Nach der Spar-Ansage von Finanzminister Markus Marterbauer, der im Interview mit der „Krone“ dem Wunsch nach mehreren Milliarden für die Eurofighter-Nachfolge eine Absage erteilt hatte, hat sich am Sonntag Österreichs Kommandant der Luftstreitkräfte, Gerfried Promberger, zu Wort gemeldet. Der Airchief warnt eindringlich vor einer drohenden Sicherheitslücke bei der Luftverteidigung.
„Abfangjäger sind kein Luxus, sondern ein zentrales Instrument zur Sicherung der Souveränität, Neutralität und zum Schutz der Bevölkerung Österreichs“, betonte Promberger.
Marterbauer hatte zuvor via „Kronen Zeitung“ den Wünschen des Verteidigungsministeriums nach mehreren Milliarden für die Nachfolge der in die Jahre gekommenen Eurofighter eine klare Absage erteilt. Er sehe „keinen Spielraum“ für zusätzliche Milliardenbeträge über das Vereinbarte hinaus. Damit hat Marterbauer den Ärger des Koalitionspartners ÖVP auf sich gezogen, aber auch jenen der Freiheitlichen.
FPÖ-Wehrsprecher fordert Marterbauers Rücktritt
Deren Wehrsprecher Volker Reifenberger nannte die Nachbeschaffung der in die Jahre gekommenen Eurofighter in einer Aussendung „längst überfällig“. Die ablehnende Haltung Marterbauers sei ein Sicherheitsrisiko für Österreich. Gerade ein neutraler Staat müsse selbst in der Lage sein, seinen Luftraum aktiv zu schützen. Marterbauer sei rücktrittsreif.
SPÖ-Finanzminister Marterbauer ist ein Sicherheitsrisiko! Ein neutraler Staat braucht Abfangjäger für seine aktive Luftraumüberwachung!
Volker Reifenberger (FPÖ)
„Neutralität darf niemals zur Wehrlosigkeit führen, ganz im Gegenteil. Sie verpflichtet uns, unsere Souveränität selbst zu schützen“, so Promberger. Für die Sicherung des heimischen Luftraums sei „ausschließlich“ die Republik Österreich verantwortlich. „Abfangjäger sind dabei kein offensives Instrument, sondern ein Mittel der Luftraumüberwachung und -kontrolle“, verwies der Airchief darauf, dass nur so auf unbekannte oder nicht reagierende Flugzeuge, wie etwa bei Funkkontaktverlust, Fehlverhalten oder im Ernstfall auch bei Bedrohungen reagiert werden könne. „Die globale Lage zeigt uns jeden Tag, wie wichtig Überwachung und Schutz des Luftraums sind.“
36 neue Überschall-Kampfjets nötig
Die Anzahl von 36 neuen Überschall-Kampfflugzeugen, auf die sich ein interner Bericht zur Evaluierung der „Luftverteidigung 2032+“ festgelegt hat, sei keineswegs aus „Prestige oder Luxus, sondern aus einer klaren und nachvollziehbaren Beurteilung, militärischer Notwendigkeit und der Einsatzrealität“ getroffen worden. Es müsse sichergestellt werden, dass jederzeit genügend Abfangjäger zur Einsatzvorbereitung, für Übungen, für die Ausbildung der Militärpiloten, für die technische Überprüfung vorhanden sind und gleichzeitig Einsätze geflogen werden können.
„Bedrohungen halten sich nicht an Bürozeiten“
„Bedrohungen aus der Luft halten sich nicht an Bürozeiten“, erklärte der Airchief. Für einen 24/7-Betrieb müsse ein Teil der Flotte immer in Einsatzbereitschaft sein. Um diese „dauerhaft“ zu gewährleisten, brauche es eben „eine entsprechend große Stückzahl“, nämlich 36 Maschinen. „Unsere Aufgabe ist es, jederzeit innerhalb weniger Minuten reagieren zu können“, so der Generalmajor. Wenn ein Flugzeug den Funkkontakt zur zuständigen zivilen Flugverkehrskontrollstelle verliere oder sich gemäß Luftverkehrsregeln nicht regelkonform verhalte, „müssen wir sofort aufsteigen, egal ob Tag oder Nacht, da es sich um souveränitätsrelevante Vorfälle handelt“. Davon verzeichnet das Bundesheer jährlich mehr als 50 im österreichischen Luftraum.
Eine Fähigkeitslücke, also etwa die nicht durchgehend aktive Luftraumüberwachung mit Abfangjägern, hätte „direkte Auswirkungen auf unsere Souveränität“, warnte Promberger. „Deshalb ist es entscheidend, diese Lücke rechtzeitig zu schließen und eine durchgehende Einsatzbereitschaft sicherzustellen.“ Aktuell wird der „Eurofighter Typhoon“ der Tranche 1 betrieben. „Diese Flugzeuge leisten derzeit gute Dienste, stoßen aber technisch und wirtschaftlich Anfang 2030, spätestens 2035, an ihre Grenzen.“ Instandsetzung, Ersatzteile und Betrieb würden „zunehmend schwieriger und teurer“.
Zeitnahe Entscheidung essenziell für Luftraumüberwachung
Daher sei eine „rechtzeitige Nachfolgeentscheidung“ essenziell. Die Einführung eines neuen Abfangjägers sei komplex und dauere viele Jahre. Deshalb müsse die Einführung eines Nachfolgemodells zeitnah 2026/2027 entschieden und spätestens 2032 beginnen, argumentierte der Airchief: „Jede Verzögerung erhöht das Risiko, dass Österreich zeitweise keine vollwertige Luftraumüberwachung mehr gewährleisten kann.“
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