„Strukturreform statt neuer Schilder“: Die Neos kritisieren den Kurs von Vorarlbergs Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher als zu zögerlich. Sie fordern eine echte Bündelung der Spitaler auf zwei Standorte, um das Millionen-Defizit zu senken und die Versorgung durch moderne Patientenlenkung effizienter zu gestalten.
Vor kurzem hatten die Vorarlberger Neos eine Umfrage zum Vorarlberger Gesundheitssystem präsentiert, in der sich 77 Prozent der Befragten für weniger, aber hoch spezialisierte Krankenhäuser ausgesprochen hatten. 73 Prozent wären bereit, ein Primärversorgungszentrum (PVZ) in der Nähe zu nutzen, statt ins Krankenhaus zu fahren. Für Katharina Fuchs, Gesundheitssprecherin der Pinken im Vorarlberger Landtag, und Neos-Nationalrat Johannes Gasser ist deshalb klar: Die Bevölkerung ist für eine Strukturreform bereit — die Politik muss diese nur umsetzen.
Aus Sicht der Neos sollte das Vorarlberger Spitalssystem in Zukunft nur mehr zwei hoch spezialisierte Krankenhäuser haben. Bei Bedarf könnte es ein Spezialzentrum wie beispielsweise in Rankweil für die Psychiatrie geben. Zugleich müsste ein flächendeckendes, niederschwelliges PVZ-Netz die wohnortnahe Versorgung garantieren.
Für die zwei Spitäler würden die Fakten sprechen, dass ein höheres Fallvolumen mehr Routine, niedrigere Komplikationsraten und kürzere Aufenthalte bedeutet. Spezialisierte Zentren seien außerdem personell resilienter. Teure Geräte (MRT, Katheter-Labor, Roboterchirurgie) ließen sich an zwei statt sieben Standorten besser auslasten und finanzieren.
Mit dem vorliegenden Spitalscampus-Konzept, bei dem die Fachbereiche im Norden und Süden des Landes gebündelt werden sollen, habe Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher das „Nord-Süd-Prinzip“ selbst bestätigt. Der Unterschied zum Neos-Vorschlag sei aber, dass Rüscher an allen sieben Standorten festhalte. Dabei wurden nach ihren Berechnungen nur fünf bis elf Millionen jährlich eingespart – bei 310 Millionen Defizit weniger als vier Prozent des Problems. „Es geht bei dieser Reform nicht ums Sparen um jeden Preis, sondern um eine bessere und vor allem effektivere Struktur — und die bekommt man nicht mit sieben Spitalsstandorten und neuen Schildern“, betont Katharina Fuchs.
Um mögliche Versorgungsengpässe abzufangen, würden die Pinken auf PVZ setzen. Davon allerdings sind im Regionalen Strukturplan Gesundheit keine vorgesehen, kritisiert Katharina Fuchs. „Wer diese nicht ausbaut, braucht die teuren Spitäler als Ersatz — und zahlt die 310 Millionen Defizit pro Jahr als Konsequenz.“
Koordination auf Bundesebene
Da die zentralen Hebel der Spitalsreform (Finanzierung, Steuerung, Tarifgestaltung) beim Bund liegen, will sich Johannes Gasser auf dieser Ebene dafür einsetzen, dass das Vorarlberger Modell auch finanziell und strukturell funktioniert. Konkret fordert er eine aktive Patientenlenkung, eine Zentralisierung der Dateninfrastruktur, einen verbindlichen Ausgabenpfad für alle Bundesländer, gleiche Preise für gleiche Leistungen sowie eine Bündelung bei der Beschaffungen von Medikamenten und Geräten.
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