Neue Tarife ab Juni

Öffi-Reform: Was sich in Vorarlberg nun ändert

Vorarlberg
21.03.2026 12:25

Der Verkehrsverbund Vorarlberg stellt sein Tarifsystem um. Ab 1. Juni ersetzen drei Zonen das komplexe Domino-Modell. Für viele Fahrgäste wird die Öffi-Nutzung günstiger, doch auf bestimmten Strecken drohen Preissteigerungen von über 100 Prozent. Auch die neuen Zeitlimits können zur Kostenfalle werden.

Ab dem 1. Juni wird das Tarifsystem für Bus und Bahn in Vorarlberg grundlegend geändert. Das bisherige, oft als kompliziert empfundene Domino-System mit seinen 94 einzelnen Zonen wird abgeschafft. An seine Stelle tritt ein Modell, das auf drei übersichtlichen Tarifbereichen basiert: „Lokal“, „Regio“ und „Maximo“. Die Zone „Lokal“ ist für kurze Fahrten in der unmittelbaren Umgebung des Startorts gedacht, beispielsweise zwischen benachbarten Gemeinden. Die Zone „Regio“ fasst größere Gebiete zusammen, insgesamt gibt es neun solcher Regionen im Bundesland. Wer über die Grenzen einer Regio-Zone hinaus oder durch mehrere Regionen fährt, benötigt ein „Maximo“-Ticket, das in ganz Vorarlberg gültig ist.

Ergänzt wird dieses System durch drei Zeitstufen: 60 Minuten, 120 Minuten und 24 Stunden. „Die Mobilität der Menschen hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Mit der neuen Tarifwelt schaffen wir ein zeitgemäßes und modernes Angebot, das sich an den Wünschen und Bedürfnissen der Fahrgäste orientiert“, erklärt Christian Hillbrand, Geschäftsführer des Vorarlberger Verkehrsverbundes (VVV). Angesichts der jeweils drei Zonen und Zeitstufen spricht er von einem „einfachen Drei-mal-Drei-Prinzip“, bei dem nur noch die Zone und die Dauer der Fahrt entscheidend sind.

Die neun REGIOS im Überblick.
Die neun REGIOS im Überblick.(Bild: Verkehrsverbund Vorarlberg)

Erleichterungen vor allem bei kurzen Wegen
Das erklärte Ziel der Reform ist es, den Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln zu vereinfachen und besonders Gelegenheitsnutzer anzusprechen. Laut Verkehrslandesrat Christof Bitschi (FPÖ) gab es in den vergangenen Jahren vor allem bei den Jahreskarten starke Zuwächse, nun wolle man auch Menschen für Freizeit- und Ausflugsfahrten gewinnen. Durch die Umstellung sollen viele Fahrten günstiger werden. Dies gilt insbesondere für kürzere Strecken, die innerhalb einer der neuen Lokal- oder Regio-Zonen liegen. So wird es beispielsweise möglich sein, in der Lokalzone um Feldkirch mit einem einzigen 60-Minuten-Ticket um 2,40 Euro zwischen Orten wie Klaus und Satteins zu pendeln. Auch auf manchen längeren Strecken ergeben sich Preisvorteile. Laut Verkehrsverbund werde beispielsweise eine Einzelfahrt von Bludenz nach Dornbirn künftig um rund 80 Cent billiger sein.

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Mit der neuen Tarifwelt schaffen wir ein zeitgemäßes und modernes Angebot, das sich an den Wünschen und Bedürfnissen der Fahrgäste orientiert.

Christian Hillbrand, Geschäftsführer des Vorarlberger Verkehrsverbundes

Wo es für Fahrgäste deutlich teurer wird
Die Vereinfachung hat jedoch ihre Tücken, denn für manche Verbindungen müssen Fahrgäste künftig deutlich tiefer in die Tasche greifen. Preissprünge ergeben sich vor allem dann, wenn eine Fahrt ungünstig geschnittene Zonengrenzen überschreitet oder mit einem längeren Aufenthalt – etwa ein Arztbesuch oder ein Einkauf – verbunden ist. Ein Beispiel verdeutlicht das Problem: Eine Fahrt von Dornbirn zum Landeskrankenhaus Feldkirch und wieder zurück kostete bisher mit einem Tagesticket 11 Euro. Dauert der gesamte Ausflug mit Aufenthalt künftig länger als zwei Stunden, wird ein 24-Stunden-Ticket der Zone „Maximo“ für 18,40 Euro fällig. Das ist eine Preissteigerung von immerhin rund 67 Prozent. Noch drastischer fällt der Anstieg bei manchen kürzeren Strecken aus, die zwischen zwei Regio-Zonen liegen. Wer etwa von Hohenems nach Klaus oder von Hard nach Lochau fährt, bezahlte bisher für die Einzelfahrt rund 4 Euro. Im neuen System ist dafür ein Maximo-Ticket für 9,60 Euro notwendig. Zwar ist darin eine Rückfahrt innerhalb von zwei Stunden inkludiert, im Vergleich zur einfachen Hinfahrt bedeutet das aber einen Preisanstieg von 140 Prozent.

Das Zeitlimit als unvorhergesehene Kostenfalle
Ein weiterer kritischer Punkt sind die neuen Zeitfenster, die nicht für jede Strecke passen. Problematisch ist vor allem, dass es für die Regio-Zone keine 120-Minuten-Option gibt, sondern nur Tickets für 60 Minuten oder 24 Stunden. Das führt dazu, dass Fahrten, die über eine Stunde dauern, unweigerlich in den teureren Ganztagestarif fallen. Dieser Nachteil amortisiert sich allerdings dann, wenn innerhalb von 24 Stunden wieder die Rückfahrt, welche im Ganztagesticket inkludiert ist, angetreten wird.  

Verantwortliche weisen Kritik zurück
Den Vorwurf einer „Preissteigerung durch die Hintertür“ weist Verkehrslandesrat Bitschi entschieden zurück. Er betont, dass das neue System mehr Flexibilität biete, etwa durch die inkludierte Rückfahrtmöglichkeit bei vielen Tickets. Die Tarifstruktur sei nun deutlich einfacher und verständlicher, was vor allem Gelegenheitsnutzern den Einstieg erleichtere. Unterm Strich, so der Landesstatthalter, werde ein Großteil der Fahrgäste von der Umstellung finanziell profitieren. Auch Verbund-Geschäftsführer Hillbrand räumt zwar ein, dass einzelne Fahrten „durchaus spürbar“ teurer werden können. Zugleich verweist er darauf, dass rund 94 Prozent aller bisher gekauften Einzeltickets in die neuen Kategorien „Lokal“ oder „Regio“ fallen – und genau in diesen Bereichen habe man gezielte Entlastungen geschaffen, weshalb die Preise dort meist günstiger oder zumindest gleich hoch bleiben.

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Die neue Tarifwelt macht die Nutzung des ÖPNV noch einfacher, übersichtlicher und attraktiver.

Christof Bitschi, Landesstatthalter und Mobilitätslandesrat

Weitere Neuerungen im Überblick
Die Tarifreform bringt noch weitere Änderungen mit sich. Für Seniorinnen und Senioren ab 75 Jahren wird ein neues, vergünstigtes „KlimaTicket“ eingeführt. Es kostet 229 Euro pro Jahr und ist im gesamten Bundesland gültig. Zudem wird der Verkauf von Fahrscheinen erleichtert. Ab dem Frühsommer sollen Tickets in rund 100 Trafiken in Vorarlberg erhältlich sein. Auch das bargeldlose Bezahlen direkt im Bus wird weiter ausgebaut und bleibt eine günstigere Alternative zum Ticketkauf am Automaten. Eine erfreuliche Nachricht gibt es für Hundebesitzer: Die Mitnahme von Hunden ist künftig kostenlos.

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