„Krieg schlecht, aber“

Lufthansa-Chef: Airlines cashen ab im Iran-Krieg

Ausland
24.03.2026 11:11
Porträt von krone.at
Von krone.at

Grundsätzlich sind Kriege immer schlecht für den internationalen Luftverkehr. Lufthansa-Chef Carsten Spohr konnte dem Iran-Krieg zuletzt aber eine positive Seite abgewinnen: Für einige Zeit ist die ärgste Konkurrenz der europäischen Airlines geschwächt – einige Airlines verdienen sich am Krieg also eine goldene Nase.

Mindestens für einige Monate, wenn nicht sogar für Jahre ist die ärgste Konkurrenz der europäischen Airlines geschwächt, weil der Iran mit seinen Raketen auch die arabischen Staaten am Persischen Golf ins Visier genommen hat. Von einem Tag auf den anderen standen die Drehkreuze von Fluggesellschaften wie Emirates, Qatar, Etihad und Gulf Air also still. Über diese sind zuvor jeden Tag Tausende Touristen aus Europa zu Zielen in Asien, Australien und Afrika umgestiegen.

Maschinen nach Fernost „knallvoll“, Preise hoch
„Die Gesellschaften am Golf haben rund die Hälfte des Gesamtverkehrs zwischen Europa und Asien abgezogen“, beschreibt der deutsche Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt die Situation. Spohr und seine Kollegen in London und Paris können sich über eine Sonderkonjunktur freuen, denn die Passagiere suchen sich neue Wege. Die Maschinen auf den Direktverbindungen nach Fernost sind knallvoll, die Tickets entsprechend teuer. Die Europäer haben massiv die Preise erhöht, weil die Nachfrage nach Direktflügen so sprunghaft angestiegen ist, sagt Luftfahrtberater Gerald Wissel. So kostete ein Trip über Ostern von München nach Bangkok und zurück in der vergangenen Woche mindestens 3300 Euro.

Auch die Airline British Airways geht als Gewinnerin aus dem Krieg hervor.
Auch die Airline British Airways geht als Gewinnerin aus dem Krieg hervor.(Bild: AFP/ADRIAN DENNIS)

Hersteller kommen mit Flugzeugbau kaum nach
Fluggesellschaften wie die AUA-Mutter Lufthansa, British Airways oder Singapore Airlines haben zusätzliche Flüge aufgesetzt. Doch die Kapazitäten sind begrenzt, denn weiterhin kommen die Hersteller Boeing und Airbus mit dem Bau neuer Jets dem Bedarf kaum hinterher. Wegen der gesperrten Lufträume über dem Iran, dem Irak und der Ukraine haben sich zwei schmale Korridore auf dem Weg zwischen Asien und Europa gebildet, die auf vielen Strecken deutliche Umwege und damit zusätzliche Kosten bedeuten.

Emirates fliegt wieder
Ob die Situation am Golf so bleibt, ist unklar. Nach Daten des Dienstleisters „Cirium“ hat als Erstes der Flughafen Dubai seine Kapazitäten inzwischen deutlich wieder hochgefahren, sodass Emirates nach zahlreichen Evakuierungsflügen zuletzt immerhin rund die Hälfte des geplanten Programms tatsächlich fliegen konnte. Weitgehender Stillstand herrscht hingegen weiterhin bei Qatar Airways in Doha und Gulf Air in Bahrain.

Golfregion erlebt „nachhaltigen Imageschaden“
Die arabischen Airlines haben weltweit auch als Markenbotschafter für ihre Heimatregionen gewirkt, die sich so als Touristenziele etabliert haben. Mit dem Krieg sei die Fiktion der heilen Glitzerwelt nun aber nachhaltig gestört, sagt Experte Großbongardt. „Die Region erlebt gerade einen riesigen Imageschaden. Sie hatte sich bislang erfolgreich als Insel des Wohlstands und des Friedens in einer brennenden Weltgegend dargestellt. Auch nach einem Kriegsende bleibt das ja eine Region mit sehr großen Spannungen und Risiken.“

Auch weitere Airlines wittern ihre Chance
Experten sind überzeugt: „Die Golfstaaten werden auch finanziell alles daran setzen, ihre Region wieder sicher zu machen.“ Ob es zu längerfristigen Problemen kommen wird, könne man erst im Herbst erkennen. Für die europäischen Airlines heißt es bis dahin, möglichst viele Kunden von ihren Vorzügen zu überzeugen, denn auf den meisten Routen entfällt immerhin ein Umstieg mitten in der Nacht. Doch die Konkurrenz auch außerhalb der Golfstaaten schläft nicht, warnt Großbongardt. „Zu den Profiteuren wird ganz sicher auch Turkish Airlines mit dem Drehkreuz Istanbul gehören.“

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