Neben Frankreich und Griechenland gehört Dänemark in Person von Søren Torpegaard Lund zu den Top-Favoriten auf den diesjährigen Sieg beim Eurovision Song Contest. Beim zweiten Semifinale wird er sich beweisen – der „Krone“ gab er vorab Einblick in sein Seelenleben.
„Krone“: Søren, du zählst zu den größten Favoriten beim diesjährigen Song Contest in Wien – wie schätzt du selbst deine Chancen ein?
Søren Torpegaard Lund: Weißt du was? Ich glaube, dass meine Chancen durchaus gegeben und gar nicht mal so klein sind. Ich werde auf jeden Fall alles geben, um den Sieg nach Hause zu holen. Aber Musik und Wettbewerb – das ist eine schräge Kombination, die eigentlich nicht zusammenpasst. Wenn ich auf die Bühne denke, darf ich also nicht an die Wettbewerbskomponente denken, weil sie meinen kreativen Output ruinieren würde. Ich will, dass die Performance fließt. Dass ich Spaß habe und alles seinen Weg geht. Es sind zwei verschiedene Hirnhälften, die zusammenarbeiten müssen.
Der Song Contest schreibt seine eigenen Gesetze. Gibt es irgendwelche Formeln oder Regeln, damit man seine Siegeschancen steigern kann?
Ich bin Sänger, Schauspieler und Tänzer und kenne den musikalischen und performativen Aspekt dieser Show. Man braucht natürlich ein gewisses Talent und Fähigkeiten, aber ich nehme den Bewerb sehr ernst und trainiere seit geraumer Zeit genau darauf hin. Ich trainiere schon mein ganzes Leben lang und nehme den Ehrgeiz auf die Bühne mit. Irgendwann kann man nicht mehr mehr tun und muss mit dem Publikum in Verbindung stehen und das Gesamtpaket auf sich wirken lassen. Ich trete mit einem Song in meiner dänischen Landessprache an und so müssen die Fans sich angesprochen fühlen, ohne dass sie den Inhalt verstehen. Das ist der Punkt, wo die Kunst und das Storytelling in Kraft treten. Ich nehme es sehr ernst, eine Geschichte zu erzählen, mit der sich die Leute identifizieren können.
In der Landessprache zu singen, kann einen großen Unterschied machen im Vergleich zu einem englischen Lied. Hinter einer Fremdsprache kann man sich besser verstecken …
Exakt, deshalb wollte ich das Lied auch nicht übersetzen, weil ich meine Emotionen sonst nicht so tiefgründig teilen könnte. Nicht, dass es mit Englisch falsch wäre, aber etwas liegt in diesem Song und in meiner Heimatsprache, das das Gesamtpaket einfach ganz besonders macht. Ich wollte auch etwas singen, an das ich glaube und hinter dem ich zu 100 Prozent stehe. Ich bin sehr stolz auf diese Nummer.
Kannst du mir noch mal ein bisschen über das Lied „Før vi går hjem“ und seine Botschaft erzählen?
Für mich ist das Lied eine Hommage an das Aufwachsen im Nachtleben. Es geht um eine Szenerie, wo wir Menschen herausfinden, wer wir wirklich sind. Wir entdecken unsere Sexualität, welche Menschen wir lieben, welche Menschen wir besser nicht geliebt hätten, wie man Freunde findet und es sich anfühlt, zu lange unterwegs zu sein. Es geht darum, die Dinge einfach gehen zu lassen, aber auch um die destruktiven Seiten, die wir Menschen alle in uns tragen und nach außen stülpen. Manchmal fliegen wir wie die Motte ins Licht und gehen dann dort in den Flammen auf. Der Song ist sehr menschlich und diese Menschlichkeit will ich zelebrieren.
Dreht sich das Lied denn um deine persönlichen Erfahrungen im Nachtleben?
Nicht spezifisch, aber natürlich hängt die Geschichte auch mit meinem persönlichen Nachtleben zusammen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich als 16-Jähriger das erste Mal in einem Schwulenclub war und in diese verrückte, magische Welt eintauchte. Als ich das erlebt hatte, wollte ich darüber schreiben, aber mit dem Thema können sich alle allgemein identifizieren, in unterschiedlichen Situationen. Egal, wer du bist, welcher Sexualität du angehörst und was du fühlst – du willst die Grenzen ausloten. Das ist eine ganz normale, menschliche Erfahrung, die alle machen. Ich wollte rausgehen und Fehler machen - wie alle anderen auch.
Das Nachtleben ist auch ein wichtiger Teil von Cosmós Lied „Tanzschein“ – da seid ihr euch im Großen und Ganzen gar nicht so unähnlich. Außerdem versteht ihr euch sehr gut …
Korrekt. Wir beide, Eva Marija aus Luxemburg und Jonas aus Norwegen, haben einen Gruppenchat und Cosmó ist der süßeste Typ. Wir beide haben eine sehr sanfte, ruhige und entspannte Seite. Auf der anderen Seite lieben wir aber auch das Nachtleben und haben eine explosive Partyseite an uns. Vor allem mag ich ihn aber, weil er so extrem umgänglich und nett ist.
Das klingt doch stark danach, als ob eine Kollaboration zwischen euch eine gute Idee wäre?
Das wäre auf jeden Fall interessant, ich wäre nicht abgeneigt. So wie ich singt auch Cosmó sein ESC-Lied in seiner Landessprache. Das finde ich toll.
Am Abend bist du das erste Mal im zweiten Semifinale zu sehen und kämpfst um den Finaleinzug. Was klappt bei dir schon hervorragend und wo gibt es noch Nachholbedarf?
Wir haben alle Korrekturen, die wir vornehmen wollten, mittlerweile relativ gut hingekriegt und ich bin sehr stolz auf das bislang Erreichte. Von jetzt an muss ich die Dinge einfach laufen lassen und so viel Spaß wie möglich haben, denn am Ende geht es in meinem Song darum. Müsste ich bei der Performance aufgeben, wäre das für mich ein Misserfolg. Mein größtes Ziel ist es, auf die Bühne zu gehen und Spaß zu haben. Der Rest ergibt sich dann.
Macht es für dich als Musiker und Schauspieler eigentlich einen Unterschied, welcher Art von Rampenlicht du ausgesetzt bist?
Ich muss mich immer an die jeweils neue Bühne anpassen, aber Bühne bleibt Bühne.
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