Die Vorwürfe gegen Christopher Seiler von „Seiler und Speer“ sorgen derzeit für heftige Diskussionen und erreichen nun auch Vorarlbergs größtes Festival – das „Szene Opern Air“ in Lustenau.
Christopher Seiler und Bernhard Speer zählen zu den Lichtgestalten der österreichischen Musikszene, über Ersterem liegt allerdings seit einigen Tagen ein dunkler Schatten. Der 39-Jährige hat einer jungen Frau mit Zwang Kokain auf die Lippen geschmiert – ein klarer Übergriff, eine körperliche Grenzüberschreitung. Christopher Seiler streitet diesen konkreten Vorwurf nicht ab, er hat via Instagram eine „Beichte“ abgelegt und will aufgrund seines offenkundigen Gewalt- und Drogenproblems eine mehrwöchige, professionell begleitete Therapie beginnen, weshalb auch bereits drei Auftritte der Band abgesagt worden sind.
„Findet aus jetziger Sicht statt“
Auch beim größten Musikfestivals in Westösterreich, dem „Szene Opern Air“ (30. Juli bis 1. August) am Alten Rhein in Lustenau, sollen „Seiler und Speer“ einen Auftritt haben – und zwar als Hauptact des ersten Festivaltags. Steht die Show jetzt auf der Kippe, zieht etwa der Veranstalter selbst die Reißleine? „Szene“-Impresario Hannes Hagen gibt sich im Gespräch mit der „Krone“ betont gelassen: „Der Auftritt ist vertraglich fixiert und findet aus jetziger Sicht statt.“ Man stehe mit dem Management im Austausch, konkrete Gespräche über Änderungen habe es bislang aber noch nicht gegeben. „Wenn sich etwas ändert, werden wir das auf jeden Fall kundtun.“
Zurückhaltende Linie auch im Fall Yung Hurn
Zu den Vorwürfen selbst will sich Hagen nicht äußern. „Da gibt es von uns kein Statement. Solche Dinge müssen von Gerichten geklärt werden“, betont er. Die zurückhaltende Haltung der Veranstalter erinnert an die Debatte im vergangenen Jahr. Damals sorgte der Auftritt des Wiener Rappers Yung Hurn beim „Szene“-Festival für Kritik. Aktivisten von „Extinction Rebellion“ protestierten unter dem Motto „Keine Bühne für Sexismus“ direkt vor Ort. Auch im Sommer 2025 wollte sich die Festivalleitung inhaltlich nicht positionieren und verwies stattdessen auf die „Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen“ – sowie auf die Eigenverantwortung des Publikums. Heuer findet sich Yung Hurn übrigens nicht mehr im Line-up.
Rechtliche Verpflichtungen
Fakt ist allerdings auch, dass der Handlungsspielraum von Veranstaltern in derartigen Fällen begrenzt ist. Es gibt Verträge und folglich rechtliche Verpflichtungen den Musikern gegenüber, von den wirtschaftlichen Konsequenzen einer Absage ganz zu schweigen. Oder um es mit Bertolt Brecht zu sagen: Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
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