3000 Euro zu stemmen

„Auszeit bringt Angehörige an den Rand des Ruins“

Tirol
29.03.2026 10:00

Wer ein bedürftiges Familienmitglied zu Hause pflegt und aus verschiedenen Gründen auf einen Kurzzeit-Pflegeplatz angewiesen ist, braucht Glück – und Geld. Das zeigt ein jüngst im Tiroler Landtag debattiertes Beispiel aus der Praxis. 6700 Euro wären auf einen Schlag fällig gewesen!

Pflegende Angehörige leisten einen wertvollen Dienst an der Gesellschaft, soweit reicht der politische Konsens. Doch wie sieht es in der Praxis aus? Wie ist es um die Wertschätzung der pflegenden Angehörigen für ihre aufopfernde Tätigkeit bestellt? Immerhin sind sie an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden am Tag im Dienst.

Anhand eines konkreten Beispieles zeigte Liste-Fritz-Parteichefin Andrea Haselwanter-Schneider jüngst im Landtag auf, „wie fern der Realität“ die derzeitige Förderstruktur und Finanzierung der Kurzzeitpflege ist, die nötig wird, wenn die Angehörigen auch einmal eine Auszeit brauchen – sei es wegen eines Unfalls oder aus gesundheitlichen Gründen.

Zitat Icon

Wir müssen froh sein um jeden pflegenden Angehörigen. Aber auch der Stabilste braucht einmal eine Auszeit! 

LA Haselwanter-Schneider (Liste Fritz)

Sturz im Haus brachte Fass zum Überlaufen
Die Mandatarin berichtete von einem Fall einer 55-jährigen Tirolerin, die ihren 60-jährigen, demenzkranken Ehepartner seit mehr als zehn Jahren pflegt. „Der Ehemann hat die Pflegegeldstufe 6 und die Situation für die Ehefrau ist sehr fordernd. Das Krankheitsbild schreitet voran, an Schlaf ist nachts nicht zu denken, es kommt zu Phasen von Aggressivität, der Pflegebedürftige selbst kann kaum noch einer Tätigkeit nachgehen und ist auf Rund-um-die-Uhr-Unterstützung durch seine Frau angewiesen“, schilderte Haselwanter-Schneider.

Als der Mann im Haus stürzte, war es unumgänglich, einen Kurzzeitpflegeplatz zu finden – möglichst wohnortnah, was mit Unterstützung des Landesinstitutes für integrierte Versorgung auch gelang.

Selbstzahler versus „Rundum-sorglos-Paket“
Was so positiv klingt, wurde nach der ersten Euphorie zu einem finanziellen Albtraum. Denn der 28-tägige Aufenthalt in einem Heim hätte die Familie einen Betrag von 6720 Euro gekostet, „von dem sie nach Abzug von Förderungen des Bundes rund 3000 auf jeden Fall selbst hätte zahlen müssen“, schilderte die Fritz-Pflegeexpertin. Der Gesamtbetrag wäre gleich zu Beginn fällig gewesen.

Förderungen für Angehörige greifen zu kurz
„Ich frage Sie als Abgeordnete im Landtag: Wer kann sich solche Beträge einfach so leisten, in Zeiten permanenter Krisen und der Teuerung?“ Die bestehenden Fördermodelle des Bundes und des Landes reichen „bei Weitem nicht aus. Zudem ist es unfair, dass bei Inanspruchnahme eines Langzeit-Pflegeplatzes ein Rundum-Sorglos-Paket greift, während jene, die das System entlasten, bestraft werden. Wir plädieren hier für ein Bonus-System für pflegende Angehörige!“, sagte die Fritz-Chefin.

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