Firmen massiv abhängig

„Unklar, ob EU ohne China Zahnpasta machen kann“

Wirtschaft
14.04.2026 21:30

Europäische Unternehmen sind so stark von China abhängig, dass sich der Präsident der EU-Handelskammer nicht einmal sicher ist, ob sie Zahnpasta ohne Hilfe der Chinesen herstellen können. Dabei wollen sich die EU-Unternehmen längst aus den Fängen Chinas befreien – es gelingt ihnen nur nicht.

Europa ist so stark auf China angewiesen, dass das Land „der europäischen Wirtschaft nun beispiellosen Schaden zufügen könnte, sollte es sich dazu entschließen“, warnt Jens Eskelund, Präsident der EU-Handelskammer in China. Wie groß das Problem tatsächlich ist, zeigt eine Umfrage der Kammer: Jedes dritte Unternehmen hat Anfang des Jahres angegeben, direkt von Chinas Exportkontrollen betroffen zu sein.

Das sei „unglaublich“, wenn man bedenke, dass nur die Ausfuhr von einigen wenigen Produkten kontrolliert werde, sagt Eskelund am Dienstag in Peking, wie mehrere Medien berichten. Im April 2025 hat China den Export von bestimmten seltenen Erden begrenzt. Unternehmen brauchen eine Genehmigung der Behörden, um diese Materialien in andere Länder bringen zu dürfen und müssten teils sensible Daten offenlegen, kritisiert die Kammer.

Seltene Erden

  • Seltene Erden sind 17 Metalle, die für viele moderne Produkte gebraucht werden – etwa für Elektromotoren oder Windräder.
  • China ist der weltweit größte Produzent und verarbeitet einen Großteil der globalen Mengen.

„Spitze der Spitze des Eisbergs“
Doch die Export-Beschränkungen bei seltenen Erden seien nur die „Spitze der Spitze des Eisbergs“, warnt Eskelund. Die Abhängigkeit Europas von China gehe so weit, dass er sich nicht einmal sicher sei, ob „Europa ohne China Zahnpasta herstellen kann.“

Allerdings löst das Wissen allein, dass Europa auf China angewiesen ist, noch keine Probleme. „Trotz aller Diskussionen sehen wir nicht wirklich, dass Europa weniger abhängig von China wird“, warnt Eskelund. Statt sich aus den Fängen Chinas zu befreien, machen europäische Unternehmen nämlich eher das Gegenteil.

Präsident der EU-Handelskammer in China, Jens Eskelund
Präsident der EU-Handelskammer in China, Jens Eskelund(Bild: APA/AFP/Pedro Pardo)

EU-Unternehmen im Überlebensmodus
Rund ein Viertel der EU-Firmen plane, die Lieferketten nach China zu verlagern, berichtet Eskelund von einer Umfrage im vergangenen Jahr. Dabei wollen viele europäische Firmen das gar nicht – es sei eher ein „Überlebensmechanismus“.

Denn die meisten Firmen in der EU haben mindestens einen China-Konkurrenten. Um sich gegen diesen durchsetzen zu können, müssen die Europäer ein besseres Produkt billiger verkaufen. Paradoxerweise gelingt das nur, wenn sie dann ausgerechnet die chinesischen Lieferketten nutzen, wie der Handelskammer-Präsident erklärt.

„Sitzen auf einer brennenden Plattform“
Nach der Einführung der Exportkontrollen für seltene Erden kämpften viele Unternehmen mit hohen Kosten und Produktionsausfällen. Inzwischen werden die Waren zwar wieder exportiert, aber nicht so viel wie benötigt, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Und es schaut nicht so aus, als ob sich die Situation bald verbessern würde. „Wir sitzen auf einer brennenden Plattform“, findet Eskelund deutliche Worte.

Denn im Oktober 2025 kündigte China noch strengere Regeln an, die es Unternehmen schwer machen würden, sogar außerhalb und unabhängig von China die seltenen Erden zu verabeiten. Diese Regelung ist allerdings bis November ausgesetzt – was danach gilt, weiß niemand sicher. Der Kammer-Präsident ist jedenfalls „besorgt, dass es in den nächsten Monaten viel komplizierter wird“.

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