Nach Weißmann-Skandal

ORF-Chefin Thurnher lässt nun alles durchleuchten

Medien
27.03.2026 10:19
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der ORF steht nach turbulenten Wochen unter massivem Druck – jetzt setzt die neue Generaldirektorin Ingrid Thurnher den ersten sichtbaren Schritt: Ein hochkarätig besetzter Transparenz-Beirat soll die Vorwürfe der vergangenen Zeit unabhängig durchleuchten und Konsequenzen aufzeigen.

Thurnher, die am 12. März vom Stiftungsrat einstimmig zur interimistischen Generaldirektorin bestellt wurde, reagiert damit auf die zuletzt öffentlich diskutierten Causen rund um den ORF. Ziel sei es, rasch für Aufklärung, klare Verantwortlichkeiten und mehr Transparenz zu sorgen. „Vertrauen entsteht nur durch Transparenz und Konsequenz“, betonte Thurnher in einer Aussendung.

Transparenz-Offensive im ORF: Externe Experten sollen nun alles aufklären.
Transparenz-Offensive im ORF: Externe Experten sollen nun alles aufklären.(Bild: Martin A. Jöchl)

Externe Experten sollen aufklären
Der neu eingesetzte ORF-Transparenz-Beirat setzt sich aus Fachleuten aus Recht, Governance und Compliance zusammen. Den Vorsitz übernimmt die Rechtsanwältin Bettina Knötzl, die auch an der Spitze von Transparency International Austria steht.

Zum Gremium gehören zudem Universitätsprofessorinnen für Arbeits- und Unternehmensrecht, eine Compliance-Expertin, ein externer Jurist sowie ein Kommunikationsberater. Sie sollen die Vorwürfe der vergangenen Wochen weisungsfrei untersuchen, mögliches Fehlverhalten aufdecken und notwendige Konsequenzen aufzeigen.

Nach dem ORF-Skandal setzt Thurnher auf knallharte Aufarbeitung.
Nach dem ORF-Skandal setzt Thurnher auf knallharte Aufarbeitung.(Bild: Mario Urbantschitsch)

„Schonungslose Durchleuchtung“ angekündigt
Laut ORF soll die Arbeit des Beirats mit einer umfassenden und unabhängigen Analyse beginnen. Dabei gehe es ausdrücklich um eine „schonungslose“ Aufarbeitung der aktuell diskutierten Vorgänge. Neben der Klärung konkreter Fälle sollen auch Empfehlungen erarbeitet werden, um die internen Strukturen in den Bereichen Compliance und Governance nachhaltig zu verbessern.

Der Beirat nimmt seine Arbeit mit sofortiger Wirkung auf.

Politischer Druck und Reformdebatte
Die Maßnahme fällt in eine Phase intensiver medienpolitischer Debatten. Erst kürzlich hatte der Nationalrat ein Gesetzespaket beschlossen, das unter anderem mehr Transparenz bei der Bestellung der ORF-Spitze sowie strengere Regeln für politische Werbung vorsieht.

Gleichzeitig war der ORF nach dem Rücktritt von Generaldirektor Roland Weißmann unter Druck geraten. Gegen ihn waren Vorwürfe sexueller Belästigung erhoben worden, die er bestreitet. Politik und Opposition forderten in der Folge eine umfassende Aufklärung sowie strukturelle Reformen, um Vertrauen zurückzugewinnen.

Mit dem neuen Transparenz-Beirat setzt Thurnher nun einen ersten konkreten Schritt – ob dieser reicht, um den ORF nachhaltig zu stabilisieren, wird sich erst zeigen.

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