29,6 Millionen Euro Steuergelder flossen seit 2011 in die Kindergruppe Abendstern in Wien. Auch der Stadtrechnungshof erhob schwere Vorwürfe. Dennoch fließen weiter Hunderttausende Euro.
Eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz, die ÖVP-Klubobmann Harald Zierfuß an die Magistratsabteilung 10, zuständig für Kindergärten, stellte, förderte ein Brisantes zutage: Der Kinderbetreuungsverein Abendstern erhält seit Oktober 2011 Förderungen der Stadt Wien. Monatlich fließen derzeit 188.905 Euro aus der Stadtkasse in den Verein, der aktuell 265 Kinder an vier Wiener Standorten betreut.
Bis Anfang März 2026 summierten sich die Fördergelder auf insgesamt rund 29,6 Millionen Euro – eine stattliche Summe, die laut Stadtrechnungshof Wien nur unzureichend kontrolliert wurde. Pikant: Ob dieser Verein überhaupt noch Steuergelder verdient, ist seit Jahren mehr als fraglich.
Schwere Verstöße in drei externen Prüfberichten
Denn zwischen 2017 und 2022 beauftragte die Magistratsabteilung 10 gleich dreimal verschiedene externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaften mit der Gebarungsprüfung des Vereins – und alle drei kamen zu vernichtenden Urteilen.
Der Verein wirtschaftet Steuergeld in eigene Umgehungskonstrukte – und zahlt den Schaden dann aus laufenden Förderungen zurück. Konsequenzen? Keine.

ÖVP-Klubobmann Harald Zierfuß
Bild: GARIMA SMESNIK
Festgestellt wurden eine GmbH, die 71.000 Euro für Wand- und Deckenarbeiten kassierte, jedoch nur eine Gewerbeberechtigung für die Erzeugung von Teigwaren besaß; eine weitere Gesellschaft, die 123.000 Euro für Reinigungsleistungen erhielt und 2021 amtswegig gelöscht wurde; sowie Aufträge über mehr als 200.000 Euro an eine GmbH, deren Geschäftsführer der Obmann selbst war. Vorstandsgehälter lagen weit über dem Kollektivvertrag, Prüfer sprachen von einem möglichen Umgehungskonstrukt.
Rückforderung noch reduziert
Schon 2018 erkannte eine Prüfgesellschaft massive Mängel in der Buchführung sowie unzulässige In-sich-Geschäfte. Trotzdem lief die Förderung weiter. Für das Jahr 2015 wurden schließlich 834.698 Euro zurückgefordert – doch die Magistratsabteilung 10, zuständig für Kindergärten, reduzierte diese Summe nach Gesprächen mit dem Verein auf 460.000 Euro. Der Stadtrechnungshof hielt dazu fest, es sei nicht nachvollziehbar, warum die Förderung in Anbetracht der wesentlichen negativen Feststellungen nicht spätestens im Jahr 2018 eingestellt worden war.
Ehemalige Mitarbeiter meldeten sich
Zudem haben sich nun ehemalige Mitarbeiter mit weiteren brisanten Details gemeldet. Deren Vorwürfe werden gerade ausgewertet. Für Zierfuß steht jedenfalls fest: „Dieser Verein darf kein weiteres Steuergeld mehr bekommen.“ Die ÖVP ist überzeugt, dass der Fördermissbrauch nicht der Vergangenheit angehört. Gefordert werden ein sofortiger Förderstopp, die Schließung des Vereins, die vollständige Rückzahlung aller zu Unrecht bezogenen Mittel sowie eine grundlegende Neuaufstellung der städtischen Fördermittelkontrolle. Aber warum handelt die Stadt nicht?
Alle Mängel beseitigt
Bei der zuständigen MA 10 sieht man die Sache offenbar als erledigt an. Der Verein hat nach drei vernichtenden Prüfberichten scheinbar noch eine vierte Chance verdient. „Die in den Jahren 2015 bis 2020 festgestellten Mängel wurden behoben. Die Umsetzung der Auflagen wurde durch die MA 10 sowie durch externe Wirtschaftsprüfungen überprüft und bestätigt.“
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