Aufreger Staatsfunk

Welche ORF-Stiftungsräte die Konkurrenz beraten

Wirtschaft
25.03.2026 05:00

Nach der Affäre Weißmann rückt der Stiftungsrat des Staatsfunks in den Fokus. Nicht alle Mitglieder des höchsten Gremiums arbeiten immer nur im Sinne des ORF – sie sind auch für die Konkurrenz tätig. Und: Ein Stiftungsrat veranstaltete eine Party, bei der gleich drei ORF-Firmen als Sponsoren an Bord waren.

„Auf der Alm, da gibts ka Sünd, aber viele Sponsoren“ – so könnte das Motto der „Alpbach Alm“ des PR-Beraters und ORF-Stiftungsrats Gregor Schütze gelautet haben. Im Sommer 2023 veranstaltete der Lobbyist gemeinsam mit der Disrupt Holding von Unternehmer Lorenz Edtmayr eine große Party im Rahmen des Forum Alpbach, einem Vernetzungstreffen der Schönen, Reichen und „Wichtigen“. Fotos waren an diesem Abend keine erlaubt.

Die Liste der Sponsoren des Events ist dabei interessant. Drei der zwölf „Partner“ sind nämlich ORF-Firmen, konkret der ORF selbst, die Vermarktungsgesellschaft ORF Enterprise und die Sender-Tochter ORS. 

Nutzt Schütze seine Kontakte als ORF-Stiftungsrat, um Events seiner PR-Agentur sponsern zu lassen? Schütze betont, er habe selbst kein Geld vom ORF erhalten, die Sponsorings liefen über die Disrupt Holding, die das Event gemeinsam mit der PR-Agentur Schütze veranstaltete. Was aber bleibt: Trotzdem haben drei ORF-Firmen eine von Schütze mitveranstaltete Fete finanziell unterstützt. 

ORF-Stiftungsräte: Heinz Lederer, Gregor Schütze, Thomas Prantner (v.l.)
ORF-Stiftungsräte: Heinz Lederer, Gregor Schütze, Thomas Prantner (v.l.)(Bild: Krone KREATIV/ORF/First Look/Thomas Ramstorfer, ORF/Günther Pichlkostner)

Stiftungsräte in der Doppelrolle
Die Doppelrolle von Stiftungsräten, die zugleich als PR-Berater auf der anderen Seite arbeiten, stand bereits häufiger in der Kritik. Schützes SPÖ-Pendant Heinz Lederer beispielsweise taucht, wie berichtet, in den Benko-Akten auf, er führte mit Benkos Anwalt Telefonate über „geplante falsche ZiB2-Berichte“. Lederer will Benko oder Signa offiziell nicht beraten haben – dennoch gab es 2023, als die Signa-Krise auf ihren Höhepunkt zusteuerte, nicht nur ein persönliches Treffen mit einem Signa-Holding-Geschäftsführer, sondern auch ein Zwei-Stunden-Meeting mit dem Signa-Kommunikationschef. In den Abrechnungen des Benko-Anwalts schlug diese „Konferenz“ in der Signa-Krise am 15. Mai 2023 mit 1200 Euro zu Buche. Darüber hinaus beriet Lederer laut „profil“ jenen Bauunternehmer, der das ORF-Funkhaus kaufte.

Sky und Netflix als Kunden
Bei PR-Profi und Lederer-Vize Schütze stechen vor allem zwei Kunden ins Auge. Der Stiftungsrat berät in seinem Brotberuf auch Sky und Netflix, zwei Unternehmen, die zumindest im Streaming-Segment harte Konkurrenten des ORF sind. Dort berate man jedoch nur im Hinblick auf Kommunikation, heißt es. Unvereinbar sei das nicht. „Sonst würde ich es auch nicht machen“, so Schütze.

Dennoch stellt sich die Frage, welchen Hut sich der umtriebige PR-Unternehmer Schütze gerade aufsetzt, wenn er gleich für mehrere TV-Konzerne Aktivitäten entwickelt:

Bekanntlich plant das Medienministerium die Einführung einer Streaming-Abgabe, die große Anbieter wie Netflix oder Sky dazu verpflichten soll, die österreichische Filmwirtschaft zu unterstützen. Als ORF-Stiftungsrat müsste Schütze höchstes Interesse daran haben, dass sich Netflix und Sky in bedeutender Form daran beteiligen – momentan stemmt alleine der ORF rund 300 Millionen Euro pro Jahr, die in die heimische Film- und TV-Wirtschaft fließen. Als Berater von Netflix und Sky wiederum müsste Schütze daran gelegen sein, dass die Streaming-Abgabe so gering wie möglich ausfällt. Schütze sagt, man „berate nicht zu ORF-Positionen“. Und: Eine Partnerin seiner Agentur sei für Netflix und Sky zuständig.

Gegen ORF-Interessen
Ein weiterer potenzieller Interessenkonflikt zeigt sich anhand der Formel-1-Rechte, die sich in Österreich ServusTV und der ORF teilen. In Deutschland ist Sky der Lizenznehmer. Dieser möchte sieben Formel-1-Rennen in diesem Jahr an seinen neuen Eigentümer RTL abgeben und somit im Free-TV laufen lassen. Der Start hätte eigentlich Mitte März beim Großen Preis von China erfolgen sollen. Doch nach einer Intervention der „Ösi-Sender“ ORF und ServusTV, so formulierte es „Bild“, wurde zumindest der Auftakt verhindert. Mit ein Grund: Sky-Eigentümer RTL wäre mit der Formel 1 über Satellit teilweise – vor allem in Grenzregionen – auch in Österreich frei empfangbar. Das spricht eindeutig gegen die Interessen von ORF und ServusTV, die viel Geld für die Österreich-Rechte auf den Tisch der Formel 1 gelegt haben.

Auch Prantner arbeitet für Sky
Ähnliche Spannungen zwischen Interessen könnten sich bei Stiftungsrat Thomas Prantner ergeben, der seit Jänner 2025 für die Steiermark im obersten Aufsichtsgremium des Staatsfunks sitzt: Der ehemalige ORF-Online-Direktor, am Küniglberg bis zu seinem Abschied im Herbst 2022 viele Jahre als Prokurist tätig, berät ebenfalls den ORF-Konkurrenten Sky, wie er auf „Krone“-Anfrage bestätigt: Er sei seit November 2023 als Konsulent „für Stakeholder-Management sowie Kooperationen im Bereich Wirtschaft und Industrie“ tätig.

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Da ich weder Arbeitnehmer noch Gesellschafter von Sky bin, liegt keine Unvereinbarkeit vor.

ORF-Stiftungsrat Thomas Prantner

Prantner betont, dass er sich an das geltende ORF-Gesetz halte: „Da ich weder Arbeitnehmer noch Gesellschafter von Sky bin, liegt keine Unvereinbarkeit vor.“ Es habe sich noch kein meldepflichtiger Interessenkonflikt ergeben. Doch die Optik erscheint interessant: Immerhin bekam der heute 62-jährige Prantner seinen einvernehmlichen Abschied vom ORF nach mehr als 30 Jahren mit hohen Zahlungen versüßt.

Gipfel mit „Bergwelten“
Gregor Schütze war übrigens nicht nur 2023 in den Bergen unterwegs. Bis zuletzt arbeitete die Agentur des ORF-Stiftungsrats für das Red Bull Media House, unter dessen Dach sich neben Servus TV auch diverse Print-Publikationen befinden, darunter „Bergwelten“. Seit 2012 läuft auf dem TV-Sender die Doku-Reihe „Bergwelten“, seit 2015 erscheint alle zwei Monate das gleichnamige Magazin. Schützes PR-Unternehmen hatte im Vorjahr die Aufgabe, wichtige Persönlichkeiten, sogenannte Opinion Leader, für eine „Bergwelten“-Wanderung zu gewinnen. 

Schütze erklärt, er arbeite für das Magazin – das sei eine „totale Auszeichnung.“ Doch ganz so einfach lässt sich das alles wohl nicht trennen.

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