SPÖ-Zerberus

Sind Sie echt bissig oder tun nur so, Herr Fürst?

Burgenland
07.06.2026 06:00

Kaum ein burgenländischer Politiker polarisiert so sehr wie SPÖ-Klubobmann Roland Fürst. Er schießt gerne gegen alle und jeden – auch gegen die eigene Partei. Die „Krone“ traf Doskozils Polit-„Scharfschützen“ zum Dartspiel und sprach mit ihm über Angriffe, Gegner, Moral und seine Selbstwahrnehmung. 

„Doskozils Joker“, „Fürst der Finsternis“ oder „Zerberus der SPÖ“: Die Liste der Etiketten für Roland Fürst (57) ist lang. Und alle spielen auf seine Rolle als roter Klubchef an. Immerhin gilt der Bad Sauerbrunner als überaus angriffslustiger Parteistratege. Egal, ob gegen ÖVP, FPÖ, Grüne, NEOS oder Bundes-SPÖ: Der gelernte Schlosser, der später die Matura nachmachte, in Politikwissenschaften promovierte und einen Magistertitel in Sozialwissenschaften vorweisen kann, findet immer eine Zielscheibe...

„Krone“: Herr Fürst, Sie gelten als „Höllenhund der SPÖ Burgenland“, weil Ihr politischer Stil bissig und laut ist. Was steckt hinter diesem Ruf: Ihr Naturell, Ihre politische DNA oder Kalkül? 
Roland Fürst: Ich war drei Jahre lang Landesgeschäftsführer und bin das dritte Jahr Klubobmann. Beide Funktionen haben es in der DNA, sich mit politischen Gegnern auseinanderzusetzen und Unterschiede pointiert herauszuarbeiten. Das ist, wie die Wahlergebnisse zeigen, durchaus gelungen.

Gefallen Sie sich in dieser „Bad Cop“-Rolle?
Es geht nicht um Rollen, sondern um Aufgaben. In meinen bisherigen Tätigkeiten als Sozialarbeiter, Journalist und Hochschulprofessor habe ich immer versucht, diese bestmöglich zu erfüllen. Ich kann gut damit leben, wenn ich medial als „Bad Cop“ rüberkomme.

Gab es Situationen, in denen Ihre Direktheit Ihrer Partei schon geschadet hat?Wahrscheinlich ja.

Mit Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. „Ob ich schon Aussagen tätigte, die strategisch ...
Mit Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. „Ob ich schon Aussagen tätigte, die strategisch notwendig waren, aber nicht meiner Haltung entsprachen? Nein!“(Bild: zVg)

Würde morgen niemand mehr auf Zuspitzung reagieren: Würden Sie Ihren Stil dann ändern?
Man sollte sich täglich hinterfragen. Ich mache das vielleicht nicht täglich, aber regelmäßig.

Wie viel Ihrer Empörung ist echte Emotion, wie viel ist Handwerk?
Bei Doppelmoral, Überheblichkeit gepaart mit Dummheit des Gegenübers, kann es sein, dass mich die Emotion packt. Das kommt aber selten vor.

Und was bringt Sie echt auf die Palme?
Lügen, Intrigen und Resilienz gegenüber Fakten.

Und außerhalb des politischen Tagesgeschäfts?
Kommt auf die Tagesverfassung an. Manchmal ein zu langsamer Autofahrer.

Zitat Icon

Worauf ich absolut nicht stolz bin? Dass auf Bundesebene nur mehr 20 Prozent der Arbeiter und Angestellten SPÖ wählen. Im Burgenland sind dies noch 44 Prozent.

Roland Fürst, Doskozils Allzweckwaffe

Ist im Schlagabtausch alles erlaubt?
Es gibt eine rote Linie, die ich nicht überschreite: die persönliche Integrität der politischen Mitbewerber. Wir alle sind Menschen mit Gefühlen und Familien.

Wo war Ihr politischer Stil einmal unfair?
Ich habe mich einmal bei einer Rede über einen Zwischenruf aufgeregt. Beim Nachsehen habe ich bemerkt, dass ich etwas unmissverständlich formuliert hatte und der Zwischenruf gerechtfertigt war.

Bei einer Rede im Landtag.
Bei einer Rede im Landtag.(Bild: zVg)

Haben Sie sich für Angriffe im Nachhinein geschämt?
Ich überlege im Vorfeld sorgfältig, was ich sage und was nicht, damit ich mich danach nicht schämen muss.

Fühlen Sie Schuld und Reue, wenn Sie übers Ziel hinausschießen und beichten Sie das einem Priester?
Ich war noch nie beichten und werde mit 57 Jahren nicht damit anfangen, aber ich reflektiere mein Tun und Handeln mit meinen Vertrauten.

Wen im politischen Umfeld haben Sie zuletzt um Verzeihung gebeten?
(Er schweigt beharrlich.)

Sind Sie jemand, der nach einem harten Angriff ruhig schläft?
Als Sozialarbeiter habe ich gelernt, mich abzugrenzen. Mich beschäftigen Angriffe jeglicher Art nicht. Ich schlafe trotzdem schlecht. Ist dem Alter geschuldet.

Als kleiner Bub mit Gitarre und Rad.
Als kleiner Bub mit Gitarre und Rad.(Bild: zVg)

Was kann Ihr politischer Rivale besser als Sie?
Repräsentieren und in die Kamera schauen. Darin bin ich nicht so gut.

Müssen Sie immer die Kontrolle behalten oder können Sie auch loslassen?
Wenn Politik funktionieren soll, dann ist Kontrolle im Sinne von Evaluieren und Reflektieren nötig, um nachzubessern. Loslassen fällt mir manchmal schwer, manchmal ganz leicht.

In welchen beruflichen Momenten haben Sie sich machtlos gefühlt?
Obwohl Politik und Macht untrennbar verbunden sind, kenne ich das Gefühl der Machtlosigkeit nur im privaten Kontext.

Wovor haben Sie mehr Respekt: vor Machtverlust oder vor Gesichtsverlust?
Mein Credo ist, mich in den Spiegel schauen zu können. Das geht nicht, wenn man sein Gesicht verliert. Denn dann sieht man nichts oder etwas, das man nicht sehen will. Kurzum, ich verliere lieber Macht als mein Gesicht.

Was für einen Menschen sehen Sie jetzt vor sich, wenn Sie in den Spiegel sehen?
Jemanden, der in seinem Leben dank seiner Familie viel erreicht hat, auf das man stolz sein kann. Aber auch jemanden, der Fehler gemacht hat, die er ganz allein begangen hat.

Wer sind Ihre härtesten Kritiker?
Meine drei Kinder und meine Frau. Sie haben mit so mancher Kritik recht, aber das bleibt Familiengeheimnis.

Mit seiner Frau.
Mit seiner Frau.(Bild: zVg)

Wann waren Sie zuletzt persönlich gekränkt?
Ich kränke mich, wenn ich den ganzen Tag gekocht habe und meine Familie ein Schnoferl zieht, weil das eine oder andere nicht gelungen ist. Aber das kommt ganz selten vor.

Sind Sie privat eigentlich auch gern so konfrontativ?
Ich mag keinen Streit oder Konflikte. Aber Probleme löst man nur, wenn man sie anspricht. Da gibt es politisch wie privat keinen Unterschied.

Hand aufs Herz: Sind Sie manchmal müde vom Konflikt und sind Ihnen die politischen Spiele zu kindisch? 
Ja, in der Tat. Leider haben wir in der Politik ein Niveau erreicht, wo so klar ist, dass es nicht um die Menschen geht, sondern um Eigeninteressen.

Am besten entspannt er im Urlaub bei einem Glas Wein.
Am besten entspannt er im Urlaub bei einem Glas Wein.(Bild: zVg)

Wie würden Sie eigentlich als Politiker auftreten, wenn die SPÖ auf der Oppositionsbank säße?
Die Opposition hat die Aufgabe, die Regierung zu kontrollieren. Das würde auch ich machen. Nur nicht so billig und oberflächlich, wie es ÖVP und FPÖ tun.

Wenn Sie Landeshauptmann wären: Würden Sie einen Roland Fürst brauchen?
Wir haben mit Hans Peter Doskozil den besten Landeshauptmann und er hat einen Roland Fürst (grinst).

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