Die Ukraine setzt seit Kriegsbeginn billige Drohnen enorm effizient gegen russische Angreifer ein. Der Chef des Rüstungsunternehmens Rheinmetall spottete nun über die Technologie: Die Drohnen würden „von Hausfrauen mit 3D-Druckern“ gemacht. Der Sager sorgte auch außerhalb der Ukraine für Empörung, jetzt musste der Konzern zurückrudern ...
Der Chef des Rüstungsunternehmens Rheinmetall übte zuletzt scharfe Kritik an ukrainischen Drohnenherstellern. In einem Interview mit dem US-Magazin „The Atlantic“ hatte Armin Papperger auf eine Frage zur Entwicklung von Drohnentechnologie in der Ukraine gesagt, dies sei „wie mit Lego zu spielen“.
„Sie haben 3D-Drucker in der Küche, und sie stellen Drohnenteile her. Das ist keine Innovation.“
Armin Pappberger, Rheinmetall-Chef
„Hausfrauen“-Technologie
Zudem verglich der Vorstandsvorsitzende des Rüstungskonzerns wichtige ukrainische Drohnenbauer mit „Hausfrauen“: „Sie haben 3D-Drucker in der Küche, und sie stellen Drohnenteile her. Das ist keine Innovation.“ Papperger kritisierte, was in der Ukraine passiere, könne man nicht mit der Technologie von Rheinmetall oder anderen Rüstungskonzernen vergleichen.
Aussagen sorgten für Aufregung
Mit seiner Aussage sorgte der 63-Jährige für eine Welle der Empörung. Unter dem Hashtag „MadeByHousewives“ gibt es mittlerweile zahlreiche Memes und Anspielungen auf die Effektivität ukrainischer Drohnen. So postete Richard Woodruff, der als britischer Freiwilliger seit 2022 die Ukraine unterstützt, auf X ein Bild von sich vor Dutzenden aufgetürmten Drohnen. Dazu schrieb er spöttisch, dass er erst heute erfahren habe, dass er „eine ukrainische Hausfrau“ sei.
„Lego-Drohnen vernichteten über 11.000 russische Panzer“
„Rheinmetall sagt, unsere Lego-Drohnen würden von Hausfrauen in ihren Küchen hergestellt. Schön. Derweil haben unsere Lego-Drohnen mehr als 11.000 russische Panzer vernichtet“, schrieb Alexander Kamyshin, Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, in einem Post am Samstag auf der Plattform X.
Selenskyj mit hartem Konter
Selenskyj selbst konterte Pappergers Aussage: „Wenn jede ukrainische Hausfrau Drohnen bauen kann, dann kann jede Hausfrau auch Geschäftsführerin von Rheinmetall sein.“ Der Präsident betonte, dass die Ukraine die Wirksamkeit ihrer Technologien jeden Tag unter Beweis stelle – an der Front, in der Luft und auf dem Wasser. Ihm zufolge sollte man nicht mit Aussagen, sondern mit Ergebnissen konkurrieren. Der ukrainische Rüstungskomplex nehme einen wichtigen Platz am Weltmarkt ein, fügte er hinzu.
„Hausfrauen“-Drohnen schädigen Russland schwer
Seit Beginn der russischen Vollinvasion hat die Ukraine ihre Drohnen laufend weiterentwickelt. Insbesondere unbemannte Fluggeräte – oft handelsübliche Kleindrohnen, die mit Sprengstoff ausgerüstet werden – fügen den russischen Streitkräften schwere Verluste zu.
Außerdem baut die ukrainische Rüstungsindustrie zunehmend eigene Kriegsdrohnen. Immer wieder gelingt es ukrainischen Streitkräften, mit billigen Drohnen schweres Militärgerät der russischen Armee im Wert von mehreren Millionen Euro auszuschalten. Erst in der Nacht von Sonntag auf Montag kam es zu einem heftigen Angriff der Ukraine gegen Russland. Das russische Verteidigungsministerium verzeichnete 102 Drohnen über dem Territorium des Landes.
Militärexperte warnt vor Überheblichkeit
Der deutsche Militärexperte Nico Lange schrieb auf X: „Die Überheblichkeit so mancher in Bundeswehr, Industrie und Politik gegenüber der neuen Ökonomie des Krieges mit massenweisen billigen Drohnen und Raketen könnte für uns noch zum ernsten Sicherheitsrisiko werden.“
Rheinmetall rudert zurück
Das Rüstungsunternehmen betreibt Schadensbegrenzung. Am Sonntag teilte Rheinmetall auf X seinen Respekt für die „immensen Leistungen der Ukrainer bei der Verteidigung ihres Landes gegen den russischen Angriff“ mit. Weiter heißt es in dem Beitrag: „Jede Frau und jeder Mann in der Ukraine leistet einen unschätzbaren Beitrag. Vor allem gebührt der Ukraine Respekt dafür, wie sie mit begrenzten Ressourcen hocheffektiv kämpft. Die innovative Stärke und der Kampfgeist der Ukrainer sind eine Inspiration für uns. Wir sind dankbar, die Ukraine mit unseren Mitteln unterstützen zu können.“
Die „Hausfrauen“-Kriegsführung der Ukraine ist jener der NATO streckenweise weit überlegen. Das haben zuletzt gemeinsame Übungen gezeigt. Die ukrainische Armee hat bei NATO-Manövern im Vorjahr die Truppen des Bündnisses deklassiert und deren Schwächen in der modernen Kriegsführung offengelegt. In Portugal und Estland zeigten die kriegserfahrenen Ukrainer, dass die NATO auf Drohnenangriffe kaum vorbereitet ist.
Bei den Übungen „Repmus“ und „Dynamic Messenger“ vor Portugals Küste gewannen von Kiewer Soldaten geführte Marineeinheiten fünf Szenarien. Erfolgsfaktor waren die „Magura“-Seedrohnen, die im Schwarzen Meer schon russische Kriegsschiffe versenkten. Bei einem simulierten Angriff gelangen so viele Treffer gegen eine Fregatte, dass diese im Ernstfall gesunken wäre. Eine herbe Niederlage gab es auch bei der Übung „Hedgehog“ in Estland. Dort schaltete die ukrainische 412. Nemesis-Brigade an nur einem Tag 17 NATO-Fahrzeuge aus.
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