Hunderte Zugpassagiere strandeten Samstagnacht in Niederösterreichs Landeshaupstadt St. Pölten. Unter ihnen war auch Vizebürgermeister Michael Kögl. Er kritisiert – wie viele andere – das Krisenmanagement der ÖBB.
Eigentlich war Michael Kögl zu Fuß am Heimweg, als er Samstagnacht auf auffällig viele Reisende am Bahnhofsvorplatz in St. Pölten traf. Einige von ihnen erkannten den Vizebürgermeister und wandten sich verzweifelt an ihn. Sie wussten nicht, was los war. Fest stand nur: Seit Stunden fuhr kein einziger Zug.
Auslöser des Chaos soll zunächst ein Vogel gewesen sein, der in einem Schaltgerüst einen Kurzschluss verursacht habe. Wie die ÖBB nun mitteilen, stellte sich jedoch ein Defekt an einem erdverlegten Hochspannungskabel zwischen dem Bahnhof und dem TS-Werk als Ursache der Störung heraus. Die Folgen waren jedenfalls unübersehbar.
Bis zu 200 Euro für Taxi
„Es gab lange Zeit keine Infos, niemand war erreichbar, die Stimmung angespannt“, so Kögl. Er beobachtete, wie Reisende – darunter Familien mit Kindern und Menschen mit schwerem Gepäck – auf Taxis auswichen und dafür bis zu 200 Euro bezahlten. Hotels waren keine Alternative: Sie waren wegen des Triathlon-Wochenendes weitgehend ausgebucht.
In solchen Situationen braucht es gute Planung und Kommunikation. Beides war in dieser Nacht leider nicht vorhanden.

Michael Kögl, Vizebürgermeister
Bild: zVg
Auch die wenigen Sicherheitskräfte hätten laut Kögl nicht gewusst, was los sei. Der Politiker informierte daher die Polizei, die laut ihm für Ordnung sorgen konnte, und erreichte schließlich auch die ÖBB. Doch es blieb chaotisch: Angekündigte Ersatzbusse kamen nicht, Informationen waren weiterhin Mangelware. Erst gegen 1 Uhr fuhr ein erster überfüllter Zug Richtung Tullnerbach, kurz vor 2 Uhr einer Richtung Westen.
Vizebürgermeister verlangt Antworten
Kögl verlangt nun eine Aufarbeitung der Ereignisse und Antworten zur Informationspolitik während der Sperre. Die ÖBB entschuldigen sich gegenüber den betroffenen Fahrgästen für die stundenlangen Einschränkungen. Man sei sich der Verantwortung bewusst, Reisende sicher und verlässlich ans Ziel zu bringen. Gleichzeitig verweist das Unternehmen darauf, dass kurzfristige Streckenunterbrechungen durch technische Gebrechen oder andere unvorhergesehene Ereignisse für Fahrgäste und Mitarbeiter gleichermaßen belastend seien.
ÖBB: Informationen müssen gesichert sein
Besonders die Organisation eines Schienenersatzverkehrs stelle bei nächtlichen Störungen eine große Herausforderung dar. Dafür müssten kurzfristig Busse und Fahrer organisiert werden, die vor allem nachts nur eingeschränkt verfügbar seien. Deshalb könne es zu Verzögerungen kommen.
Zur Kritik an der Informationspolitik betonen die Bundesbahnen, dass Fahrgäste nur auf Basis gesicherter Erkenntnisse informiert werden könnten. Laufend geänderte oder widersprüchliche Meldungen würden die Situation zusätzlich erschweren. Der Vorfall werde nun analysiert, auch die von Kögl geschilderten Erfahrungen sollen in die Evaluierung einfließen.
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