädigen sich die Jugendlichen doppelt. Der Organismus ist dann noch in Entwicklung. Das bedeutet potenziell umso schlimmere Gesundheitsschäden für die Lunge, die erst im Alter von 25 Jahren „ausgewachsen“ ist, und eine noch tiefere Verankerung der Sucht im Gehirn. Und Breyer-Kohansal sieht anhand ihrer Daten, dass die Zahl der jungen Konsumenten noch weiter zu- statt abnimmt.
„Können noch gar nicht wissen, was da auf uns zukommt“
Dazu kommt, dass die Langzeitschäden der neuartigen Nikotinprodukte noch gar nicht abgeschätzt werden können: In den Produkten seien Substanzen enthalten, „die wir bisher nur aus der Reinigungsmittelindustrie kannten – samt und sonders nie dafür konzipiert, eingeatmet zu werden und so in die Lunge, die Gefäße und das Blut zu gelangen. Wir können noch gar nicht wirklich wissen, was da an Spätfolgen auf uns zukommen wird.“
Das beste Mittel gegen die Abhängigkeit sei „wie bei jeder Sucht: nicht anfangen“, betont die Medizinerin. Umgekehrt aber „lohnt sich Aufhören nachweislich immer, mit unmittelbaren positiven Folgen für die Gesundheit, in egal welchem Lebensalter.“ Sie ist jedoch „auch als Mutter“ überzeugt, dass Junge viel besser davor geschützt werden müssten, in den Strudel der Nikotinsucht zu geraten: zumindest durch frühestmögliche Aufklärung, Kinder- und Jugendschutz – und nicht zuletzt durch Vorbilder, die auch ohne Nikotinprodukte sehr gut auskommen.
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