Vom Frontmann von Sunrise Avenue zum erfolgreichen Solo-Künstler: Samu Haber spricht im „Krone“-Interview über seinen Neuanfang, große Erfolge und den Druck der Musikbranche. Warum er trotz allem entspannt bleibt – und wieso es bei seinem Wien-Konzert im Oktober sogar nach Schnitzel riechen könnte ...
Wer kennt sie nicht, die berühmte Songzeile des heute 50-jährigen „Finnish Guy“, wie er sich augenzwinkernd nennt? „Bye Bye, Hollywood Hills, I’m Gonna Miss You“ – ist einer der größten Erfolge des ehemaligen Sunrise-Avenue-Frontmanns Samu Haber. Seit mehr als 20 Jahren zählt er zu den bekanntesten Popstimmen Europas.
Im „Krone“-Interview gibt sich der witzige Finne äußerst gelassen, wenn er auf seine Karriere zurückblickt – und dabei auch den Schritt in seine Solo-Laufbahn im Jahr 2022 erklärt. „Ich habe die Band damals mit 16 gegründet, sie hat mein Leben verändert, meine Träume wahr gemacht – und mich fast zerstört. Es war alles gleichzeitig – wie ein intensiver Trip.“ Als Haber 2019 das Ende von Sunrise Avenue ankündigte und kurz darauf die Abschiedstour stattfinden sollte, verzögerte sich alles um zwei Jahre. „In dieser Zeit konnte ich Dinge verarbeiten und mich fragen, ob ich das wirklich will.“
Ein Neuanfang und der Umgang mit Druck
Nach einer Phase mit finnischsprachiger Musik absolvierte er im vergangenen Jahr erstmals eine große Solo-Tour – und feierte damit viele Erfolge. „Jetzt fühlt es sich richtig gut an und ich bin sehr glücklich“, schwärmt er sichtlich.
Mit „Me Free My Way“ veröffentlichte Samu Haber 2024 sein erstes englischsprachiges Album. Druck verspürte er dabei trotzdem – und das ganz bewusst: „Bei jedem Album, egal in welcher Sprache, spürt man Druck – und das sollte man auch. Wenn du keinen Druck fühlst, bist du im falschen Spiel.“
Heute gehe er damit jedoch anders um als früher: „Damals hattest du Angst, dass deine Karriere vorbei sein könnte. Du hast einen Hit - und ein paar Jahre später erinnert sich niemand mehr daran.“ Inzwischen müsse er sich nichts mehr beweisen: „Ich hatte vielleicht nicht den großen Hit mit dem Album, aber in meiner Karriere schon viele. Mir geht es darum, dass die Reise weitergeht – und dass mein Team dabei bleibt.“
Ob bald neue Musik folgt, lässt er offen. Ideen gibt es genug: „Es sind viele Songs fertig.“ Nach intensiven Jahren mit Abschiedstour, finnischer Phase und zuletzt 37 Festivals habe er jedoch bewusst einen Gang zurückgeschaltet: „Im September habe ich gemerkt: Ich brauche eine Pause. Ich habe alles abgesagt, was ging, schreibe Songs, gehe snowboarden und verbringe Zeit mit Familie und Freunden.“ Ganz still wird es aber nicht bleiben: „Dieses Jahr gehe ich es noch ruhiger an – aber ich glaube nicht, dass es lange dauert.“
Pistenliebe und „The Voice“
Zum Thema Snowboarden: Diese Wintersportart ist eine große Leidenschaft von Haber – dafür nimmt er sich auch mal spontan Zeit. „Letztes Jahr auf der Promo-Tour war ich zum Beispiel in München, hatte einen freien Tag, aber kein Board dabei. Dann habe ich den Wetterbericht gecheckt – es hat stark geschneit, für die nächste Woche war aber Sonne angesagt. Also habe ich kurzerhand alles stehen lassen, mir ein Auto gemietet und bin nach Österreich gefahren (lacht). Ich war dann zwei Tage einfach auf der Piste.“ Am Ende entscheide vor allem eines: „Es kommt immer darauf an, wie viel Zeit ich habe.“
Doch nicht nur musikalisch oder auf der Piste machte sich Samu Haber einen Namen: Bei „The Voice of Germany“ saß er jahrelang als Coach auf dem roten Stuhl – und gewann die Show gleich mehrfach. „Ich bin der Einzige, der dreimal gewonnen hat“, erzählt er lachend. Die Sendung habe ihn nachhaltig geprägt: „Ich war immer schon ein offener Mensch, Humor war ein großer Teil von mir. Bei ,The Voice of Germany‘ konnte ich das noch stärker ausleben.“ Gleichzeitig habe die Show seine Karriere enorm vorangebracht: „Sie hat meine Ticketverkäufe verdreifacht, die Albumverkäufe vervierfacht und mir und Sunrise Avenue viel Aufmerksamkeit gebracht.“
Mit einer festen Strategie sei er dennoch nie angetreten: „Mein Ziel war eigentlich immer, Spaß zu haben, ein gutes Team zusammenzustellen und die Show zu gewinnen. Alles andere war ein Bonus.“ Im Fokus standen für ihn vor allem die Talente: „Es ging darum, sie auf der Bühne zum Strahlen zu bringen.“
Sprachbarrieren und Träume
Ganz ohne Herausforderungen verlief diese Zeit allerdings nicht. Immer wieder waren es die kleinen Momente, die ihn forderten – etwa dann, wenn er im Studio saß, nicht jedes Wort verstand und trotzdem sofort reagieren musste. „Du sitzt dort, verstehst nicht alles und musst trotzdem reagieren – das ist wirklich hart“, erinnert er sich. Gerade dieser Druck habe ihn jedoch wachsen lassen: „In solchen Situationen habe ich gemerkt, dass ich so, wie ich bin, gut genug bin.“
Besonders prägend seien für ihn die Augenblicke kurz vor dem Auftritt gewesen – diese Sekunden, in denen alles stillzustehen scheint und sich entscheidet, was gleich passiert. „Dieser Moment davor – da sieht man, was in den Menschen vorgeht. Und dann beginnt die Musik.“ Für Haber liegt genau darin der Kern: Es gehe darum, Träume auszudrücken und sich zu öffnen. Lernen bedeute für ihn dabei mehr als Technik – manchmal reiche es, einen Moment zu beobachten, etwas zu fühlen und innerlich einfach nur „Wow“ zu denken.
Schnitzelduft und Nervosität
Doch trotz TV-Erfolgen zieht es Samu Haber immer wieder dorthin zurück, wo alles begann: auf die Bühne. Im Oktober geht er erneut auf große Tour und macht dabei auch am 1. Oktober im Wiener Gasometer Halt (Tickets unter oeticket.com). „Es wird eine Mischung aus den größten Hits und neuen Songs – aber das Beste in Wien wird sein, dass ich sicher nach Schnitzel riechen werde“, scherzt er.
Abseits von Schnitzel, Torten und Co. wird es dann wieder ernst: Die Nervosität bei den Auftritten gehört für ihn nach wie vor dazu. „Ich bin immer nervös. Ich hasse es und ich liebe es“, sagt er. Gerade darin liege aber auch der Reiz: „Wenn ich das nach 20 Jahren immer noch spüre, bedeutet das, dass mir dieser Abend wirklich etwas bedeutet.“ Selbst heute hat er manchmal das Gefühl, dass sich seine Knie auf der Bühne wie Wackelpudding anfühlen: „Manchmal stehe ich da und mein Bein zittert so sehr, dass ich kaum darauf stehen kann.“ Für Haber ist genau das Teil des Ganzen: „Wenn der Tag kommt, an dem ich nicht mehr nervös bin, höre ich auf.“
Bleibt nur zu hoffen, dass er weiterhin nervös ist – und sich in Wien nicht zu sehr vom Schnitzel ablenken lässt ...
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