Schauspielhaus Graz

Eine Saison, die über den Tellerrand blickt

Steiermark
19.05.2026 15:00

Ein vergessener Broadway-Klassiker aus den 1920er-Jahren, ein „Werther“ mit Blick auf die Nebenfiguren und Elfriede Jelinek als immersives Theatererlebnis: Intendantin Andrea Vilter geht ihren Weg am Grazer Schauspielhaus auch in der vierten Saison konsequent weiter. Am Dienstag präsentierte sie ihre Pläne für 2026/27.

Den aktuellen Sparmaßnahmen zum Trotz wollen Intendantin Andrea Vilter und ihr Team 2026/27 eine pralle Saison bieten, haben 17 Premieren geplant: „Gerade wenn die Ressourcen knapper werden und Verteilungskämpfe anstehen, ist es unausweichlich, dass wir uns mit den zentralen Werten unseres Menschseins gemeinsam auseinandersetzen, so wie es das Theater als öffentliche Kunstform immer tut.“ Ganz bewusst habe sie mit Chefdramaturgin Anna-Sophia Güther einen Spielplan gestaltet, durch den sich „aktuelle politische und gesellschaftliche Fragestellungen wie ein roter Faden ziehen“, sagt sie.

In die Saison startet man am 25. September daher stilecht mit der Dramatisierung von Bertha von Suttners „Die Waffen nieder!“ – tatsächlich handelt es sich dabei um eine österreichische Erstaufführung des Hauptwerks der österreichischen Friedensnobelpreisträgerin. Tags darauf eröffnet man mit „Äh, Vielfölkastaat, oder was?“ den Schauraum und am gleichen Tag mit dem Bachmann-Monolog „Undine geht“ auch die Konsole. 

Intendantin Andrea Vilter
Intendantin Andrea Vilter(Bild: Johanna Lamprecht)

Auch die Erweiterung des Kanons – ein zentraler Punkt der Intendanz von Vilter in Graz – wird vorangetrieben. So zeigt man etwa mit „Machinal“ die deutschsprachige Erstaufführung eines expressionistischen True-Crime-Dramas, mit dem Sophie Treadwell in den 1920ern am Broadway reüssierte, das danach aber in Vergessenheit geriet. Mit „Wuthering Heights“ bringt man zwar einen allgegenwärtigen Klassiker auf die Bühne, Regisseurin Ewelina Marciniak will in ihrer Inszenierung aber vor allem auf den eher selten in Adaptionen bedachten zweiten Teil des Romans fokussieren. Und auch die Bühnenversion von Goethes „Werther“ versucht den Blick über den Tellerrand – mit „Werther & Lotte & Albert“ will Regisseurin Cosmea Spelleken nämlich auch den beiden Nebenfiguren mehr Raum geben.

Premieren 2026/27

  • 25. September: „Die Waffen nieder!“ nach Bertha von Suttner, Regie: Sandra Strunz  
  • 16. Oktober: „Die Nashörner“ von Eugene Ionesco, Regie: Ulrike Arnold  
  • 14. November: „Ein Übertritt“ von Elfriede Jelinek, Regie: DARUM (Victoria Halper & Kai Krösche)  
  • 4. Dezember: „Werther & Lotte & Albert“ nach Johann Wolfgang von Goethe, Regie: Cosmea Spelleken  
  • 22. Jänner: „Machinal“ von Sophie Treadwell, Regie: Sophie Glaser  
  • 12. Feburar: „Die Schattenpräsidentinnen“ von Selina Fillinger, Regie: Branko Janack  
  • 3. April: „Anleitungen ein anderer zu werden“ nach Edouard Louis, Regie: Jakab Tarnóczi 
  • 22. April: „Wuthering Heights“ nach Emily Bronte, Regie: Ewelina Marciniak  
  • 8. Mai: „Voyager Golden Records“ von Ruth Bauer-Kvam und Ensemble

SCHAURAUM

  • 26. September: „Äh, Vielvölkastasat, oder was?“ von Ewe Benbenek, Regie: Marie Bues  
  • 28. November: „Otherland“ von Chris Bush, Regie: MoMo Matsunyane  
  • 30. Jänner: „Inter Alia“ von Suzie Miller, Regie: Felix Hafner  
  • 10. April: „Sehr schön und sehr tot“ von Rebekka David, Gina Henkel und Ensemble

KONSOLE  

  • 26. September: „Undine geht“ nach Ingeborg Bachmann, Regie: Lilly Kuhlmann  
  • 10. März: „Geht Gras fühlen!“ von Anja M. Wohlfahrt, Institut für Schauspiel der KUG und Lebensgroß Theaterakademie  
  • 10. bis 13. März: Digithalia-Festival

Gespannt sein darf man auch auf Elfriede Jelineks „Ein Übertritt“ – das gefeierte Regie-Duo DARUM (Victoria Halper und Kai Krösche) will den Text der Literaturnobelpreisträgerin in ein immersives Theatererlebnis verwandeln. Mit dem Stück „Die Schattenpräsidentinnen“ holt man einen Komödienhit vom Broadway erstmals nach Österreich, Regisseur Jakab Tarnóczi bringt Edouard Louis‘ Erfolgsroman „Anleitung ein anderer zu werden“ auf die Bühne und MoMo Matsunyane inszeniert nach „Les Blancs“ in der heurigen Saison im kommenden Jahr mit „Otherland“ von Chris Bush ein Stück über Geschlecht und sexuelle Identität. Und der steirische Regisseur Felix Hafner bringt mit „Inter Alia“ Suzie Millers Nachfolgestück zum Dauerbrenner „Prima Facie“ auf die Bühne. 

Die aktuelle Saison bezeichnet Vilter übrigens als Erfolg: Mit 53.118 Besuchern (bis Ende April) sei sie die bislang erfolgreichste ihrer Intendanz in Graz, die Auslastung liege bei rund 75 Prozent und rund 20 Prozent der Zuseher seien jünger als 27 Jahre. Weil das Publikum aber immer kurzfristiger entscheidet, wann und zu welchen Stücken es kommen will, wird man in der kommenden Saison auch flexiblere Abo-Modelle anbieten – der Vorverkauf startet am 8. Juni.

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