Wie schwer kann es sein, mit dem Bus in die Arbeit zu fahren? „Ich habe in Wien gelebt, das war nie ein Problem“, denkt sich „Krone“-Redakteurin Clara Milena Steiner: „Man steigt ein, fährt los, steigt aus.“ Und weil Fastenzeit ist, verzichtet sie in dieser Woche auf ihr Auto.
Ein löblicher Vorsatz, rede ich mir ein, der allerdings praktische Konsequenzen hat: Ich muss mir tatsächlich einen Wecker stellen, der mich erinnert, den Wagen stehenzulassen. Zum Glück ist die Bushaltestelle quasi vor meiner Haustür.
Der Bus kommt pünktlich. Und mit ihm der erste Gegner: der Ticketkauf. Direkt beim Busfahrer komme ich nicht weit – Kartenzahlung wird nicht akzeptiert, Bargeld habe ich schlicht keines dabei. „Sie kennten ja uns’re App probieren“, nickt mir der Bufahrer zu.
Für mich als Millennial eine leichte Übung: die „Mobil“-App für Wien, Graz und Klagenfurt hab’ ich sowieso am Handy, sie ist überall gleich aufgebaut. Nur diesmal lädt der Startbildschirm Ewigkeiten.
Nur nicht aufgeben
Nach dem dritten Versuch blicke ich genervt vom Bildschirm auf, entdecke einen Hinweis, der kleiner nicht sein könnte, und lese erstaunt: Unsere Landeshauptstadt hat sich eine eigene digitale Sonderwelt gebaut. Die alte App gibt es zwar noch, aber sie funktioniert nicht mehr – ein stillgelegtes Relikt, kein Hinweis.
Gut, ich bin ja flexibel; also schnell die neue App mit dem kreativen Namen „KlagenfurtMobil2.0“ herunterladen, registrieren, Adresse, Geburtsdatum und Co. angeben – ich frage mich, ob die Stadtwerke mir ein Busticket verkaufen oder meine vollständige Biografie archivieren wollen ...
Benutzerfreundlichkeit? Fehlanzeige
Während mein Bus durch die Straßen ruckelt, kämpfe ich mich durch Formulare und Bestätigungsmails. Benutzerfreundlichkeit scheint ein Fremdwort zu sein. Kurz bevor ich an meinem Ziel aussteige, gelingt es mir schließlich – mit der Gelassenheit eines Menschen, der soeben eine digitale Pilgerreise beendet hat -, tatsächlich ein Ticket zu kaufen.
Fastenzeit, denke ich mir, soll ja zur inneren Einkehr führen. Der Klagenfurter Busverkehr hilft dabei auf seine ganz eigene Weise.
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