Magyars Reformkurs

Nach Politwende: Bekommt Ungarn jetzt den Euro?

Außenpolitik
15.04.2026 08:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Euro statt Forint als künftige Währung: Es war eines der brisantesten Versprechen von Péter Magyar im ungarischen Wahlkampf. Politisch hätte der voraussichtlich künftige Regierungschef angesichts einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament und breiter Unterstützung in der Bevölkerung alle Möglichkeiten. Experten sehen allerdings einige Hürden ...

 

Magyar hofft durch einen Wechsel zum Euro vor allem auf mehr Preisstabilität. In den vergangenen Jahren hatte die Landeswährung Forint nämlich deutlich an Wert verloren, die Inflationsrate war eine der höchsten in der EU.

Die Bedingungen für einen Beitritt zur Währungsunion erfüllt Ungarn jedoch noch nicht. Wie realistisch ist also die Einführung des Euro, nachdem Viktor Orbán am Sonntag nach 16 Jahren abgewählt wurde?

Péter Magyar, der als Wahlsieger hervorgegangen ist, strebt eine Einführung des Euro an, um ...
Péter Magyar, der als Wahlsieger hervorgegangen ist, strebt eine Einführung des Euro an, um Ungarn in die Eurozone zu führen.(Bild: AFP/ATTILA KISBENEDEK)

Bulgarien als Vorbild
„Der Beitritt zur Eurozone liegt im Interesse Ungarns“, sagte Magyar am Montag. Er verwies auf Bulgarien, das seit dem 1. Jänner die Gemeinschaftswährung eingeführt hat. Würde Ungarn diesem Beispiel folgen, „würde dies Preisstabilität für die Ungarn gewährleisten, die dann nicht mehr unter der Rekordinflation leiden müssen“.

Magyar macht Orbán für die hohen Preise verantwortlich. Die Inflation hatte in Ungarn Anfang 2023 mit 25,7 Prozent den höchsten Stand in der gesamten EU erreicht. Zuletzt lag die Preissteigerung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum weiterhin bei über vier Prozent und damit deutlich höher als im EU-Schnitt.

Die offizielle Abkürzung für den ungarischen Forint ist HUF.
Die offizielle Abkürzung für den ungarischen Forint ist HUF.(Bild: stock.adobe.com)

75% der Ungarn befürworten den Euro als Währung
Zudem ist die Gemeinschaftswährung trotz der seit Jahren von Orbán gezielt geschürten Skepsis gegenüber allem Europäischem bei den Ungarn beliebt. In einer Umfrage des EU-Statistikamts Eurostat im März 2025 sprachen sich 75 Prozent für die Einführung der Gemeinschaftswährung in ihrem Land aus. Das ist der größte Zuspruch unter den EU-Ländern, die noch nicht Mitglied der Währungsunion sind.

Währungswechsel könnte Jahre beanspruchen
Die Einführung des Euro ist jedoch ein komplexer Prozess, der mehrere Jahre in Anspruch nehmen dürfte. Prinzipiell sollen alle EU-Länder, welche die Einheitswährung noch nicht eingeführt haben, dies langfristig tun. Dafür müssen sie die in den EU-Verträgen festgelegten sogenannten Maastricht-Konvergenzkriterien erfüllen. Sie machen unter anderem Vorgaben zum Haushaltsdefizit, der Staatsverschuldung und der Wechselkursstabilität.

Ungarn erfüllt noch nicht alle Kriterien
Ungarn erfüllt die meisten Kriterien bei Weitem nicht, wie aus dem jüngsten Konvergenzbericht der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank von 2024 hervorgeht. Zudem ist das Land noch kein Mitglied des Europäischen Wechselkursmechanismus (ERM II), dem es mindestens zwei Jahre lang angehören muss, um der Eurozone beitreten zu können.

2030/2031 als realistisches Ziel
Ein Beitritt dürfte daher nicht vor Beginn des nächsten Jahrzehnts erfolgen. Magyar wollte zunächst kein Zieldatum für die Euro-Einführung nennen, zunächst brauche es eine gründliche Analyse der Lage der ungarischen Wirtschaft und der öffentlichen Finanzen, sagte er. Angestrebt werden könne dann 2030 oder 2031.

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