Folgen für Gesundheit

Europa hat jetzt mehr Wüstenstaub aus Nordafrika

Wissen
18.07.2026 09:21
Porträt von krone.at
Von krone.at

In Europa geht heute mehr Wüstenstaub aus Nordafrika nieder als noch vor zehn Jahren. Das habe damit zu tun, dass die einzelnen Stürme intensiver seien, schrieben Forscherinnen und Forscher des schweizerischen Paul Scherrer-Instituts (PSI).

Die Wüstenstaubmenge ist demnach in den vergangenen zehn Jahren um zehn bis 25 Prozent gestiegen. Wüstenstaub lässt sich an der gelblich-trüben Luft, rötlichen Sonnenuntergängen oder staubigem Belag, etwa auf Autos, erkennen. Er kann anhand der Aluminiumkonzentration von Feinstaub aus Verkehr, Industrie oder anderen Quellen unterschieden werden.

Dass die Menge gestiegen ist, hat laut dem Bericht in der Fachzeitschrift „Nature“ mit intensiveren Stürmen zu tun, die mehr Staub transportieren. Wüstengebiete wie die Sahara würden sich aufgrund des Klimawandels ausdehnen, es gebe nun mehr starke Winde aus der Sahara-Region Richtung Europa. Besonders betroffen ist Südeuropa, darunter Griechenland, Italien und Spanien. Dort liegt die durchschnittliche Wüstenstaubkonzentration bei 5,3 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft – mehr als doppelt so viel wie in Mittel- und Nordeuropa mit 2,1 Mikrogramm.

So ist die Situation in Österreich
Wüstenstaub wird auch immer wieder nach Österreich transportiert. „Bei bestimmten Wetterlagen kann Wüstenstaub von starken Winden aufgewirbelt, in höhere Luftschichten verfrachtet und mit der großräumigen Luftströmung über weite Strecken transportiert werden“, schreibt GeoSphere Austria auf der Website. Bei hohen Konzentrationen könnten getrübte Fernsicht und intensiv gefärbte Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge beobachtet werden. Ein großes Saharastaub-Ereignis gab es zum Beispiel im April 2016. Dieser kam aus einem Gebiet zwischen Marokko und Algerien nach Österreich.

Zitat Icon

Bei bestimmten Wetterlagen kann Wüstenstaub von starken Winden aufgewirbelt, in höhere Luftschichten verfrachtet und über weite Strecken transportiert werden.

GeoSphere Austria

Aktuell zeigt das Modell WRF-Chem in afrikanischen und asiatischen Ländern Wüstenstaub, darunter im Oman, Tschad und in Mauretanien. Die Belastung  hat sich laut der Schweizer Studie in den vergangenen 150 Jahren mehr als verdoppelt. Untersuchungen hätten gezeigt, dass an Tagen mit hoher Wüstenstaubkonzentration in der Luft mehr Menschen an Herzinfarkten und Atemproblemen sterben als sonst, schrieben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Besonders gefährdet seien Menschen mit Herz- und Lungenerkrankungen sowie ältere Personen. Für langfristige Folgen wie Asthma, chronische Bronchitis oder Staublunge fehlen aber noch Langzeitstudien.

Warnsystem gefordert
Das Forschungsteam schlägt ein Warnsystem vor, wie es bereits für städtischen Feinstaub oder Pollenflug existiert. Wer gesundheitlich vorbelastet sei, könne an solchen Tagen körperliche Aktivitäten im Freien einschränken und möglichst in Innenräumen bleiben.

Wüstenstaub hat auch Auswirkungen auf den Strom. Er beschattet die Anlagen und lagert sich auf Solarmodulen ab. Beides mindert dann den Stromertrag. Die Forscherinnen und Forscher empfehlen Energieversorgern, andere Kraftwerke hochzufahren, um die Netzstabilität zu sichern.

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