14 niederösterreichische Gemeinden wollten ihn, Stockerau hat ihn bekommen: Der Standort für das neue Zentralklinikum im Weinviertel geht an die größte Stadt des Landesviertels. Um auch den nördlichen Teil des Weinviertels zu versorgen, bleibt Mistelbach unverändert – als „zweites Schwerpunktkrankenhaus“ neben dem Neubau in Stockerau.
Wir wollen eine optimale medizinische Abdeckung für alle Regionen des Weinviertels: Was in vielen Diskussionsrunden bei Bürgertreffen immer wieder Gesprächsthema war, wiederholten auch die Landesräte Anton Kasser und Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) sowie Martin Antauer (FPÖ) bei einer Pressekonferenz am Montagnachmittag im Landhaus. „Wir wissen, das wurde schon öfter gepredigt“, betonten sie nicht ohne Schmunzeln. Denn eine überraschende Entscheidung nahm vielen Kritikern im ländlichen Norden den Wind aus den Segeln: Nachdem der mit Spannung erwartete Standort Stockerau für das geplante neue Schwerpunktkrankenhaus fiel – und zwar im Gebiet der Alten Au, schoss man gleich überraschend nach:
Mistelbach soll als ein zweites Schwerpunktkrankenhaus ohne Abstriche erhalten bleiben, sprich: Die noch geführten Abteilungen bleiben bestehen, also müssen Patienten aus dem bisherigen Einzugsbereich der Klinik nicht noch weitere Strecken auf sich nehmen.

Schwerpunkt Pflege wandert nach Hollabrunn
Landesrätin Teschl-Hofmeister lieferte auch einen weiteren Grund: „Gerade in den ländlichen Regionen abseits der Städte wird es zeitnah zu einer dramatischen Verschiebung der Alterspyramide kommen.“ Daher habe man sich auch entschlossen, den Standort Hollabrunn als Gesundheits- und Pflegecampus aufzuwerten – 288 Betten, psychosozialem Zentrum (z.B. Demenz) und neuer Tagesstätte für Senioren: Man peilt vor allem Langzeitpflege an und ermöglicht auch operative Eingriffe.
Korneuburg soll als Ausbildungscampus vorrangig punkten
Der Faktor Alter spielte auch beim nächsten Standort eine Rolle: Korneuburg soll zum Schwerpunktzentrum für Pflegeausbildung ausgebaut werden – nahe zu Wien und als Campus, um möglichst viele junge Menschen aus dem städtischen Bereich für eine Berufswahl im Gesundheits- und Pflegebereich zu gewinnen. Erhalten bleibt auch die Schule in Mistelbach. Zudem erhält jeder Bezirk eine Primärversorgungseinheit (PVE).
Mit den Ergebnissen für das Weinviertel ist Niederösterreich führend. Schließlich wird die Gesundheitsversorgung auch in der EU derzeit intensiv diskutiert.
Landesräte Teschl-Hofmeister und Kasser unisono
„Smalltalk“ mit Top-Mediziner lässt tief blicken: Generationenthema!
Merkbar erleichtert zeigte sich Dr. Rainer Ernstberger, der ärztliche Direktor von Korneuburg, Stockerau und Hollabrunn, im Gespräch mit der „Krone“: „Kirchturmdenken ist falsch und auch nicht mehr zeitgemäß!“ – Beispiel: „Diagnosen werden oft ganz woanders, nicht vor Ort, sondern von erfahrenen Experten, (mit-)bestimmt. Zudem gerade wird das Zeitalter von fernüberwachten OP-Robotern eingeläutet. Wir müssen in der Zukunft denken, der Standort spielt weniger Rolle als ein Top Know-how.
Grüne zerpflücken den Zukunftsplan
Auf wenig Gegenliebe stoßen die Pläne bei den Grünen. „Der Norden des Weinviertels wird medizinisch im Rege stehen gelassen. ÖVP und FPÖ dünnen mit diesem Weg den ländlichen Raum weiter aus“, kritisiert Gesundheitssprecherin Silvia Moser. Auch dass der neue Standort in Stockerau im Hochwassergebiet liegt, stößt der Öko-Partei sauer auf. Neos begrüßen indes die Entscheidung für den Klinikstandort. Sprecherin Edith Kollermann lobt: „Transparente Kriterien gaben den Ausschlag und nicht politische Zurufe.“
Konter der Volkspartei
ÖVP-Landesgeschäftsführer Matthias Zauner zeigte sich daraufhin abermals verwundert über den grünen Alleingang, wenn es um die Gesundheitsregion Weinviertel geht: „Die niederösterreichischen Grünen haben offenbar nicht verstanden, dass der Gesundheitsplan 2040+ der mutige Vorstoß in eine gesicherte und nachhaltige Gesundheitsversorgung Niederösterreichs ist.“
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