Freispruch vor Gericht

Zähne verpfuscht: Fall in Wien bleibt wohl Rätsel

Gericht
13.04.2026 15:30

Dramatische Vorwürfe und rätselhafte Beweise: Der Prozess rund um angeblich verpfuschte Zähne und massive Schmerzen ist am Montag mit einem überraschenden Urteil zu Ende gegangen: Freispruch für den angeklagten Zahntechniker! Doch der Fall wirft weiterhin viele Fragen auf.

Noch zu Prozessbeginn vergangenen Jahr schilderte ein serbisches Ehepaar dramatische Szenen: abgeschliffene Zähne, angeblich 28 Betäubungsspritzen, stundenlange Behandlungen und bis heute anhaltende Schmerzen. Für die Staatsanwaltschaft stand der Vorwurf im Raum: grob fahrlässige Körperverletzung. Doch am Montag drehte sich das Bild ...

Schiefer Mund und Schwellungen im Gesicht
Ein Sachverständiger wurde beigezogen und analysierte rund 70 Fotos und Videos, die das Ehepaar vorgelegt hatte. Sein Fazit: Eine Injektion dürfte tatsächlich erfolgt sein. Hinweise darauf seien ein schiefer Mund und Schwellungen im Gesicht. Doch der entscheidende Punkt blieb offen: Wer hat die Spritze gesetzt?

Rechtsanwalt Philipp Wolm und seine Kanzlei verteidigten.
Rechtsanwalt Philipp Wolm und seine Kanzlei verteidigten.(Bild: kw-anwaelte.com)
Was geschah wirklich im Zahntechnik-Labor? Das Gericht fand keine eindeutigen Beweise. ...
Was geschah wirklich im Zahntechnik-Labor? Das Gericht fand keine eindeutigen Beweise. (Symbolbild)(Bild: tygrys74 - stock.adobe.com)

Nach Behandlung sogar weiterempfohlen?
Der 38-jährige Zahntechniker blieb bei seiner Linie: Er habe keine zahnärztlichen Eingriffe durchgeführt, sondern lediglich ein Provisorium gereinigt und scharfe Kanten abgerundet.

Im Gerichtssaal häuften sich die Ungereimtheiten. Der Angeklagte stellte zentrale Fragen: Warum ließ sich der Mann eine Woche nach seiner Partnerin ebenfalls behandeln, wenn es ihr angeblich so schlecht ergangen sei?
Warum empfahl er den Techniker sogar weiter? Dann brachte der 38-Jährige eine neue Version ins Spiel: Nach der Behandlung habe es ein Videotelefonat mit dem Zeugen gegeben, in dem ihm plötzlich schwere Vorwürfe gemacht wurden.

Verheerende Folgen wegen Bakterien
„Er meinte, er muss sich wegen der Bakterien jetzt alle Zähne ziehen lassen“, erklärt der 38-Jährige. Der Techniker habe dem Mann daraufhin gesagt, dass jene verantwortlich seien, die den Eingriff durchgeführt hätten.

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Es gibt unzählige Visionen des Sachverhalts, viele Widersprüche. Als hätte man meinem Mandanten einiges in die Schuhe schieben wollen.

Verteidiger Heinrich Lang (KollmanWolm Rechtsanwälte)

Warum diese Geschichte erst jetzt auftauchte? Für die Gegenseite klar:
Der Staatsanwalt sprach von einer „Schutzbehauptung“ und meinte, der Angeklagte rede eine „Verschwörung“ herbei. Verteidiger Heinrich Lang hielt dagegen: „Es gibt unzählige Visionen des Sachverhalts, viele Widersprüche. Es gab immer wieder andere Versionen des Geschehensablaufs.“ Besonders auffällig für ihn: Trotz angeblich unerträglicher Schmerzen habe das Paar nie einen Arzt aufgesucht. Sein Eindruck: „Als hätte man meinem Mandanten einiges in die Schuhe schieben wollen.“

„Beweislage reicht nicht aus“
Auch der Richter zeigte sich skeptisch gegenüber der Darstellung der Zeugen: „Es ist wirklich kein leichter Fall. Vieles deutet auf einen Eingriff hin, vieles aber auch nicht. Für einen Schuldspruch reicht die Beweislage nicht aus.“ Freispruch für den Zahntechniker – jedoch nicht rechtskräftig.

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