Ab sofort möglich

Italien: Geld zurück bei Stau auf Autobahnen

Ausland
01.06.2026 10:09
Porträt von krone.at
Von krone.at

In Italien gibt es seit Montag bei langen Staus wegen Baustellen Geld zurück. Der Schritt kommt rechtzeitig vor der Reisewelle, aber ganz so einfach kommt man nicht an die Rückerstattung der Maut – vor allem als Ausländer nicht.

Wird die normale Fahrzeit auf einer gebührenpflichtigen Autobahn wegen einer Baustelle deutlich überschritten, müssen die Betreiber ihren Kunden die Maut teilweise oder sogar komplett zurückzahlen.

Die Entschädigung kann über eine App beantragt werden, in der alle Betreiber von Italiens privaten Autobahnen zusammengeschlossen sind. Autofahrer sollen bereits Geld zurückbekommen, wenn die Fahrt auf einer Strecke von knapp 100 Kilometern zehn Minuten länger dauert als üblich. Bei längeren Strecken muss die Verspätung größer sein. Bei mehr als zwei Stunden gibt es nach den Vorgaben der Verkehrsbehörde in der Regel die gesamte Maut zurück.

Ausländer brauchen italienische Steuernummer
Auf Italiens Autobahnen sind jedes Jahr auch sehr viele Österreicher und Deutsche unterwegs. Auf dem Weg nach Südtirol, in die Toskana oder noch weiter in den Süden wird auch in diesem Jahr reger Betrieb erwartet. Für Ausländer ist es nach dem Ärger im Stau allerdings nicht einfach, das Geld zurückzubekommen.

Die Regelung gilt zwar grundsätzlich auch für Autofahrer aus dem Ausland. Allerdings braucht man eine italienische Steuernummer, um sich in der App registrieren zu können. Dies ist auch für Nicht-Italiener möglich, aber umständlich. Helfen kann beispielsweise die Botschaft in Rom oder die italienische Botschaft im eigenen Land.

Keine Erstattung unter einem Euro
Gezahlt werden muss erst, wenn der Erstattungsbetrag mehr als einen Euro beträgt. Die Autobahngesellschaft Autostrade per l‘Italia rechnete beispielsweise vor, dass es 75 Prozent zurückgibt, wenn man auf einer 90 Kilometer langen Strecke 40 Minuten länger braucht als üblich. Bei einer Stunde wird dann alles erstattet. Kein Geld gibt es zurück, wenn es sich um sogenannte Notfall-Baustellen handelt, bei Unfällen oder bei wetterbedingten Störungen. Das neue System soll bis Dezember komplett einsatzbereit sein.

Auflistung der Rückerstattung

(Bild: Autostrade.it)

Verbraucherschützer sind skeptisch
Die Neuregelung wurde von der Rechts-Regierung in Rom vorangetrieben. Verkehrsminister Matteo Salvini bezeichnete den Beschluss als „Wendepunkt“ für die Umsetzung von Rechten von Autofahrern. Hingegen zweifelt Italiens Verbraucherschutzverband, dass alles funktioniert. „Es ist offensichtlich, dass es jahrelang keine echten Strafen für die geben wird, die den Nutzern einen schlechten Service bieten“, heißt es von dort. Zudem warnen Verbraucherschützer davor, dass die Betreiber ihre Kosten für die Rückerstattungen durch eine Erhöhung der Gebühren ausgleichen.

Insgesamt gibt es in Italien etwa 7000 Kilometer Autobahnen. Für den allergrößten Teil muss Maut gezahlt werden. Europaweit sind die Gebühren in Italien und Frankreich am höchsten: Pro gefahrenem Kilometer werden nach Angaben von Verbraucherschutzverbänden im Durchschnitt zwischen sieben und neun Cent fällig. Andere Länder wie Österreich oder die Schweiz setzen auf Vignetten, also Zeitkarten für einen bestimmten Zeitraum bis hin zu einem gesamten Jahr.

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