Schönste Wanderrouten

Vom grünen Balkon der Stadt zur Klangraststätte

Vorarlberg
12.06.2026 14:33

Die Tour vom Montikel durch den Hellwald zur Klangraststätte verbindet beeindruckende Ausblicke auf Bludenz mit einer Wanderung durch die naturnahen Bergwäldern am Eingang des Klostertals.

Das Naturschutzgebiet Klostertaler Bergwälder erstreckt sich entlang steiler, sonnenverwöhnter Berghänge und zählt zu den bedeutendsten Waldschutzgebieten der Region. Auf einer Fläche von mehreren hundert Hektar finden sich naturnahe Bergmischwälder, die bislang weitgehend von intensiver Nutzung verschont geblieben sind. Vor allem Fichten, Tannen und Buchen prägen das Landschaftsbild – sie sichern den Boden, bremsen Lawinen sowie Steinschlag und schützen die darunterliegenden Siedlungen und Verkehrswege. Gleichzeitig beherbergen die Bergwälder eine bemerkenswerte Artenvielfalt. Seltene Vogelarten wie Spechte, Eulen oder das Auerhuhn finden hier ebenso geeignete Lebensräume wie zahlreiche Moose, Flechten und Totholzbewohner.

Tipps und Infos

Typ: Rundweg
Dauer: rund zweieinhalb Stunden
Ausgangspunkt: Freizeitbad Val Blu, Bludenz
Ausrüstung: Laufschuhe mit guter Profilsohle, dem Wetter angepasste Kleidung, nach Bedarf Getränk
Einkehrmöglichkeiten in Bludenz
Öffentliche Verkehrsmittel: z.B. Buslinie 502 ab Bahnhof Bludenz bis zur Station „Freibad/Stadion“

Ein uralter Siedlungsraum
Das Schutzgebiet beginnt bei Bludenz und erstreckt sich bis nach Langen am Arlberg. Oberhalb der Alpenstadt befindet sich der sogenannte Hellwald, durch den der Sunnaweg und der Montikel-Panoramaweg verlaufen. Eine schöne Rundtour führt auf schattigen Pfaden durch den Wald bis zur Klangraststätte oberhalb von Rungelin und dann wieder retour nach Bludenz. Startpunkt ist bei der Buhaltestelle „Freibad/Stadion“ beim Freizeitbad „Val Blu“. Von dort folgt man zunächst dem Wegweiser in Richtung Montikel. Der bewaldete Fels erhebt sich wie ein grüner Balkon unmittelbar über der Stadt und bietet beeindruckende Ausblicke auf Bludenz und die umliegenden Bergketten. Archäologische Funde belegen, dass sich dort bereits in der Bronzezeit und später während der Eisenzeit menschliche Siedlungen befanden, was den Montikel zu einem der wichtigsten vorgeschichtlichen Fundorte Vorarlbergs macht.

Magerwiese entlang des Weges.
Magerwiese entlang des Weges.(Bild: Rubina Bergauer)
Klang Raststätte Hellwald.
Klang Raststätte Hellwald.(Bild: Rubina Bergauer)
Weg durch den Hellwald.
Weg durch den Hellwald.(Bild: Rubina Bergauer)

Unterwegs im Schatten der Bäume
Der Aufstieg ist ein wenig schweißtreibend, erfolgt aber zum Glück größtenteils im Schatten der Bäume. Am Aussichtspunkt angekommen, entschädigt das Panorama für die Anstrengung. Zahlreiche Bergspitzen ragen am Horizont empor, unter ihnen der Davennakopf, die Versettla, der Alpilakopf, das Schwarzhorn sowie die Bürser Mittagsspitze. Eine Panoramakarte vor Ort hilft, die Berge richtig einzuordnen. Am Montikel orientiert man sich schließlich an den Wegschildern in Richtung Rungelin/Hellwald. Obwohl zu Bludenz gehören, hat sich der Weiler Rungelin bis heute seine dörfliche Eigenständigkeit bewahrt. Bereits im Mittelalter wurde die Siedlung urkundlich erwähnt.

Anziehungspunkt für Wallfahrer
Der Ortsname ist auf Rodungstätigkeiten zurückzuführen. Noch bis ins 20. Jahrhundert war Rungelin mehr oder weniger eigenständig und auch geografisch deutlich vom Bludenzer Stadtgebiet getrennt. Die kleine Kirche zum heiligen Antonius von Padua zieht nach wie vor Wallfahrer an. Auch die Wanderung zur Klangraststätte vermittelt ein Gefühl von Abgeschiedenheit und Ruhe, obwohl das Bludenzer Stadtzentrum nicht weit entfernt liegt. Die Route wechselt zwischen der Forststraße und schmalen, stillen Waldpfaden. Dazwischen befinden sich auch immer wieder artenreiche Magerwiesen, über denen verschiedenste Schmetterlinge ihre Runden ziehen.

Mücken-Händelwurz

Die Mücken-Händelwurz gehört zur Familie der Orchideen und zählt zu den auffälligsten Wildorchideen Europas. Sie besiedelt nährstoffarme Wiesen, Magerrasen, lichte Wälder sowie Feucht- und Bergwiesen und ist von den Tallagen bis in alpine Höhen anzutreffen. Die Pflanze erreicht meist eine Höhe von 20 bis 60 Zentimetern und bildet einen schlanken Stängel mit schmalen, lanzettlichen Blättern. Besonders charakteristisch ist der dichte, kerzenförmige Blütenstand aus zahlreichen rosafarbenen bis purpurroten Einzelblüten. Ihre Blütezeit reicht je nach Höhenlage von Mai bis August. Die stark duftenden Blüten verströmen vor allem in den Abendstunden einen süßlichen, nelkenartigen Duft, der Nachtfalter und andere Insekten anlockt. Jede Blüte besitzt einen langen Sporn, in dem sich Nektar befindet. Die Bestäubung erfolgt hauptsächlich durch Falter mit langen Saugrüsseln. Der wissenschaftliche Artname „Gymnadenia conopsea“ leitet sich vom griechischen Wort für Mücke ab und verweist auf die Form der Blüte, die an eine kleine Mücke erinnern soll. Wie viele Orchideen ist auch die Mücken-Händelwurz auf eine Symbiose mit Bodenpilzen angewiesen. Die winzigen Samen enthalten kaum Nährstoffe und können nur keimen, wenn sie von geeigneten Pilzen unterstützt werden. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft, die Düngung von Magerwiesen und die Aufgabe traditioneller Bewirtschaftungsformen sind viele ihrer Lebensräume zurückgegangen.

Die Mücken Händelwurz.
Die Mücken Händelwurz.(Bild: Rubina Bergauer)

Ein Ort der Ruhe und Kontemplation
Die Klangraststätte „Hellwald“ befindet sich bei der Weggabelung zwischen den Strecken von Rungelin-Gasünd und jener, die von Bludenz „Halde“ kommt. Der mit Holzschindeln verkleidete Bau ist auf zwei Seiten offen, im Innenbereich können Besucher unter anderem Rundhölzer stapeln und damit einen Teil des Baus verändern. Töne lassen sich mit dem integrierten Holzklangspiel erzeugen. Zum Ausruhen dienen sowohl die Sitzstufen als auch die Liegebank. Nach einer angenehmen Pause folgt man den Wegweisern in Richtung „Bludenz Stadtmitte/Schwimmbad“ retour.

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