Ausgesetzt unter Teufeln: Ödön von Horváths Klassiker „Glaube Liebe Hoffnung“ gelingt am Akademietheater in der Regie von Lucia Bihler eigensinnig, ohne das Werk zu verraten.
Die besondere Begabung der deutschen Regisseurin Lucia Bihler konnte man hierorts schon 2024 an Kafkas „Verwandlung“ studieren: Ein klassischer Text wurde bilderstark auf seine Essenz verdichtet, ohne das Werk und seine Sprache zu verraten. Im Umgang mit Horváths „Glaube, Liebe, Hoffnung“ (1933) vertraut die Inszenierung nun einer simplen, aber schlüssigen Grundidee. Eine junge Frau, vielleicht eine Außerirdische, stürzt in die Hölle, lokalisiert in einer Geisterbahn mit bleckendem Maul, besiedelt von primatenhaften Teufeln, die sie mit einem perfiden Verfahren zu Tode quälen: Stets täuschen sie der Verzweifelten Rettung aus dem sozialen Elend vor, um sie dann umso grausamer von allen Illusionen zu entblößen.
Das gibt präzise die Absicht des weltskeptischen Humanisten Horváth wieder, der die Frauen geliebt und verteidigt hat wie vor ihm nur Mozart und Ibsen. So durchmisst Marie-Luise Stockinger als einziger Mensch unter Fratzen pausenlose eineinviertel Stunden Finsternis mit trügenden Aufhellungen: eine Horváth-Protagonistin von enormer Präsenz und Größe im Leiden, der, auch durch das österreichische Idiom, als einziger Gestalt eine Art Realismus zugestanden wird. In der höllenbreughelhaften Ausstattung von Pia Maria Hackert und Viktoria Behr werden gewaltige Bilder erzeugt und durch die archetypisch adjustierte Teufelsgeigerin Alyona Pynzenyk verstärkt.
Insgesamt ist die Aufführung eher monologisch angelegt und führt die Hauptdarstellerin auf einen stationenhaften Kreuzweg ohne Erlösung. Die starke Stilisierung der Nebengestalten hat zur Folge, dass nicht alle Dialoge auf gleicher Höhe gelingen. Klar, dass es die Kollegen trotz kleidsamer Teufels-Couture neben Marie-Luise Stockinger schwer haben. Aber Angelika Wenzl, Felix Rech, Sabine Haupt, Dietmar König und Tilman Tuppy, dem in der Rolle der falschen Lichtgestalt Klostermeyer noch die meiste Menschenähnlichkeit zugestanden wird, zeigen dennoch, was man sich unter einem erstklassigen Ensemble vorzustellen hat.
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