Die „Krone“ setzt sich schon länger dafür ein, die Bauern fordern sie und Konsumenten wünschen sie: die Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie. Jetzt muss die Politik endlich handeln, wenn sie sich zu regionaler Wertschöpfung verpflichten will.
Wenn wir ein Auto kaufen, eine Flasche Wein oder Socken – man findet auf jedem Produkt schnell und einfach Informationen über Herkunft und Hersteller. Bei Lebensmitteln, die wir täglich konsumieren, sollte das erst recht selbstverständlich sein. Doch ausgerechnet dort, wo Transparenz besonders wichtig wäre, bleibt sie auf der Strecke.
In der Gastronomie wissen Gäste in der Regel nicht, woher die verwendeten Produkte stammen. Kommt das Fleisch für das Schnitzel aus Österreich oder wurde es aus dem Ausland importiert? Vielleicht sogar aus Südamerika über die Welt transportiert? Diese Fragen sollten keine Detektivarbeit erfordern.
Wer Regionalität lebt, der zeigt es in der Speisekarte
Natürlich gibt es sie: jene Wirte, die genaue Auskunft geben, woher sie ihre Waren beziehen. Aber in der Regel sind dies Gastronomiebetriebe, die auf Regionalität und Bioqualität setzen. Sie haben offenbar nichts zu verbergen und setzen freiwillig auf Transparenz.
Aber es gibt auch jene, die zwar Preise berechnen, als wäre das Kalb für das Schnitzerl täglich gebürstet und gestreichelt worden – in Wahrheit aber aus Billigproduktion aus dem Ausland stammt.
Fake News aufgetischt
Die Rechercheplattform „The Marker“ hat bei einigen Szenelokalen aufgedeckt, dass sogar Lügen über die Herkunft des Fleisches auf Anfragen von Gästen verbreitet werden – die „Krone“ berichtete. Doch es geht nicht nur um Transparenz für Konsumenten, sondern auch um das nackte Überleben unserer Bauern.
„Gelingt es nicht, heimische Produkte erfolgreich zu vermarkten und ihre Herkunft sichtbar zu machen, wird das Höfesterben weitergehen“, warnt der anerkannte Agrarökonom Siegfried Pöchtrager vom Institut für Marketing und Innovation der BOKU. Die Zahlen sind alarmierend. Täglich schließen neun Bauern in Österreich für immer ihren Hof. Wenn dies so weitergeht, wer wird dann künftig die Almen bewirtschaften und erhalten?
Schaffen wir es nicht, durch die Herkunftskennzeichnung österreichische Produkte erfolgreich zu vermarkten, wird das Schließen der Bauernhöfe voranschreiten.

Ao.Univ.Prof. Dr. Siegfried Pöchtrager, BOKU Wien
Bild: zVg
Bauern fordern die Politik auf, endlich zu handeln
Denn immerhin tragen Bauern mit dieser Arbeit zu einem enormen Einkommen für uns alle bei. Denn was wäre der Tourismus ohne unsere prachtvolle Natur, die durch die Bewirtschaftung und Beweidung gepflegt wird?
Die Geduld der Bauern ist jedenfalls am Ende. Immer wieder kommt es zu Protestaktionen und erst vor wenigen Tagen haben sich Traktoren vor dem Bundeskanzleramt versammelt: „Wir werden nicht aufgeben und weiterkämpfen, bis unsere Forderungen von der Politik gehört und umgesetzt werden“, zeigt sich Sebastian Bauer (Bündnis Zukunft Landwirtschaft) kämpferisch.
Die Forderung nach einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung wird immer lauter. Die Frage ist nicht mehr, ob Landwirte Unterstützung brauchen oder ob Konsumenten Transparenz wollen – sondern warum wir alle noch immer darauf warten müssen.
Wir Bauern müssen lückenlos dokumentieren, was unsere Tiere fressen. Auf jedem Futtersack steht, woher die Rohstoffe stammen. Alles unterliegt strengen Kennzeichnungspflichten. Aber wenn es um Lebensmittel geht, die auf den Tellern der Menschen landen, ist die Herkunft plötzlich nicht mehr wichtig?
Das ist absurd! Angeblich sei der Aufwand für die Wirte zu groß! Wer das behauptet, verschweigt die Realität! Denn auch in der Gastronomie ist die Herkunft bekannt. Auf jedem Lieferschein des Großhändlers ist dokumentiert, woher Fleisch, Eier, Milchprodukte oder Gemüse stammen. Kein Wirt muss sie erst mühsam zusammensuchen.
Die Wahrheit ist: Manche wollen schlicht nicht offenlegen, was auf den Tellern landet. Wir alle haben aber als Gäste ein Recht darauf zu erfahren, ob das Schnitzel aus Österreich stammt oder rund um die Welt transportiert wurde.
Die Herkunftskennzeichnung ist keine Schikane. Sie ist keine Belastung. Sie ist eine Frage der Fairness gegenüber Konsumenten und Bauern gleichermaßen. Wer nichts zu verbergen hat, sollte auch nichts gegen Transparenz haben. Herkunft darf kein Geheimnis sein.
Wer im Gasthaus sitzt, weiß oft mehr über die Herkunft seines Smartphones als über jene des Schnitzels auf dem Teller. Genau darin liegt ein Problem, das weit über Ernährung hinausgeht. Denn Herkunft ist eine Frage von Anspruch, Verantwortung und Haltung.
Klimakrisen, geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Abhängigkeiten zeigen uns täglich, wie fragil unser Versorgungssystem geworden ist. Dennoch unterschätzen wir, wie stark jede Konsumentscheidung unsere Zukunft prägt. Eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung ist deshalb überfällig. Sie wäre ein Bekenntnis zu regionaler Wertschöpfung, heimischer Landwirtschaft und zu jener Qualität, für die Österreich weltweit stehen will.
Jede Speisekarte erzählt bereits heute eine Zukunftsgeschichte – jene von anonymen Billig-Importen und wachsender Abhängigkeit oder jene von regionalen Produzenten, kurzen Wegen, Tierwohl und Vertrauen.
Zukunft entsteht nicht abstrakt irgendwo in Brüssel oder im Silicon Valley. Sie entsteht direkt vor unserer Haustüre durch das, was wir kaufen, essen und unterstützen. Herkunft sichtbar zu machen heißt, direkte Verantwortung für unsere Zukunft zu übernehmen, die wir täglich mitgestalten.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.