Arbeitswelt im Wandel

Büro als Kampfzone: Neue Technik, neue „Spiele“

Burgenland
22.04.2026 10:00

Der aktuelle Arbeitsklima-Index zeigt: Psychischer Stress am Arbeitsplatz nimmt zu. Mobbing und Belästigung gab es hier immer schon. Nun kommen neue Machtspiele hinzu. Wirtschaftsexpertin Christine Bauer-Jelinek über Performance-Shows, Schattenchats, digitale Überwachung und stille Meetings.

Der Einsatz neuer Technologien erhöht den Leistungs- und Konkurrenzdruck in der Arbeitswelt massiv. Das verändert die Arbeits- und Konfliktkultur sowie Machtstrukturen. In Folge entwickeln sich auch neue Formen von Intrigen, Mobbing und Grenzverletzungen.

Manche sind evident, andere versteckt, weiß die renommierte Wirtschaftscoachin, Psychotherapeutin und Bestsellerautorin Christine Bauer-Jelinek („Die geheimen Spielregeln der Macht“): „Immer mehr Unternehmen nutzen eine Tracking-Software, um Mitarbeiter durch Bildschirmüberwachung zu kontrollieren. Oft wird daraus nicht einmal ein Geheimnis gemacht. Werden solche Mittel gezielt eingesetzt, um psychischen Druck aufzubauen, liegt ganz klar Belästigung vor.“

In Filmen, in denen übertriebene Kontrolle an der Tagesordnung steht, herrscht oft mangelndes ...
In Filmen, in denen übertriebene Kontrolle an der Tagesordnung steht, herrscht oft mangelndes Vertrauen in die Belegschaft.(Bild: stock.adobe.com null)

Gruppenkanäle und Ranking-Systeme sind oft giftige Nährboden
Aber auch Mitarbeiter greifen gehäuft zu fragwürdigen Mitteln – insbesondere in Firmen, in denen Einzelperformances und Ranking-Systeme als Anreiz dienen: „Selbstvermarktung, sprich das Darstellen der eigenen Leistungen, ist normal. Problematisch wird es, wenn das zu einem politischen Spiel wird, indem sich Mitarbeiter gegenüber Vorgesetzten bewusst inszenieren und Kollegen schwächen. Etwa, indem sie ihre Beiträge als überproportional wichtig darlegen und die Ideen und Werke anderer schlechtreden, Gerüchte streuen und Wahrheiten verdrehen.“

Vom Typus Mensch handelt es sich dabei meist um Karriere-Strategen, Persönlichkeiten mit starkem Wettbewerbsfokus und auffälligem Bedürfnis nach Anerkennung sowie um unsichere Hochleister: „Um Kompetenz zu signalisieren, nutzen sie gezielt Gruppenkanäle für häufige und laute Präsenz. Sie reagieren blitzschnell öffentlich auf alles und erwecken so den Eindruck, omnipräsent und engagiert zu sein.“

Abfällige Kommentare über Profilbilder, Statusmeldungen und Online-Zeiten von Kollegen oder ...
Abfällige Kommentare über Profilbilder, Statusmeldungen und Online-Zeiten von Kollegen oder Chefs sind in vielen Firmen keine Seltenheit mehr.(Bild: Maruzhenko Yaroslav)

„Always on“-Kultur: Ständige Verfügbarkeit
Eine besondere Gefahr lauert laut Bauer-Jelinek in WhatsApp-Gruppen. Der Kanal wirke auf den ersten Blick praktisch, weil ein schneller Austausch möglich ist. Doch eigentlich sei er ein privater Kanal. „Läuft Arbeitskommunikation über ihn, entsteht schnell das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen – auch abends und am Wochenende. Folgen Sanktionen, wenn man nicht reagiert, liegt klar strukturelle Belästigung vor.“ Auch für soziale Dynamiken sei der Kanal nicht förderlich, weil er den Gruppendruck erhöht. Zudem sind Mitarbeiter leichter öffentlich spitzen Kommentaren ausgesetzt. Wer nur mitliest, ohne zu reagieren, gilt als desinteressiert.

Besonders heikel wird es, wenn Mitarbeiter Allianzen schmieden und sich in virtuellen Räumen hochjazzen, indem sie sich coram publico gegenseitig loben und koordiniert Kritik üben: „Diese Klüngelbildung sorgt für Spaltung. Aber auch Schattenchats in separaten informellen Gruppen bereiten den Boden für ein toxisches Arbeitsklima.“ Dabei werde mit abwertenden Bemerkungen gegen Kollegen ein feindliches Umfeld geschaffen. Auch Vorgesetzte seien vor Angriffen oder Demontage-Versuchen nicht gefeit.

Zitat Icon

Eine besonders subtile Form von Belästigung ist „Gaslighting“. Hier wird die Wahrnehmung von Kollegen bewusst infrage gestellt, um sie zu destabilisieren.

Macht-Expertin Christine Bauer-Jelinek

Wie lassen sich solche Dynamiken beenden?
„Sowohl die alten als auch die vielfältigen neuen Formen von Abwertung, Kränkung und Diskriminierung zielen darauf ab, das Gegenüber zu schwächen. Die Akteure wollen dadurch ihre eigenen Karrierevorteile besser absichern. Oft weisen sie aggressive und nicht selten sogar sadistische Charakterzüge auf“, sagt Bauer-Jelinek.

Sexuelle Belästigung kann analog stattfinden, aber auch virtuell – etwa durch unangemessene ...
Sexuelle Belästigung kann analog stattfinden, aber auch virtuell – etwa durch unangemessene Kommentare in Videocalls oder das Versenden von Sexting- Nachrichten.(Bild: stock.adobe.com null)

Die Erfahrung zeigt, dass Appelle oder moralische Ansagen nicht dazu führen, solch ein Fehlverhalten zu reduzieren. Effektiv sei nur, wenn interne Stellen wie Gleichbehandlungsbeauftragte, Betriebsräte und Ombudsleute rasch eingreifen: „Passiert nichts oder zu wenig, oder kommt es gar zu einer Opfer-Täter-Umkehr, bedeutet das, dass Mitarbeiter dieser Stellen selbst der Kontrolle durch die Geschäftsführung unterliegen und um ihren Job fürchten.“

Kein Betroffener sollte jedenfalls darauf warten, bis sich Gesetze verschärfen oder Machtverhältnisse in einer Organisation ändern. „Heutzutage sollte jeder dringend lernen, Machtspiele zu durchschauen und sich durch verbale Selbstverteidigung rechtzeitig zu wehren.“

Christine Bauer-Jelinek bietet Coachings an: www.bauer-jelinek.at 

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