Fast 3000 Personen, davon 30 Prozent Kinder, sind in Vorarlberg nicht ausreichend wohnversorgt, wie die ARGE Wohnungslosenhilfe am Freitag informierte. Es wurde eindringlich vor weiteren Sparmaßnahmen gewarnt, gleichzeitig brauche es mehr gemeinnützigen Wohnbau.
In Vorarlberg sind immer mehr Menschen von Wohnungslosigkeit bedroht. Mit fast 3000 Personen nützten 2025 so viele wie noch nie die Angebote der ARGE Wohnungslosenhilfe, erklärten Vertreter der sechs Einrichtungen des Bündnisses am Freitag in Götzis. 30 Prozent der Betroffenen sind laut der aktuellen Erhebung Kinder. Man warne eindringlich vor weiteren Sparmaßnahmen bei den Ärmsten, gerade die hohen Wohnkosten setzten den Familien zu, hieß es.
Die ARGE erhebt jährlich im Oktober Daten ihrer Klienten zur Wohnungsnot, die von der bedrohten oder ungeeigneten Wohnsituation bis hin zur Obdachlosigkeit reichen kann. 2025 wuchs die Zahl der Hilfesuchenden dabei auf 2961 an, 888 bzw. 30 Prozent der Betroffenen waren minderjährig. „Das ist absolut besorgniserregend“, sagte Ferdinand Koller vom Bregenzer „dowas“. Von jenen, die eine Wohnung hätten, lebe jeder vierte Haushalt in einem rechtlich bedrohten Mietverhältnis. Gegenüber dem Vorjahr seien sowohl Anzahl als auch Anteil der Haushalte in rechtlich bedrohten Mietverhältnissen gestiegen.
Seit 2019 nehmen die ambulanten Beratungen zu, das habe vor allem mit gestiegenen Lebenshaltungs- und Wohnkosten zu tun, die viele Haushalte in existenzielle Bedrängnis brächten. Einsparungen bei Transferleistungen trügen noch zur Verschärfung der Lage der Haushalte bei. 34 Prozent der ambulant Ratsuchenden geben mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für Wohnen aus. „Die Politik des Sparens bei den Ärmsten zeigt bereits Wirkung“, erklärte Caritas-Vertreter Christian Beiser.
Mehr Zulauf verzeichneten auch die stationären Wohnprojekte. „Wir sehen deutlich, dass die Einrichtungen sehr voll sind, wir haben Auslastungszahlen von 90 bis 100 Prozent in den stationären und einigen teilstationären Einrichtungen. In beiden Notschlafstellen für Erwachsene ist es an mehr als drei Viertel der Tage im Erhebungszeitraum zu Abweisungen gekommen“, berichtete Michael Hämmerle von den Dornbirner Kaplan Bonetti Wohnprojekten.
Sozialhilfe reicht oft nicht mehr aus
Etwas besser ist die finanzielle Lage laut der Erhebung für betroffene Menschen, die in gemeinnützigen Wohnungen leben. Vorarlberg brauche daher dringend mehr gemeinnützigen Wohnraum, das angestrebte Bauvolumen der Landesregierung reiche nicht, so einmal mehr die Forderung der ARGE. Zudem müssten die Transferleistungen auf ein armutsfestes Niveau angehoben werden. Die ARGE verwies für Vorarlberg besonders auf die Wohnkostensätze der Sozialhilfe, die teilweise seit 2022 nicht mehr erhöht worden seien und nicht mehr zur Deckung der Wohnkosten ausreichten.
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