„Sachliche Bewertung“

Weißmann will Compliance-Bericht offenlegen

Medien
22.04.2026 11:50
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der ehemalige ORF-General Roland Weißmann will den Compliance-Bericht dem Stiftungsrat des Rundfunks vorlegen. Damit solle eine sachliche und vollständige Bewertung der Beziehung zwischen ihm und der ORF-Mitarbeiterin ermöglicht werden, hieß es. Diese hatte ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen.

„Dieser Bericht ist ein Schlüsseldokument, das den vollständigen Sachverhalt abbildet und damit beide Seiten würdigt (...) Entsprechende Schreiben ergehen heute an die dafür zuständigen Stellen im ORF“, teilte Weißmanns Anwalt Oliver Scherbaum am Mittwoch mit. „Einzelne, aus dem Zusammenhang gelöste Auszüge aus privaten Nachrichten“ würden „kein zutreffendes Gesamtbild der tatsächlichen Beziehung und der zugrunde liegenden Dynamik vermitteln“.

Dabei wird vor allem auf die privaten Nachrichten Weißmanns Bezug genommen, die die Zeitung Falter zuletzt veröffentlichte. Scherbaum kündigte bereits eine Klage auf Unterlassung gegen die Wiener Wochenzeitung an.  Wie berichtet, hatte der Compliance Bericht keine sexuelle Belästigung im strafrechtlichen Sinn und ebenso keine im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes festgestellt. „(...) Dies liegt vor allem daran, dass wir nicht feststellen konnten, dass Mag. Weißmann zu irgendeinem Zeitpunkt berufliche Konsequenzen, welcher Natur auch immer, gegenüber der Betroffenen angedroht oder auch nur angedacht hätte, wenn sie seinen Avancen nicht nachgibt“, heißt es darin wortwörtlich.

„Austausch nicht unerwünscht“
„Uns hat sich auch der Eindruck ergeben, dass der Austausch für keine der beiden Seiten unerwünscht war“, sagte der ORF-externe Anwalt Christopher Schrank als einer von drei Juristen, die die Untersuchung durchführten. In der vergangenen Woche hielt er fest, dass der Bericht nicht herausgegeben werde, um Persönlichkeitsrechte zu schützen. Der Medienkonzern sprach von unangemessenem Verhalten und kündigte Weißmann. Sein Anwalt teilte mit, dass man alle juristischen Möglichkeiten ausschöpfen werde. Dem ORF steht damit wohl ein jahrelanger und teurer Arbeitsrechtsprozess bevor.

Am Donnerstag wird nun entschieden, wer den Medienkonzern bis Ende 2026 führt. Zudem wird eine mögliche Vorverlegung der Wahl (von 11. August auf 11. Juni) für die eigentliche nächste Führungsperiode ab 2027 diskutiert. Manche Stiftungsräte argumentieren mit einer „außergewöhnlichen Situation“. Die Ausschreibung für den Posten der ORF-Generaldirektorin oder des ORF-Generaldirektors wird in etwas mehr als einer Woche erfolgen. Derzeit führt Ingrid Thurnher das Unternehmen interimistisch.

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