„Wären einfach tot“

Ukrainer erteilen NATO bei Manöver bittere Lektion

Ausland
14.05.2026 17:14

Eine großangelegte Militärübung in Schweden ist für die NATO zu einer ernüchternden Lektion geworden. Eingeladene ukrainische Drohnenpiloten, die im Manöver die Rolle des Feindes spielten, deklassierten die internationalen Streitkräfte und sorgten für einen bitteren Realitätscheck ...

Im Ernstfall wären die westlichen Truppen tot gewesen, berichtete die Nachrichtenagentur AP. Dem Presseunternehmen wurde es gestattet, die Übung zu beobachten. Dieser Weckruf kommt zu einer Zeit, in der die Bedrohung durch Russland und die Unsicherheit über die Bündnistreue der USA Europa zutiefst beunruhigen.

Bei der Übung „Aurora 26“ auf der strategisch entscheidenden Ostsee-Insel Gotland wurde ein Szenario durchgespielt, das von russischer Taktik inspiriert ist: Sabotage, Angriffe auf kritische Infrastruktur und eine schwelende militärische Bedrohung.

Schweden, das jüngste NATO-Mitglied, probte gemeinsam mit US-Streitkräften den Ernstfall. Die ukrainischen Experten waren eigentlich als Berater für moderne Drohnenkriegsführung geladen.

Gotland gilt in der Ostsee als strategisch besonders wichtig:

„Sie wären einfach tot“
Doch aus der Beratung wurde laut AP eine schmerzhafte Demonstration. Ein 24-jähriger ukrainischer Pilot, der unter dem Rufzeichen „Tarik“ agiert, schilderte die Ereignisse ungeschminkt: „Sie mussten das Training dreimal unterbrechen, damit die Truppen eine neue Taktik ausarbeiten konnten. Aber wäre es ein echter Kampf gewesen, wären sie einfach tot.“

Die Ukrainer zeigten, wie man mit kleinen, wendigen FPV-Angriffsdrohnen, wie sie täglich an der Front gegen Russland eingesetzt werden, eine technologisch überlegen scheinende Armee lahmlegen kann.

Veraltete Denkmuster bei NATO-Truppen
Sein Kamerad mit dem Rufzeichen „Karat“ fügte hinzu, dass die schwedischen Truppen zwar Potenzial hätten, aber dringend ihre Drohnen und Taktiken verbessern müssten. Vor allem fehle es den Kommandanten an einem tiefen Verständnis für diese neue Art der Kriegsführung. „Westliche Streitkräfte können nicht verstehen, wie es wirklich ist. Man muss das mit eigenen Augen gesehen haben“, sagte er über die brutale Realität des Drohnenkriegs.

Die Warnung aus der Ukraine wurde von den westlichen Militärs ernst genommen. Schwedens oberster Heerführer, General Michael Claesson, betonte, alle NATO-Partner müssten „rapide lernen“, wie man Drohnen- und Gegendrohnenoperationen durchführt.

Die ukrainische Kriegsführung mit Drohnen ist jener der NATO weit voraus.
Die ukrainische Kriegsführung mit Drohnen ist jener der NATO weit voraus.(Bild: AP/Emma Burrows)
General Michael Claesson
General Michael Claesson(Bild: AP/Emma Burrows)

Der „schnellste Weg“ dazu sei, den Ukrainern genau zuzuhören. US-Brigadegeneral Curtis King bestätigte diese Einschätzung. „Was sie uns gelehrt haben, ist, dass man sich wirklich auf die eigene Überlebensfähigkeit konzentrieren und unentdeckt bleiben muss.“

Gleichzeitig sei es entscheidend, weitreichende Aufklärungssysteme zu entwickeln, um feindliche Drohnen aus großer Entfernung zu orten. Die Integration verschiedener Radarsysteme über Ländergrenzen hinweg habe zwar begonnen, aber King räumte ein: „Wir sind noch nicht so weit.“

Die Karte zeigt die NATO-Mitgliedstaaten in Nordamerika und Europa. Insgesamt sind 32 Länder markiert, darunter die USA, Kanada und viele europäische Staaten. Russland ist nicht Mitglied. Quelle: APA.

Russland schielt auf Gotland
Die Übung fand auf Gotland statt, die unter Experten als Wladimir Putins „Achillesferse in der Ostsee“ gilt. „Wer Gotland kontrolliert, kontrolliert im Grunde den zentralen Teil der Ostsee“, so General Claesson. Schweden verzeichnet seit Jahren verstärkte russische Marineaktivitäten und wiederkehrende hybride Angriffe im Umfeld von Gotland. 

Die Insel liegt zwischen der russischen Exklave Kaliningrad, wo Moskau Raketen stationiert hat, und dem schwedischen Festland. Die Ostsee ist auch eine finanzielle Lebensader für Russland, dessen „Schattenflotte“ dort Öl und Gas transportiert, um den Krieg in der Ukraine zu finanzieren. Claesson hält es für ein „sehr realistisches Szenario“, dass der russische Präsident Gotland für einen begrenzten Angriff nutzen könnte, um die Entschlossenheit der NATO auf die Probe zu stellen. 

Das Manöver hat durch die wachsenden Sorgen über die Verlässlichkeit der USA zudem eine besondere Brisanz. Seit Donald Trump wieder im Weißen Haus ist, hat er die Geheimdienstkooperation mit der Ukraine teils ausgesetzt und die NATO wiederholt als „Papiertiger“ bezeichnet (siehe Tweet oben).

Seine schroffe Rhetorik gegenüber Verbündeten sorgt immer wieder für Irritationen. Dennoch würden viele die aktuelle Situation laut Schweden falsch einschätzen. Das Zeitfenster für russische Aggressionen sei nämlich jetzt offen – politisch wie militärisch: „Was wir im Westen manchmal falsch einschätzen, ist das Level der strategischen Risikobereitschaft Russlands“, sagte Claesson. „Wenn die Russen eins wissen, dann, dass alle westlichen Länder derzeit massiv in ihre Verteidigung investieren. Warum sollten sie also abwarten, solange es noch Schwachstellen gibt, die ausgenutzt werden könnten?“

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