Arbeitsgericht am Zug

Nach Rauswurf: Nun spricht ehemaliger Klinikchef

Tirol
21.04.2026 06:59

Fast zwei Jahre schon kämpft der einst in Innsbruck hochgelobte Spitzenmediziner Andreas Kolk gegen seine Kündigung. Diese Woche muss sich die Medizin-Uni Innsbruck als Arbeitgeber vor Gericht erklären. Mit der  „Krone“ sprach Kolk über fehlenden Rückhalt und Verantwortung für Patienten.

Vor fast zwei Jahren hat die Medizin-Uni Innsbruck Andreas Kolk, Professor und Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, vor die Tür gesetzt. Der Spitzenmediziner hatte daraufhin geklagt. Zu den Kündigungsgründen gab sich die Hochschule mit Verweis auf das laufende Verfahren bisher wortkarg. Es war von unterschiedlichen Auffassungen zur Klinikleitung die Rede.

Entscheidende Frage vor dem Arbeitsgericht
Im Gespräch mit der „Krone“ ist Andreas Kolk dieser Tage die Belastung durch das lange dauernde Verfahren mit vielen Detailaspekten anzumerken. Diese Woche soll es vor dem Arbeitsgericht in Innsbruck um die entscheidende Frage gehen: War der Rauswurf berechtigt? „Nein“, lautet naturgemäß Kolks Einschätzung. Er ortet sogenannte verpönte Motive hinter dem Schritt und einen nicht zulässigen Eingriff in die Freiheit eines Hochschullehrers im Zusammenhang mit Forschung und Lehre.

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Um Selbstverwirklichung geht es in einer Klinik nicht, sondern um die bestmögliche Patientenversorgung und eine gute Ausbildung des Nachwuchses.

Andreas Kolk, Mediziner

Widerstand von Mitarbeitern
Fakt ist: Kolk wollte an seiner Klinik einiges verändern. Dafür war er 2019 nach einer längeren Zeit der Interimsführung wohl auch aus München geholt worden. „Mir wurde dann aber vorgeworfen, Mitarbeiter zu wenig in diesem Veränderungsprozess mitgenommen zu haben“, spricht Kolk von Befindlichkeiten einiger weniger Mitarbeiter, die eine Neustrukturierung torpediert hätten. „Um Selbstverwirklichung geht es in einer Klinik nicht, sondern um die bestmögliche Patientenversorgung und eine gute Ausbildung des Nachwuchses.“ Als Klinikchef müsse man dafür einen klar definierten Rahmen setzen, innerhalb dessen man sich bewege.

Am Arbeitsgericht in Innsbruck geht es diese Woche um die entscheidende Frage.
Am Arbeitsgericht in Innsbruck geht es diese Woche um die entscheidende Frage.(Bild: APA/BARBARA GINDL, Krone KREATIV)

Kolk legte sich offenbar auch mit Kollegen aus anderen Kliniken an. „Ich wollte ursprünglich dem Fach Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie zugeordnete Eingriffe wieder an unsere Klinik zurückholen“, beschreibt der Mediziner ein Vorhaben, das Widerstand hervorgerufen habe. Doch Kolk erinnert daran, dass besagte Eingriffe rund um Rekonstruktionen nach Tumorerkrankungen und bei bestimmten Fehlbildungen auch in anderen namhaften Kliniken des Landes seinem Fach zugeordnet seien: „Wir haben dafür die Expertise und wir haben die Aufgabe, den Ärztenachwuchs entsprechend auszubilden.“

Fehlte von Med-Uni und Tirol Kliniken Rückhalt?
Hat Kolk in der Klinikleitung versagt oder haben ihm Med-Uni und Tirol Kliniken nicht den nötigen Rückhalt gegeben? Darum geht es vor dem Arbeitsgericht. Auf beruflicher Ebene hat der Mediziner bereits viel verloren. Vor allem die Möglichkeit, als Klinik-Chef und Professor in Forschung, Lehre und Patientenversorgung etwas zu bewegen.

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