Ein vergessener Broadway-Klassiker aus den 1920er-Jahren, ein „Werther“ mit Blick auf die Nebenfiguren und Elfriede Jelinek als immersives Theatererlebnis: Intendantin Andrea Vilter geht ihren Weg am Grazer Schauspielhaus auch in der vierten Saison konsequent weiter. Am Dienstag präsentierte sie ihre Pläne für 2026/27.
Den aktuellen Sparmaßnahmen zum Trotz wollen Intendantin Andrea Vilter und ihr Team 2026/27 eine pralle Saison bieten, haben 17 Premieren geplant: „Gerade wenn die Ressourcen knapper werden und Verteilungskämpfe anstehen, ist es unausweichlich, dass wir uns mit den zentralen Werten unseres Menschseins gemeinsam auseinandersetzen, so wie es das Theater als öffentliche Kunstform immer tut.“ Ganz bewusst habe sie mit Chefdramaturgin Anna-Sophia Güther einen Spielplan gestaltet, durch den sich „aktuelle politische und gesellschaftliche Fragestellungen wie ein roter Faden ziehen“, sagt sie.
In die Saison startet man am 25. September daher stilecht mit der Dramatisierung von Bertha von Suttners „Die Waffen nieder!“ – tatsächlich handelt es sich dabei um eine österreichische Erstaufführung des Hauptwerks der österreichischen Friedensnobelpreisträgerin. Tags darauf eröffnet man mit „Äh, Vielfölkastaat, oder was?“ den Schauraum und am gleichen Tag mit dem Bachmann-Monolog „Undine geht“ auch die Konsole.
Auch die Erweiterung des Kanons – ein zentraler Punkt der Intendanz von Vilter in Graz – wird vorangetrieben. So zeigt man etwa mit „Machinal“ die deutschsprachige Erstaufführung eines expressionistischen True-Crime-Dramas, mit dem Sophie Treadwell in den 1920ern am Broadway reüssierte, das danach aber in Vergessenheit geriet. Mit „Wuthering Heights“ bringt man zwar einen allgegenwärtigen Klassiker auf die Bühne, Regisseurin Ewelina Marciniak will in ihrer Inszenierung aber vor allem auf den eher selten in Adaptionen bedachten zweiten Teil des Romans fokussieren. Und auch die Bühnenversion von Goethes „Werther“ versucht den Blick über den Tellerrand – mit „Werther & Lotte & Albert“ will Regisseurin Cosmea Spelleken nämlich auch den beiden Nebenfiguren mehr Raum geben.
SCHAURAUM
KONSOLE
Gespannt sein darf man auch auf Elfriede Jelineks „Ein Übertritt“ – das gefeierte Regie-Duo DARUM (Victoria Halper und Kai Krösche) will den Text der Literaturnobelpreisträgerin in ein immersives Theatererlebnis verwandeln. Mit dem Stück „Die Schattenpräsidentinnen“ holt man einen Komödienhit vom Broadway erstmals nach Österreich, Regisseur Jakab Tarnóczi bringt Edouard Louis‘ Erfolgsroman „Anleitung ein anderer zu werden“ auf die Bühne und MoMo Matsunyane inszeniert nach „Les Blancs“ in der heurigen Saison im kommenden Jahr mit „Otherland“ von Chris Bush ein Stück über Geschlecht und sexuelle Identität. Und der steirische Regisseur Felix Hafner bringt mit „Inter Alia“ Suzie Millers Nachfolgestück zum Dauerbrenner „Prima Facie“ auf die Bühne.
Die aktuelle Saison bezeichnet Vilter übrigens als Erfolg: Mit 53.118 Besuchern (bis Ende April) sei sie die bislang erfolgreichste ihrer Intendanz in Graz, die Auslastung liege bei rund 75 Prozent und rund 20 Prozent der Zuseher seien jünger als 27 Jahre. Weil das Publikum aber immer kurzfristiger entscheidet, wann und zu welchen Stücken es kommen will, wird man in der kommenden Saison auch flexiblere Abo-Modelle anbieten – der Vorverkauf startet am 8. Juni.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.