Drogenring zerschlagen

Büstenhalter wurde zum geheimen Kokain-Depot

Oberösterreich
20.03.2026 12:14

Eine afrikanischstämmige Familie soll jahrelang die Linzer Drogenszene dominiert haben. Das Trio – Mama, Papa und Sohn – sitzen in Haft. Die Polizei jubelt: Der im Linzer Süden angesiedelte Suchtgiftring konnte nach monatelangen Ermittlungen nun offenbar trockengelegt werden. Die Subdealer wurden angeblich mit Voodoo-Zauber mundtot gemacht.

„Uns ist ein einzigartiger Schlag gegen die Suchtgiftkriminalität gelungen. Wir haben ein Thema entschärft, das uns seit Jahren beschäftigt“, freut sich Landespolizeichef Andreas Pilsl.

Monatelang war im Umfeld des Linzer Drogen-Hotspots im Bereich des Kremplhochhauses intensiv ermittelt worden, mindestens zehn Exekutivbeamte waren seit Sommer (vielfach auch in Zivil) täglich im Einsatz.

Die Bilanz: 85 Händler und Konsumenten wurden vor Ort festgenommen, gegen zehn weitere bestehen Festnahmeanordnungen. Die mutmaßlichen Capos – ein afrikanischstämmiges Ehepaar (67, 60) und deren Sohn (34) – konnten überführt und geschnappt werden.

Kriminelles Family-Business
Sie hatten einen schwungvollen Handel mit Kokain und Cannabis-Harz aufgezogen, der Abnehmer aus ganz Oberösterreich, aber auch die Schüler zweier Berufsschulen aus der Nähe anlockte. „Die Hauptverdächtigen sitzen in Haft, wir haben Suchtgift, Bargeld und andere belastende Materialien sichergestellt und hoffen, die Lage damit im Griff zu haben“, so Pilsl. 

Das Umfeld des Linzer Kremplhochhauses gilt seit Jahren als Drogen-Hotspot.
Das Umfeld des Linzer Kremplhochhauses gilt seit Jahren als Drogen-Hotspot.(Bild: FOTOKERSCHI / WERNER KERSCHBAUMM)

Drehscheibe des kriminellen Family-Business war offenbar ein Afrika-Shop in der Wiener Straße, der mittlerweile geschlossen ist. „Mutter und Sohn wurden am 29. Jänner festgenommen, der Vater am 5. Februar, als er nach einer Afrika-Reise zurückgekehrt war. Er hatte 14.000 Euro Bargeld im Gepäck“, bestätigt Ulrike Breiteneder, Sprecherin der  Staatsanwaltschaft Linz.

Kreative Drogenverstecke
Das Lokal befand sich im Besitz der Mutter, der Sohn führte das Gewerbe. Drogen wurden dort unter anderem in Flaschen, in der Tiefkühltruhe, hinter Heizkörpern oder in Sofaritzen versteckt. Die 60-Jährige soll auch ihren Büstenhalter als Kokain-Versteck eingesetzt haben.

In diesem, inzwischen geschlossenen Afro-Shop soll sich der Hauptumschlagplatz des Drogenrings ...
In diesem, inzwischen geschlossenen Afro-Shop soll sich der Hauptumschlagplatz des Drogenrings befunden haben.(Bild: FOTOKERSCHI / WERNER KERSCHBAUMM)

„Der Sohn hat das Suchtgift beschafft und es dann Subdealern übergeben“, sagt Breiteneder. Diese „Läufer“, die in Mietwohnungen untergebracht waren und sich meist nicht lange in Österreich aufhielten, soll der Vater chauffiert und das Geld dann kassiert haben. Breiteneder: „Die Ermittlungen waren sehr schwierig, es gab von den Subdealern keine Bereitschaft, mit uns zusammenzuarbeiten.“

Angst vor Voodoo-Zauber
Das hatte vor allem damit zu tun, dass sie Angst vor Voodoo-Zauber hatten, der ihnen und ihren Familien angedroht worden sein soll. Bei neun Hausdurchsuchungen wurde schließlich aber genügend belastendes Material sichergestellt, sodass der Sohn zumindest den Verkauf von 23,5 Kilogramm Cannabiskraut zugab. Den Handel mit Kokain bestreitet er jedoch.

Alle drei haben längst die österreichische Staatsbürgerschaft, galten in der Vergangenheit als strafrechtlich unbescholten. Insgesamt knapp 80.000 Euro wurden bei gezielten Aktionen sichergestellt. „Wir haben den Umschlagplatz nachhaltig zerschlagen“, betont Simon Kreutzer vom Linzer Kriminaldienst.

Neben den Suchtmitteldelikten konnten die Ermittler zahlreiche weitere strafbare Handlungen anzeigen: acht Fälle von Geldwäscherei, zwei Raubdelikte, ein Widerstand gegen die Staatsgewalt, drei gefährliche Drohungen, eine Körperverletzung, acht Einbruchsdiebstähle und drei Urkundenunterdrückungen.

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