Der Ärger in der Chemieindustrie wächst: Rund 1350 Beschäftigte des Faserherstellers Lenzing legten am Donnerstag für zwei Stunden die Arbeit nieder. Die Gewerkschaften sprechen von einer „Frechheit“ der Arbeitgeber – und warnen vor weiterer Eskalation.
„Wir sind sauer“: Unter diesem Motto machten am Donnerstagvormittag rund 1350 Beschäftigte des Faserherstellers Lenzing ihrem Ärger Luft. Punkt 9 Uhr beschlossen sie einstimmig, dem Aufruf der Gewerkschaften GPA und PRO-GE zu folgen – und legten für zwei Stunden die Arbeit nieder. Hintergrund sind die stockenden Verhandlungen für den Kollektivvertrag der Chemischen Industrie.
„Die Stimmung unter den Mitarbeitern ist tief enttäuscht“, sagte Arbeiter-Betriebsratschef Helmut Kirchmair. Besonders das letzte Angebot der Arbeitgeberseite sorgt für Ärger: 250 Euro Einmalzahlung, aber keine dauerhafte Erhöhung von Löhnen und Gehältern. Kirchmair sprach von einer „Frechheit“.
Bezahlter Gesundheitstag und Klimaticket für Lehrlinge
Die Arbeitnehmer fordern dagegen ein Plus von 3,5 Prozent bei Löhnen und Gehältern. Zusätzlich verlangen sie einen bezahlten Gesundheitstag, Klimatickets für Lehrlinge und eine Ausweitung des sogenannten Gesundheitshunderters auch auf Beschäftigte außerhalb des Schichtbetriebs. „Dann könnte man vielleicht sogar wieder den gestrichenen Obstkorb finanzieren“, sagte Kirchmair.
Scharfe Kritik kam auch von Angestellten-Betriebsrat Stephan Gruber, der für die Gewerkschaft an den KV-Verhandlungen teilnimmt. Die Arbeitgeber wollten „nicht mehr bei der rollierenden Inflation, sondern bei Null ansetzen“. Das sei ein massiver Angriff auf bestehende Standards. Als abschreckendes Beispiel nannte Gruber Deutschland, wo es kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld gebe: „Wir müssen uns Dinge wieder erkämpfen.“
„Mehr Marie für die Chemie“
Die Streikenden hielten dazu Plakate mit Aufschriften wie „Wir arbeiten nicht für Almosen“ oder „Mehr Marie für die Chemie“ in die Höhe. Bereits am frühen Morgen hatte es auch im Linzer Chemiepark einen Warnstreik gegeben. Laut GPA blockierten dort rund 400 Beschäftigte für zwei Stunden das Südtor und damit die Zufahrt zum Gelände.
Nach mittlerweile sechs erfolglosen Verhandlungsrunden hatten die Gewerkschaften vergangene Woche Warnstreiks angekündigt. Die nächste KV-Runde ist für den 2. Juni angesetzt.
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