Der gemeinnützige Wohnbau kommt in Vorarlberg nicht in die Gänge. Heimischen Bauunternehmen entgehen dadurch Aufträge. Die Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) fordert: investieren und regional bauen.
Während tausende Vorarlberger auf leistbaren Wohnraum warten, stockt der Ausbau bei den Gemeinnützigen. 6500 Personen standen im vergangenen Oktober auf der Warteliste. Eine Entspannung ist nicht in Sicht: Heuer wird die landeseigene Vogewosi nur 118 neue gemeinnützige Wohnungen realisieren. Zudem hat die Landesregierung die Wohnbauförderung gekürzt. Für die Gewerkschaft Bau-Holz ist daher klar: Diese Politik verschärft nicht nur die soziale Krise, sondern trifft auch die regionale Bauwirtschaft hart. Jeder nicht gebaute Wohnblock bedeute fehlende Aufträge für heimische Betriebe, betonte auch Josef Muchitsch, Bundesvorsitzender der GBH, beim Neujahrsempfang der Gewerkschaft Bau-Holz Vorarlberg am Dienstag in Hohenems.
Hiesige Betriebe müssen den Vorzug bekommen
Der Abend stand unter dem programmatischen Motto „Rot-Weiß-Rot Bauen“. „Das heißt: Regionale Unternehmen, die hier ansässig sind, ausbilden und Steuern zahlen, sollen die Aufträge bekommen. So bleiben Investitionen im Land – und genau das macht Wohnen langfristig auch günstiger“, erklärt Muchitsch. Die Entwicklung in Vorarlberg sieht der Gewerkschaftsboss überaus kritisch. Dass das Ländle beim gemeinnützigen Wohnbau hinterherhinke, sei keinesfalls Zufall. In der vergangenen Legislaturperiode wurde die von der damaligen schwarz-grünen Landesregierung selbst auferlegte Vorgabe von 4000 neuen Sozialwohnungen klar verfehlt – am Ende waren es nur rund 2000.
Und für heuer hat sich die neue schwarz-blaue Koalition nicht einmal ein konkretes Ziel gesteckt: „Ohne klare Ziele gibt es keine Planungssicherheit – weder für die Menschen noch für Betriebe“, bemängelt Muchitsch im Interview mit der „Krone Vorarlberg“. Der gemeinnützige Wohnbau sei kein bloßer Kostenfaktor, sondern ein sozialer und wirtschaftlicher Stabilitätsanker. „Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ist Investieren wichtiger als Sparen“, so Muchitsch. „Investitionen in Wohnbau, Sanierung und Infrastruktur kurbeln die Wirtschaft an und sichern Jobs. Ohne den Bau wird auch die Gesamtwirtschaft nicht in Fahrt kommen. Jetzt ist die Zeit, zu handeln – und nicht, um zu kürzen.“
Beschäftigte sind Opfer des Preisdumpings
Ein weiteres Manko sieht die GBH im Billigstbieterprinzip. „Billig gebaut ist über den gesamten Lebenszyklus teurer“, betont Muchitsch. Schlechtere Qualität, höhere Reparaturkosten und Sicherheitsmängel seien die Folge. Auszubaden hätten das Preisdumping am Ende die Beschäftigten – mit Lohndruck und schlechteren Arbeitsbedingungen. „Und letztlich zahlen alle drauf: die öffentliche Hand, die Arbeitnehmer und die Bevölkerung.“ Unterstützung kommt von GBH-Landesgeschäftsführer Andreas Ammann. Er verweist auf die besondere Struktur der Vorarlberger Bauwirtschaft: „Unsere Betriebe sind regional verankert, haben eine hohe Lehrlingsquote und bestens ausgebildete Fachkräfte.“
Investitionen in Wohnbau, Sanierung und Infrastruktur kurbeln die Wirtschaft an und sichern Jobs. Ohne den Bau wird auch die Wirtschaft nicht in Fahrt kommen.
Josef Muchitsch, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Bau-Holz (GBH)
Wenn öffentliche Aufträge regional vergeben werden, sichern wir Arbeitsplätze und halten die Wertschöpfung im Land. Billigstbieter-Vergaben gefährdeten hingegen Jobs, Qualität und Nachhaltigkeit. Wer in Vorarlberg baut, soll auch Vorarlberger Arbeit sichern.“ Um dieses Ziel zu erreichen, fordert die GBH klare Vergabekriterien, die Regionalität, soziale Standards und Nachhaltigkeit berücksichtigen. Das bestehende Vergaberecht biete dafür genügend Spielräume, nur müsse man diese auch konsequent nutzen. „2026 muss der Bau wieder der Konjunkturmotor werden“, bringt Muchitsch seinen Neujahrswunsch auf den Punkt.
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