22.06.2014 06:00 |

Mikros am Halsband

Forscher erkennen am Muhen die Brunst von Kühen

Allein am Muhen einer Kuh können deutsche Forscher laut eigenen Angaben erkennen, ob sie gerade brünstig ist. An den Geräuschen sei der hormonelle Zustand der Rinder erkennbar, berichten Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf bei Rostock. Besamungsversuche mit teurem Bullensperma zur falschen Zeit könnten damit zukünftig vermieden werden.
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Die unterschiedlichen Laute der Tiere werden mit einem Gerät am Halsband (im Bild rot markiert) erfasst, das aus zwei Mikrofonen besteht. Eine seit einem Jahr laufende Testreihe mit 16 Rindern habe gezeigt, dass sich die Laute eindeutig dem jeweiligen Brunststadium zuordnen lassen, sagte der Verhaltensphysiologe Peter-Christian Schön vom FBN.

Der Hormonhaushalt beeinflusst das Verhalten von Kühen und anderen Säugetieren. Das Gerät am Hals der Rinder erfasse nicht nur die Zahl der Laute, sondern auch harmonische und disharmonische Anteile, erklärte Schön. Damit seien Rückschlüsse auf das Befinden der Tiere möglich. Schon 2015 sei die Markteinführung eines entsprechenden Gerätes samt Software geplant, hieß es.

Besamung ist wichtiger wirtschaftlicher Faktor
Die Besamung ist ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor in der Milchproduktion. Bei Kühen dauere der Sexualzyklus in der Regel 21 Tage, sagte der Forscher. Die optimale Besamungszeit umfasse aber nur 18 Stunden. Ein Bauer mit wenigen Kühen kenne seine Tiere und habe meist die Erfahrung, wann die Besamung sein sollte - es gebe aber auch Fehlversuche. Bei großen Herden sei es kaum möglich, den richtigen Besamungszeitpunkt zu erkennen.

Die Kombination von zwei Mikrofonen sorge dafür, dass sowohl der Körperschall als auch der Luftschall der Tiere erfasst werde, erklärte Schön. Damit können die Wissenschaftler jeden Laut einer einzelnen Kuh zuordnen. "Kühe leben im sozialen Gruppenverband, trotzdem können wir die einzelnen Tiere unterscheiden."

Große Hilfe in der Praxis
Nach Ansicht des Bauernverbandspräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern, Rainer Tietböhl, wäre ein solches Gerät am Hals der Tiere eine große Hilfe in der Praxis. Manche Kühe zeigten ihre Brunst nicht, sagte der Milchbauer. Rinder seien alle 21 Tage brünstig. Wenn dies übersehen werde, müsse man wieder drei Wochen warten.

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