Umstrittene Ehrung

Rosenkranz für Grüne „mehr als rücktrittsreif“

Innenpolitik
25.03.2026 09:05
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Von krone.at

Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ) hat die Ehrung des Verlegers Wolfgang Dvorak-Stocker am Dinghofer-Symposium im November 2025 verteidigt. Von dessen Verbindungen zum Rechtsextremismus habe er nicht gewusst, gab er jetzt in einer Anfragebeantwortung an die Grünen an. Von denen hagelt es Kritik.

Dvorak-Stocker bzw. der Leopold Stocker Verlag wurden bei der Veranstaltung vergangenen November im Parlament mit dem Franz-Dinghofer-Medienpreis ausgezeichnet. Der grüne Abgeordnete Lukas Hammer kritisiert diese Ehrung scharf. Denn der Verleger habe Verbindungen zu Rechtsextremismus, Antisemitismus und Holocaust-Leugnung, dokumentiert im Rechtsextremismusbericht, der auf der Website des Parlaments abrufbar ist. Der Verlag vertreibe Bücher von Holocaust-Leugnern wie David Irving, betont Hammer.

Ehrung für Antisemiten
Auch das Dinghofer-Symposium selbst löste eine Kontroverse aus. Es wurde von Protesten begleitet, Zeithistoriker und die anderen Parteien kritisierten, dass mit Franz Dinghofer ein Antisemit geehrt wurde. Der deutschnationale Politiker war in der Ersten Republik Dritter Nationalratspräsident und Vizekanzler. Später war Dinghofer auch NSDAP-Mitglied. 

Veranstalter waren laut Parlament das Dinghofer-Institut und Walter Rosenkranz. Der Nationalratspräsident verteidigte jetzt die umstrittene Preisverleihung dabei. Es sei ihm nicht möglich, den gesamten Katalog des Leopold Stocker Verlags zu kennen. Der Verlag weise jedenfalls eine über 100-jährige Geschichte auf und gebe regelmäßig neue Fachbücher heraus – etwa in den Bereichen Landwirtschaft, Gesundheit oder Bauen und Recht.

Zahlreiche prämierte Publikationen
Die Bücher seien auch in gängigen Buchhandlungen erhältlich sowie in der Parlamentsbibliothek entlehnbar. Es gebe zudem zahlreiche prämierte Publikationen – auf der Website des Verlags finden sich darunter vor allem Kochbücher. Auch Ex-Landwirtschaftsminister und Vizekanzler Josef Riegler (ÖVP) habe beispielsweise in seiner aktiven Zeit in dem Verlag veröffentlicht. Rosenkranz gab an, nicht von den mehrfachen Erwähnungen Dvorak-Stockers im Rechtsextremismusbericht gewusst zu haben. Auf die Frage, ob er sich nun von den Inhalten distanziere, antwortete er, Meinungen und Einschätzungen seien nicht Teil des parlamentarischen Interpellationsrechts – also des Rechts der Abgeordneten, Anfragen zu stellen.

„Mehr als rücktrittsreif“
Heute, Mittwoch, wird die Antisemitismusstrategie im Nationalrat besprochen. Wenn die FPÖ Antisemitismus „wieder selektiv als ‘importiertes‘ Problem darstellen will, sollte sie die Blicke auf ihren Nationalratspräsidenten wenden“, kritisierte Hammer. Für ihn ist Rosenkranz „mehr als rücktrittsreif“. Problematisch sei sowohl, dass dieser zu dem Symposium geladen habe, das den Namen eines radikalen Antisemiten trägt, als auch die Anfragebeantwortung.

Grünen-Abgeordneter Lukas Hammer
Grünen-Abgeordneter Lukas Hammer(Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)

Ausflüchte statt Distanzierung
Statt einer Distanzierung liefere der Nationalratspräsident nämlich Ausflüchte und Relativierungen, warf ihm Hammer vor. Der Verweis auf andere Bücher des Verlags, etwa jene über Landwirtschaft, zeige, dass er „anscheinend kein Problem mit diesen braunen Veröffentlichungen hat“, so der grüne Abgeordnete. Auch die Verweigerung von Antworten aufgrund der Grenzen des Interpellationsrechts sei unangebracht; Rosenkranz dürfe sich bei Themen wie Rechtsextremismus und Antisemitismus nicht hinter Formalismen verstecken.

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